Vortrag, Osnabrück, 22 Januar 2011

Alpha ist nur der erste Buchstabe

Die Bedeutung von Glaubenskursen für eine Kirche in der pluralistischen Gesellschaft

Ich freue mich sehr, wieder einmal hier in Deutschland zu sein. Ich bin der anglikanische Co-Vorsitzende der Meissen-Kommission, deren Auftrag es ist, die Beziehungen zwischen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Kirche von England weiter zu entwickeln. Und ich freue mich über jede Gelegenheit, nach Deutschland zu kommen und von der Erfahrung der Kirche in Deutschland zu lernen.

Heute wird das Handbuch der EKD zur Kampagne ‚Kurse zum Glauben‘ präsentiert, das dann an alle Pastoren und Pastorinnen sowie Diakone und Diakoninnen der Landeskirche versandt wird. Warum? Kirchen zeigen sich als Experten im Geschäft der Produktion von immer neuen Kursen, Initiativen und Kampagnen. Manchmal scheint es, dass viele Gemeinden durch solche Initiativen einfach ermüdet sind. Sie beten jeden Tag, dass die Bischöfe und das Kirchenamt keine weiteren guten Ideen haben werden.

Aber heute gilt das nicht. Kurse zum Glauben sind nicht nur eine gute Idee – Kurse zum Glauben sind überhaupt notwendig in einer Gesellschaft, wo manche Leute nicht mehr wissen, warum sie das glauben, was sie glauben (das heißt, von Gott, der Bedeutung des Lebens, der Moral, usw.). Es ist einfach wunderbar, dass die EKD diese Situation ernst genommen hat, und jetzt diese Ressourcen den Kirchen und Gemeinden zur Verfügung stellt. Kurse zum Glauben bietet jeder Gemeinde neue Gelegenheiten, gemeinsam – sowohl mit Christen als auch mit Noch-nicht-Christen – die zentralen Inhalte des christlichen Glaubens neu oder zum ersten Mal zu durchdenken, zu hinterfragen und gemeinsam auf einen christlichen Lebensweg zu gehen. In einer pluralistischen Gesellschaft – im Kontext eines selbstbewussten Islams und eines aggressiven Säkularismus – ist es  ausgesprochen wichtig, ja: unerlässlich, dass wir verstehen, warum wir mit einer christlichen Perspektive, sozusagen durch eine christliche „Linse“ auf die Welt schauen und warum wir versuchen, als Christen miteinander zu leben.

Diese Zeit ist für mich und meine Frau nicht so einfach. Croydon – mit einer Bevölkerung von ungefähr 350,000 Menschen – liegt in Süd-London; das heißt, in einer komplexen Umgebung in einem sich schnell verändernden Land. Aber Mitte April werde ich meinen Dienst in Croydon aufgeben um nach Bradford – ganz im Norden – umzuziehen, wo ich ab Ende Mai Bischof von Bradford sein werde. Und wir werden genau das verlassen müssen, was uns bequem ist und uns vielleicht auch bequem macht: das heißt, alles, was uns über die Jahre bekannt und vertraut geworden ist. Wir werden ein neues Leben in einem fremden Ort anfangen müssen.

Mein erster Auftrag in Bradford ist, die Geschichten, die Kulturen und die Ausdrucksweisen der vielen unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen in der Multikulti-Stadt Bradford und den Dörfern zwischen den Dales und dem Lake District zu lernen. Ich bin dort ein Newcomer, ich kann nicht, wie wir in England sagen: „share their memory“, also die Erinnerung dieser Menschen und Gemeinschaften teilen, aber ich kann ihre Geschichten lernen. Ich muss verstehen, was diese unterschiedlichen Gesellschaften und Menschen motiviert, welche Sprachen sie verstehen – um herauszufinden, welche Sprachen ich sprechen muss, wenn ich gehört werden will. Ich muss lernen, wie sie in Yorkshire leben, was sie geformt hat und was sie zum Lachen und Weinen bringt.

Was ich damit sagen will: Bradford ist nicht Süd-London. Die Menschen sind anders und das Leben im Norden ist nicht wie das Leben in London. Die Menschen benehmen sich anders. Trotz der Tatsache, dass ich vor dreißig Jahren an der Universität in Bradford studierte, kenne ich die Stadt nicht mehr. Inzwischen ist so viel verändert, und es ist zwingend erforderlich, dass ich jetzt alle Vorurteile und Erwartungen fallen lassen, die zu einer anderen Zeit gehören. Jetzt werde ich das Leben der Stadt und der Diözese neu kennenlernen. Diese Erfahrung wird wahrscheinlich anspruchsvoll, anstrengend und auch vielleicht verwirrend. – und erfüllend!

Nun werden Sie sich fragen, was mein Umzug nach Bradford mit den Glaubenskursen in Deutschland zu tun hat. Ich glaube, die Umstellung auf eine neue, fremde Umgebung, das Kennenlernen und sich Anpassen an das, was einem in einer neuen Umgebung begegnet, beschreibt in gewissem Maße die heutige Welt und die Herausforderungen an die Kirche zu Beginn des einundzwanzigsten Jahrhunderts. Die Welt meiner Kindheit ist nicht die Welt der Kindheit meiner Kinder oder meines Enkels. (Er heißt Ben, ist fast sechs Monate alt, wohnt in Liverpool und wird bald mit einem Liverpooler Akzent seine ersten Worten aussprechen – hoffentlich werden diese ersten Worten lauten: ‚You’ll Never Walk Alone‘…)

Vor zwei Wochen tagte die Theologische Konferenz der Meissen Kommission in Salisbury. Wir haben uns mit Ekklesiologie, also mit der Lehre und dem Verständnis der Kirche beschäftigt. Und wir haben erkannt, dass die Situation der Kirchen in England und Deutschland in vielem sehr ähnlich ist. Die Kirchen stehen in beiden Ländern vor bestimmten Herausforderungen, zum Beispiel:

  • Rückläufige      Zahlen von Gottesdienstbesuchern
  • Plausibilitätsverlust      von Kirche als Institution
  • Entchristlichung      der Gesellschaft
  • Individualisierung      des Glaubens.

Es scheint mir, dass die Kirche oft langsam ist, die reale Wirklichkeit anzuerkennen. Die Welt geht weiter und verändert sich, aber die Kirche bleibt fest… und hofft. Wir wollen die Handlungsweisen der Vergangenheit bewahren, weil wir sie anerkennen und uns mit ihnen bequem eingerichtet haben. Wir zögern, das zu verlieren, was für uns ‚normal‘ geworden ist.

Ich bin überzeugt: Wir müssen neue Sicht- und Denkweisen im Blick auf die Kirche und für den Blick der Kirche auf die Welt suchen, damit wir nicht die Realitäten, die Gelegenheiten und die Herausforderungen verpassen, vor denen wir stehen.

In den letzten dreißig Jahren haben wir in England einige Modelle des Erwachsenenkatechumenats entwickeln müssen. Warum ‚müssen‘? Ganz einfach: Weil England in dieser Zeit ziemlich säkularisiert worden ist und die Kirche nicht mehr annehmen kann, dass die Engländer auch nur die blasseste Ahnung haben, was das Christentum eigentlich ist. Manche Beobachter der englischen Gesellschaft haben den Eindruck, dass England heute ein postchristliches Land ist. Ich möchte illustrieren, was ich damit meine. Eine Geschichte von vorletzter Woche.

Im Jahre 2011 feiern wir 400 Jahre King James Bibel. Im Jahre 1611 hat der schottische König James eine neue Übersetzung der Bibel in Auftrag gegeben und diese Übersetzung hat die ganze englische Sprache, unsere Literatur, Kunst und Musik tief geprägt. Und vorletzte Woche bin ich eingeladen worden, an einer speziellen Radiosendung der BBC teilzunehmen. Diese Sendung war hochinteressant: Der Bischof von London hat etwas Intelligentes gesagt; berühmte Schauspieler, Schriftsteller, Dichter, Historiker und auch Politiker haben viel Interessantes beigetragen. Alle haben weise und vernünftig über die King James Bibel gesprochen… und dann kam der Bischof von Croydon. Ich sprach darüber, wie die Sprache der Bibel moderne Musiker wie Bob Dylan, Pete Seeger, Leonard Cohen, Bob Marley, Bono (von U2) und Boney M (!) beeinflusst hat. Diese Musiker kennen die Bibel. Die Bibel lebt in ihrem Unterbewusstsein.

Aber das finden wir in der heutigen Generation nicht mehr. Als Bono ein junger Mann in Irland war, konnte jeder Prediger in jeder Kirche davon ausgehen, dass alle Zuhörer und Gemeindemitglieder die Geschichten der Bibel kannten. Ein Verweis auf – zum Beispiel – den barmherzigen Samariter oder Moses und den brennenden Dornbusch wurde von allen verstanden… ohne Weiteres. Aber heute nicht mehr. Heute wagt man nicht, auf eine biblische Geschichte zu verweisen, ohne die Geschichte selbst zu erzählen. Vor dreißig Jahren konnten wir davon ausgehen, dass die Geschichten bekannt waren; heute muss man davon ausgehen, dass niemand die Geschichten der Bibel kennt. Ja, das ist furchtbar; aber das ist die Realität. Und die Kirche ist dazu berufen, in der wirklichen Welt zu leben – nicht in einer Welt der Vergangenheit.

Vor dreißig Jahren verstanden die ‚normalen‘ Engländer auch, was ‚Christ‘ bedeutet. Heute nicht mehr. Neuere Forschungen in England haben gezeigt, dass die neue Generation (die so genannte ‚Generation Y‘) nicht so feindlich gegenüber der Religion oder dem Christentum ist, wie die Generation X. Warum nicht? Weil die Generation Y nicht genug darüber weiß, um dem Christentum gegenüber feindlich oder auch nur kritisch eingestellt zu sein. In England spricht man vom ‚religiösen Analphabetismus‘ (religious illiteracy) in den Medien, unter den Schul- und Universitätslehrern, bei Politikern und säkularen Beobachtern. Und dieser Analphabetismus ist zu oft mit einem überraschenden Selbstvertrauen verbunden.

Aber wir müssen auch anerkennen, dass England nicht nur vor der Herausforderung der Säkularisierung oder Religionsvergessenheit steht, sondern auch vor einem vielfältigen religiösen und kulturellen Pluralismus. Vor einigen Wochen habe ich eine Grundschule in Croydon besucht. Unter 320 Kindern werden 46 Muttersprachen gesprochen. Innerhalb der inneren Ringstraße in Bradford gibt es heute nur eine einzige christliche Kirche: die anglikanische Kathedrale. Moscheen gibt es viele. Deswegen können wir sagen, dass der interreligiöse Dialog und die interreligiöse Zusammenarbeit von hoher Bedeutung sind.

Also, die Welt hat sich verändert. Und meiner Meinung nach ist es sinnlos und eine verpasste Chance, nur darüber zu klagen. Wenn die Kirche ihren Auftrag erfüllen will, muss sie die Sprache der heutigen Welt erstens verstehen und zweitens sprechen können. Wir müssen uns daran erinnern, dass die biblische Geschichte uns zeigt, dass Gott sein Volk dazu beruft, sein Leib in der konkreten Welt  zu sein, und so zu leben, dass die Menschen, die mit der christlichen Gemeinde in Kontakt kommen, etwas von dem Christus erfahren, von dem wir in den Evangelien lesen.

Ich bin überzeugt, dass es Aufgabe der Kirche ist einen Raum zu schaffen, in dem Menschen herausfinden können, dass Gott sie schon gefunden hat – auf Englisch klingt das besser: ‘creating the space in which people can find that they have been found by God’ (in whatever circumstances of life). Dazu müssen wir dort anfangen, wo die Menschen sind – und wir müssen eine Sprache sprechen, die die Menschen tatsächlich verstehen. Christen müssen lernen, klar, einfach und mit Vorstellungskraft zu sprechen – Bilder mit Worten zu malen, damit Menschen neugierig auf Gott und die Welt werden. Und, meiner Meinung nach, ist das eine spannende Aufgabe.

Die Kirche steht vor einer großen Herausforderung: Wie können wir im alltäglichen Leben einer Kirchengemeinde den Raum schaffen, wo Menschen zu Christus kommen, als Christen wachsen, und als verantwortungsvolle Christen in und durch die Gemeinde leben können? Wenn so viele Menschen keine Ahnung mehr vom christlichen Glauben haben, wie fangen wir eigentlich an, sie zu erreichen?

In England haben wir gelernt, dass verschiedene Gemeinden unterschiedliche Hilfsmaterialien brauchen. Deshalb haben wir verschiedene Kurse zum Glauben geschrieben und entwickelt. Nicht jeder ‚Erwachsenenkatechismus‘ ist für alle Kontexte geeignet: wir sagen auf Englisch, ‚one size fits all doesn’t work‘. Wir brauchen eine Vielfalt von Methoden und Ansätzen, die für bestimmte Menschen in bestimmten Kontexten von Familien-, Berufs- und Erziehungsherkunft geeignet sind.

Nach unserer Erfahrung in England in den letzten zwanzig Jahren haben wir gelernt, dass es einige wichtige Grundsätze für effektive Erwachsenenkatechismen gibt:

  • Wir müssen Gelegenheiten bieten, wo Menschen den christlichen Glauben ohne Verlegenheit untersuchen und auch kritisch befragen dürfen
  • Wir dürfen nicht vorschnell darüber urteilen, was die Menschen glauben, verstehen oder wissen
  • Wir müssen kleine Gruppen ermöglichen, wo die Menschen sich wohlfühlen – wo sie sich frei fühlen, offen zu sprechen, Dialog zu treiben und ehrliche Fragen zu stellen
  • Wir müssen dort anfangen, wo die Menschen sind – und nicht wo wir denken, dass sie sein sollten
  • Wir müssen Menschen wie Erwachsene behandeln…
  • Menschen entspannen, wenn es Essen und Trinken gibt
  • Erwachsenenkatechumenat läuft langsam. Die meisten Menschen brauchen eine lange Zeit, um zum Glauben zu kommen oder im Glauben zu wachsen

Ich möchte dies anhand einer persönlichen Erfahrung illustrieren. Von Mai 1992 bis April 2000 war ich Pfarrer in Rothley. Die Kirche existiert dort seit 860 nach Christus. Mein Auftrag war es, die Menschen zu erreichen, die nicht in die Kirche kamen. Ganz am Anfang meiner Zeit als Pfarrer habe ich eine Entscheidung getroffen, die die Wahrnehmung der Kirche ziemlich veränderte….

In diesem Dorf (mit ungefähr 6000 Einwohnern) gibt es fünf Pubs. Wunderbar! Was für eine schwere Belastung war meine Arbeit! Jedes Lokal hat seinen eigenen Charakter und seine ganz eigene, um nicht zu sagen: eigenartige Klientel. An einem Montag ging ich in das ‚old village‘ Pub – the Old Crown -, wo zwei Männer Billard spielten. Sonst niemand. Ganz leer. Ich sprach mit dem Wirt und fragte ihn: ‚ Es ist fast leer heute Abend. Ist es immer so?‘ ‚Es ist Montag,‘ sagte der irritierte Mann. ‚Ist es immer so am Montag?‘ fragte ich. Der Wirt schaute mir in die Augen und sagte: ‚Es ist Montag. Das heißt nach dem Wochenende!‘ Ich dachte einen Moment nach und fragte ihn: ‚Darf ich den Pub am Montag in drei Wochen haben – und ich verspreche, dass viele Menschen kommen werden?‘ ‚Du möchtest das private Zimmer hinter der Bar haben, oder?‘ ‚Nein,‘ sagte ich, ‚ich will den ganzen Pub haben.‘ Endlich stimmte er zu.

Zu dieser Zeit hatte ich nur eine Computergraphik: eine Bierpumpe. Halleluja! Ich machte einige Plakate und verteilten sie überall im Dorf: ‚Pump the Vicar in the Old Crown‘ (den Pfarrer in der Alten Krone anzapfen) – ‚pump‘ auf Englisch kann auch bedeuten: ‚jemandem viele Fragen stellen‘. Also: ‚Pump the Vicar in the Old Crown – um 20 Uhr, Montag den blah blah blah… Keine Tabus!’

An diesem Montag kamen fast 70 Menschen. Auch ein paar Journalisten sind gekommen, weil sie sich dafür interessierten. Um 20 Uhr stand ich auf (mit meinem Pint) und sprach nur fünf Minuten lang von Jesus. Ich sagte, dass es sich wirklich lohnt, als Erwachsener einen zweiten Blick auf Gott und Jesus Christus zu werfen. Ich sprach nur kurz, aber provozierend. Danach fingen wir an zu diskutieren. Was meinen Sie, um wie viel Uhr bin ich wohl nach Hause gekommen? Gegen 1 Uhr am Morgen. Danach haben wir regelmäßig ‚Pump the Vicar‘ organisiert.

Nachher sind einige Männer aus dem Dorf und der Kirche zu mir gekommen und sie fragten, ob wir eine Gruppe speziell für Männer schaffen könnten – im Pub. Diese Gruppe heißt ‚Men Behaving Acceptably‘ (Männer die sich akzeptabel verhalten) – damals gab es eine populäre Fernsehsendung ‚Men Behaving Badly‘… ‚Men Behaving Acceptably‘ wurde als ‚MBA Gruppe‘ bekannt! Die Frauen hatten den Eindruck, dass diese Gruppe eine Geschäftsstudiengruppe war…

Ungefähr 120 Männer gehörten dieser Gruppe an – durchschnittlich kamen ungefähr 60 am ersten Montag jedes Monats. Aus dieser Gruppe entstanden Kurse zum Glauben… im Pub. Jeder Kurs dauerte nur sechs Wochen unter dem Titel: ‚Open to Question‘. Aus diesen Gruppen entstanden ‚Christian Basics‘ Kurse und – später – Kurse über Apologetik. Das heißt, dass wir dort anfingen, wo diese Männer wirklich waren – mit ihren Fragen und Vorurteilen und Missverständnissen. Dann gingen wir weiter und erklärten (immer in einem Kontext des Dialogs), was Christen glauben und warum… und wie Christen miteinander und in der Welt leben sollen und können. Viele Menschen (nicht nur Männer) sind zum Glauben, zur Taufe und zur Konfirmation gekommen. Es war keine Überraschung, dass die Kirchengemeinde wuchs und andere Menschen in den Gottesdienst kamen, um herauszufinden, was in dieser Kirche los war. In diesen Gruppen haben wir viel geredet… und viel gelacht. Und ziemlich viel getrunken.

Die Hauptsache ist, dass wir dort anfangen, wo die Menschen wirklich sind. Der Alpha-Kurs ist gut bekannt. Der Emmaus-Kurs ist komplizierter. Sie sind auf verschiedene Menschen ausgerichtet. Und sie sind nicht in Konkurrenz zu einander. Sie bieten alternative Ansätze. Und in England gibt es viele solcher Kurse.

Ich möchte mit einem kleinen Blick in die Bibel schließen. In den Evangelien scheint es so: Statt einen Vortrag oder eine Erklärung abzugeben, stellt Jesus oft eine einfache Frage: „Was willst du, dass ich für dich tun soll? (zu dem blinden Bettler Bartimäus im Markusevangelium Kapitel 10). Oder im Lukasevangelium Kapitel 24, wo zwei Jünger nach Emmaus gehen und „sie redeten miteinander von allen diesen Geschichten. Und es geschah, als sie so redeten und sich miteinander besprachen, da nahte sich Jesus selbst und ging mit ihnen… Er sprach aber zu ihnen: Was sind das für Dinge, die ihr miteinander verhandelt unterwegs?“ Jesus geht mit ihnen. Er lässt sie ihre Geschichte auf ihre Weise erzählen. Erst dann, wenn sie zum Ende gekommen sind, stellt er ihnen die Frage: ‚Darf ich jetzt diese Geschichte anders erzählen?‘

Jesus beginnt dort , wo wir sind. Er weiß, dass wir die Verantwortung für unsere Begegnung mit Jesus übernehmen müssen – dass wir unsere eigenen Entscheidungen im Blick auf die Forderungen Jesu treffen müssen. Jesus hat niemals jemanden dazu verführt, blinder Nachfolger zu werden.

Kurse zum Glauben helfen uns, als Christen zu wachsen und erwachsen zu werden – aber sie zwingen uns zugleich, neue Wege zu finden, um ehemalige Christen oder Agnostiker vertrauensvoll wieder zum Gespräch über Gott und die Bedeutung des Lebens zu bringen.

Aber immer mit Essen und Trinken.