Ehrenamtlichentag, Hannover, 4 September 2010

Ehrenamt und Jüngerschaft aus englischer Sicht – von Zebedäus oder Jakobus lernen?

Ich freue mich sehr, wieder einmal hier in Hannover zu sein. Einige meiner besten deutschen Freunde wohnen hier und ich komme gelegentlich und sehr gerne her. Ich bin der englische (anglikanische) Co-Vorsitzende der Meissen Kommission, deren Auftrag ist, die Beziehungen zwischen der EKD und der Kirche von England immer weiter zu entwickeln. Und ich freue mich über jede Gelegenheit, nach Deutschland zu kommen und von der Erfarhrung der Kirche in Deutschland zu lernen. Letzte Woche war ich mit meiner Frau in Berlin, wo ich im Berliner Dom die Predigt gehalten habe; heute bin ich in Hannover; Mitte September werde ich mit der Meissen Kommission in Wittenberg – Geburtsort der Protestantischen Reformation – sein … genau zu der Zeit, wenn der Papst in London ist. Schade! Ich hoffe, sie machen keinen Unsinn zu Hause, solange ich weg bin…

Also, heute Morgen möchte ich aus einer englischen Sicht und von einer englischen bzw anglikanischen Perspektive über den Auftrag der Kirche sprechen. Ich werde versuchen, zu zeigen, wie die Kirche heute lebt und funktioniert unter den realen Bedingungen unserer Zeit, die Ihnen und mir vertraut sind. Zuerst aber müssen wir anerkennen, dass es nicht immer sehr hilfreich oder einfach ist, die Form oder die Lage der Kirche zu verallgemeinern. Denn jede Kirche unterscheidet sich auf bestimmte Weise von den anderen und ihr Leben hängt von ihrem Standort, ihrem kulturellen und gesellschaftlichen Kontext, der Persönlichkeit und Leidenschaft des Pfarrers und dem Engagement der Gemeindemitglieder ab. Außerdem wird das Leben einer bestimmten Kirche auch von der theologischen ‚Farbe‘ und Geschichte (das heißt, von der Tradition) der jeweiligen christlichen Gemeinde geprägt.

Nun, ich weiß, dass die Erfahrung der Kirche von England sich von der Erfahrung der Kirchen der EKD unterscheidet. Ich werde versuchen, diese Tatsache in Betracht zu ziehen und hoffe, dass sich meine Gedanken zu diesem Thema auch in einem deutschen Kontext verstehen lassen.

Den Begriff ‚Ehrenamtlichentag‘ kennen wir auch in England. Einige anglikanische Diözesen haben in den letzten zwanzig Jahren solche Tage für Laien eingeführt, weil die Bischöfe den Ehrenamtlichen für ihre Verpflichtung danken und in ihrer christlichen Nachfolgeschaft ermutigen wollen. Und das ist hier die Hauptsache: Die Ehrenamtlichen als Nachfolger Jesu zu ermutigen und nicht als Bewahrer einer geistlichen Institution oder Pfleger eines kirchlichen Museums. Ich werde nachher diese Auffassung weiter erklären, aber zuerst möchte ich die englische Situation beschreiben, dann uns einige einfache Fragen stellen und danach eine kurze Geschichte erzählen.

In England muss die Kirche so genannte „Fresh Expressions“ oder „neue Formen“ von Kirche erforschen. Die Kirche sucht nach neuen Impulsen für die Evangelisation in einem Land, wo es nicht mehr so einfach ist, Christ zu sein.

Wir stehen unter finanziellem Druck und das bedeutet, dass auch die Finanzierung unserer Gemeindedienste und unserer Missionsarbeit eine große Herausforderung darstellt. In England gibt es keine Kirchensteuer. Die Diözesen der Kirche von England (insgesamt 44) haben verschiedene Methoden entwickelt, um zu errechnen, wie viel Geld jede Gemeinde an die Diözese geben kann. Das heißt, eine Gemeinde mit 600 Gemeindegliedern bezahlt zum Beispiel £250,000 pro Jahr an die Diözese, und bekommt dafür nur einen Pastor (der jährlich £48,000 an Gehalt, Unterkunft, Altersvorsorge, Fortbildung und so weiter kostet). Eine benachbarte Gemeinde, die vielleicht nur 75 Gemeindemitglieder hat, bezahlt jährlich nur £10,000, bekommt aber auch einen Pastor. Auf diese Weise schaffen wir es, dass auch in den Landstrichen Pastoren beschäftigt sind, die sich das allein vielleicht nicht leisten könnten. Wohlgemerkt: Alles, was die Kirche an Geld bekommt, muss jede Woche und jeden Monat von den Menschen aufgebracht werden.

Das bedeutet, dass die meisten Aktivitäten, Dienste und „Jobs“ in den Gemeinden von Ehrenamtlichen geleistet werden und nicht von bezahlten Angestellten. Das bedeutet auch, dass diese Ehrenamtlichen sich nicht nur einem Gebäude oder der Institution verpflichtet fühlen dürfen, sondern wirklich überzeugt sein müssen vom Auftrag der Kirche und ihrem Dienst als Jünger Jesu Christi. Diese Erkenntnis setzt sich allmählich im ganzen Land durch, stellt aber auch eine Herausforderung dar. Jüngerschaft ist teuer – häufig ist sie ein kostspieliges Opfer. Und Menschen sind nicht bereit, ihre Zeit, ihr Geld oder sich selbst für eine Sache zu opfern, der sie nur mit halbem Herzen angehören.

Eine interessante Frage für jede Kirche lautet: Würde deine Gesellschaft einen Unterschied bemerken, wenn eines Nachts deine Kirchengebäude verschwinden würden? Oder wenn die Kirchenmitglieder eines Tages aufhörten, Gott jede Woche in der Kirche anzubeten und ständig der örtlichen Gemeinschaft zu dienen? Gäbe es wirklich einen praktischen und bemerkbaren Unterschied, wenn die Gemeinde einfach aufhörte, zu existieren? Diese Fragen sind gute Fragen, weil wir es als selbstverständlich betrachten, dass die Kirche immer da ist und die Gemeinde ein zielgerichtetes und nützliches Leben führt.

Ich kann nicht für die deutsche Kirche antworten, aber ich kann mit großer Zuversicht sagen, dass wenn du eine meiner Pfarrkirchen in Süd-London wegnehmen würdest, es dann keinen Ort mehr in der Gemeinschaft gäbe, wo alle Menschen sich unter einem Dach begegnen könnten; keinen Platz für einen gemeinsamen Gottesdienst (außer in Privathäusern); keinen Platz, wo sich junge Eltern und ihre Kinder treffen mögen; keinen Platz, wo sich ältere Menschen miteinander zum Essen treffen könnten; und wenig sichtbare christliche Präsenz.

Wenn das Verschwinden der Kirche wenig oder gar keinen Unterschied für die Gesellschaft machen würde, dann sollten wir sofort die Kirchen schließen und aufhören, unsere Zeit und unser Geld für einen kleinen privaten Spiritualitätsverein zu verschwenden.

Also, jetzt lass mich euch mit einer kurzen Geschichte ermutigen!

Drei Männer wanderten in den Bergen. Sie kämpften sich ihren Weg durch die Bäume und versuchten, ihre Hütte vor dem Einbruch der Nacht zu erreichen. Plötzlich stießen sie auf einen reißenden Fluss. Das Wasser lief den Berg hinunter und die Männer hatten keine Ahnung, wie sie den Fluß überqueren sollten. Aber es gab keine Alternative – sie mussten unbedingt diesen Fluss überqueren, aber sie wussten nicht wie.

Der erste Mann betete: „Gott, gib mir bitte die Kraft, um diesen Fluss zu überqueren.“ Pouff! Plötzlich wurden seine Arme größer; seine Brust erweiterte sich und seine Beine wurden stärker. Dann warf er sich in den Fluss hinein und schwamm auf das gegenüberliegende Ufer. Er brauchte zwei Stunden. Ein paar Mal ist er untergegangen und wäre fast ertrunken. Aber, endlich, ist es ihm gelungen, das Ufer zu erreichen, und er schleppte sich total erschöpft an Land.

Der zweite Mann beobachtete den ersten Mann und er betete: „Gott, gib mir bitte die Kraft und die Mittel, um diesen Fluss zu überqueren.“ Pouff! Plötzlich wurden seine Arme größer; seine Brust erweiterte sich und seine Beine wurden stärker; und ein Kanu tauchte vor ihm auf. Er paddelte eine lange Stunde durch das Wasser und schließlich, total erschöpft und nachdem er zweimal gekentert war, schleppte er sich aus dem Wasser und auf das gegenüberliegende Ufer.

Der dritte Mann hatte die zwei Freunde beobachtet und er betete: „Gott, gib mir bitte die Kraft, die Mittel… und die Intelligenz, um diesen Fluss zu überqueren.“ Pouff! Plötlich verwandelte ihn Gott in eine Frau! Er schaute in seine Handtasche, holte eine Karte heraus, ging hundert Meter das Ufer entlang, und überquerte die Brücke.

Heutzutage müssen wir neue Sicht- und Denkweisen im Blick auf die Kirche suchen, damit wir nicht die Realitäten, die Gelegenheiten und die Herausforderungen verpassen, vor denen wir stehen.

Also, wie können wir Christen uns gegenseitig für das Leben in der Kirche ermutigen? Ich glaube, dass wir jetzt über die Theologie nachdenken müssen – darüber, was wir als ‚offensichtliche Theologie‘ bezeichnen können. Und dies können wir durch einige Fragen tun, nämlich: Wer ist die Kirche, wofür ist die Kirche und für wen existiert die Kirche eigentlich?

Als Anfang einer Antwort auf diese Fragen möchte ich versuchen, die ganze Bibel in einer Minute zu erzählen. Ich muss allerdings zugeben, dass bei einem solchen Versuch ein paar Details weggelassen werden müssen. Aber wenn du dieser Erzählung folgst und diese Geschichte verstehst, dann verstehst du im Wesentlichen die ganze Bibel. (Diese Zusammenfassung ist auch in meinem Buch In höchsten Tönen zu finden.)

Am Anfang hat Gott alles erschaffen, was es gibt und er fand, dass seine Schöpfung wunderschön war – auch wenn alles durch Menschen schiefgegangen ist. Er rief ein bestimmtes Volk, um den verschiedenen Völkern der Erde zu zeigen, wer er ist und was ihn (seinen Charakter) ausmacht. Dieses Volk betrachtete seine ‚Auserwähltheit‘ als ein Privileg (‚Wir sind auserwählt worden, und deswegen müssen wir was Besonderes sein und die Welt sollte unsere Besonderheit anerkennen‘) statt die Verantwortung zu erkennen, das eigene Leben dafür zu geben, damit die Welt sehen kann, wie Gott ist. Die Propheten erschienen und warnten die Menschen des Volkes, dass sie alles verlieren würden, was ihre Geschichte, Identität und Berufung ausmachte, wenn sie ihre ursprüngliche Berufung, nämlich der Welt die Erkenntnis zu ermöglichen, wie Gott ist, nicht wieder entdeckten. Tatsächlich ist genau das eingetroffen, und das Volk wurde zwei Mal ins Exil verbannt – im achten und im sechsten Jahrhundert vor Christi. Jesus erfüllte durch seine Person das, was immer die Berufung Israels gewesen war, und gab sein Leben, damit die Welt erfahren konnte, was Gott ausmacht. Dann forderte er das Volk, das seinen Namen trägt, auf, in seiner Welt das auszuleben, was in ihm erfüllt worden war – was schon immer die Berufung seines Volkes gewesen war: der Welt zu zeigen, wer er ist und was ihn ausmacht.

Die Logik der biblischen Geschichte zeigt uns, dass Gott sein Volk dazu beruft, sein Leib in der konkreten Welt (von Fleisch und Blut) zu sein, und so zu leben, dass die Menschen, die mit der christlichen Gemeinde in Kontakt kommen, etwas von dem Christus erfahren, von dem wir in den Evangelien lesen. Das bedeutet, daß sie in ihrem Kontakt (oder ihrer Berührung) mit der Kirche etwas von einer Berührung mit Jesus selbst erleben. Die Stimme, das Hören und die Berührung der Kirche muss eigentlich der Stimme, dem Hören und der Berührung von Jesus ähneln.

Aber wir können es auch anders ausdrücken. Wenn wir ein Buch lesen, lesen wir immer mit einer bestimmten Perspektive, manchmal ganz unbewusst – eine unausgesprochene Frage, zum Beispiel. Denk, zum Beispiel, an einen Krimi: Wenn du ihn liest, wirst du dich ständig fragen, ‚Wer hat es getan?‘ Das gleiche gilt auch bei der Bibel. Aber wenn wir die Bibel lesen, heißt die verborgene Frage: ‚Wie sieht Gott aus?‘ Die Antwort, die wir in der Bibel finden, lautet: ‚Gott sieht wie Jesus aus‘. Aber diese Antwort wirft dann noch eine andere Frage auf: ‚Wie sieht Jesus aus?‘ Und die Antwort? ‚Lies in den Evangelien – wie Jesus dort dargestellt wird – und schau uns an – die Kirche … die Gemeinschaft von Menschen, die seinen Namen tragen und die einen Anspruch auf Jesus Christus erheben … seinen Leib.‘

Wenn die Kirche dem in den Evangelien dargestellten Jesus Christus nicht ähnelt oder ihn spiegelt, dann begeht sie einen Betrug an unserer Gesellschaft und wir lassen uns durch eine Phantasie täuschen. Die Kirche existiert nicht, um eine Art ‚Ablenkungstherapie‘ vom wirklichen Leben – der Realität – anzubieten, sondern so auszusehen, so zu klingen und so zu fühlen, wie Jesus selbst. Die Prioritäten der Kirche sollten die Prioritäten von Jesus sein. Unsere Gesellschaft – unsere Nachbarn – sollten in uns und durch uns das Leben Jesu spüren.

Das heißt, die Kirche soll nichts anderes tun, als weiterhin der Leib Christi zu sein und das Evangelium weiterzusagen und damit zu erfüllen, was Jesus in Markus 1,14–15 schon getan hat, nämlich: die Menschen einzuladen, Gott zu sehen und Gott anders zu sehen – und sie dann einer Gemeinschaft von Menschen vorzustellen, die bereits gewagt haben, dies von sich aus zu tun, und die nun verpflichtet sind, es anderen zu ermöglichen, zu sehen, wie Gott ist und an wessen Seite man ihn finden kann. Anders gesagt: Die Aufgabe der christlichen Kirche ist es, eine Gemeinschaft zu sein, in der sich die Barmherzigkeit und Gnade, die versöhnende und heilende Liebe Gottes finden lässt. Und das sollten die Leute durch die Kirche erleben.

Doch manche werden sagen, dass die Kirche offensichtlich irgendwann von der richtigen Spur abgekommen ist, denn die christliche Gemeinschaft wird nicht immer als ein Ort der Barmherzigkeit erlebt, an dem Gott gefunden und gespiegelt wird. Nun ja, ich bin der erste, der die Hand hebt und ‚mea culpa‘ ruft.

Wie einmal jemand gesagt hat, scheint die Kirche häufig eher an die schlechten Nachrichten zu erinnern, als Gottes gute Nachricht in Christi Gestalt zu verkünden. Auch das ist zweifellos wahr. Doch wie bei so vielen Institutionen von heute ist die Darstellung der Kirche, ganz besonders in den britischen Medien, im Allgemeinen negativ und extrem selektiv, während die Erfahrungen auf der lokalen Ebene positiver verlaufen. Auch wenn das nicht unbedingt auf andere Länder zutreffen muss, möchte ich es aus der britischen Perspektive erläutern.

Die Kirche von England ist territorial organisiert. Das heißt, sie ist flächendeckend in ganz England vertreten, und jeder, der irgendwo in England wohnt, lebt in einer anglikanischen Gemeinde. Ein Gemeindepfarrer ist nicht nur der Kapitän seines Kirchenschiffs, sondern auch der Pfarrer aller Menschen, die in seiner Gemeinde wohnen oder arbeiten. Das bringt nicht nur gesetzliche Verantwortung und eine generelle Verfügbarkeit für alle, die dort leben, mit sich, sondern auch eine unvermeidliche Verpflichtung für das Wohlbefinden der ganzen Gemeinde, und verleiht darüber hinaus dem gesamten geistlichen Amt eine missionarische Perspektive – was bedeutet, auf diejenigen in der Gemeinde zuzugehen, die Gottes ‚frohe Botschaft‘ bislang weder gehört noch erfahren haben.

Ein Bischof in der Kirche von England zu sein bringt das große Privileg mit sich, die Wirklichkeit des Alltags in und durch unsere Gemeinden und das erstaunliche Engagement der Geistlichen und Laien für ihr Amt und ihre Gemeindearbeit zu sehen. Viele Kirchen stehen im Herzen ihrer Gemeinde und bieten nicht nur ‚spirituelle‘ Nahrung und Gottesdienste, sondern auch Einrichtungen für alle möglichen Menschen in allen möglichen Lebenslagen und –phasen an. Kirchliche Gruppen für Asylbewerber, Kinder, Jugendliche, Flüchtlinge, junge Eltern, ältere Menschen usw. finden sich überall im ganzen Land. Wenn die Medien Schlechtes über die Kirche berichten – was gewöhnlich eher auf einem Vorurteil als auf der Wahrheit beruht –, wird dieses massive örtliche Engagement für das Wohlbefinden anderer ignoriert. Millionen von Stunden ehrenamtlicher Arbeit werden jede Woche in unseren Kirchengemeinden geleistet, und die Grundlage für dieses Engagement ist ganz einfach das: Wenn Gottes Barmherzigkeit empfangen worden ist, dann muss sie weitergereicht werden.

Nun, das soll die schlechten Beispiele, bei denen Kirchen Fehler gemacht haben und ‚an die schlechten Nachrichten erinnern‘, nicht entschuldigen. Es gibt immer Beispiele von Christen, die in einer Weise reden und handeln, die Jesus’ Prioritäten, wie wir sie in den Evangelien finden, nicht widerspiegelt. Man muß nicht allzu fest an der Oberfläche kratzen, um Unbeständigkeiten, Widersprüche, Schwächen und Fehler bei Christen wie mir oder in unseren Kirchen zu finden. Doch das sollte nicht überraschen. Schließlich erhebt die Kirche nicht den Anspruch, der Standort absolut beständigen Verhaltens und vollkommener Verwaltung der ‚Wahrheit‘ zu sein. Auch wir sind nur Menschen, immer noch am Lernen, unser Verständnis ist immer noch unvollständig, und wir schaffen es immer noch, es tausend Mal falsch zu machen. Aber die ‚Linse‘, unsere Wahrnehmung wird immer noch neu geformt, und unsere Reise mit Jesus und seinen Freunden geht weiter.

Und hier muss ich endlich etwas über Jakobus und Johannes – die sogenannten ‚Donnersöhne‘ (Markus 3:17) – sagen. Ich bin mit den Geschichten aufgewachsen, in denen die einzigen echten Jünger von Jesus diejenigen waren, die alles verließen, um Jesus nachzufolgen. Petrus, Jakobus, Andreas, Johannes, und die anderen, deren Namen wir gut kennen. Als ich elf Jahre alt war, gab es nicht viel zu verlassen! Aber ich wollte so sein, wie Petrus, Andreas, Jakobus, Johannes, Paulus. Diese Männer waren die Riesenjünger – die Helden des Glaubens. Ich wollte ihnen unbedingt ähnlich sein. Sie waren immer das Modell von christlicher Jüngerschaft. Und deshalb habe ich mich immer als Versager gefühlt – eine Katastrophe als Christ und als Mensch. Aber später habe ich angefangen, diese Auffassung in Frage zu stellen.

Erstens begann ich langsam zu begreifen, dass dieses Bild irgendwie falsch war – die Jünger waren normale Menschen genau so wie du und ich. Jesus begegnete ihnen, wo sie waren (normalerweise am Arbeitsplatz am Rande der See) und forderte sie auf, mit ihm zu gehen … ohne ihnen zu sagen, wohin sie gingen oder wer die anderen Mitreisenden sein würden. Dann verbrachteten sie zwei bis drei Jahren mit ihm und wurden durch die Erfahrung verändert. Aber auch nach der Auferstehung und Himmelfahrt von Jesus – auch nach Pfingsten selbst – stellen wir fest, dass diese Helden des Glaubens immer noch schwach, inkonsequent und theologisch irregeleitet waren. Petrus bleibt Petrus, Jakobus bleibt Jakobus, Paulus bleibt Paulus. Das ist ja sehr ermutigend. Es gibt ein Lied auf Englisch, wo es heißt: „Take my talents, take my skills, take what’s yet to be; Let my life be yours, and yet, let it still be me.“ Auf Deutsch: „Nimm meine Talente, nimm meine Fähigkeiten, nimm, was noch sein wird. Lass mein Leben deins sein, und doch, lass es weiter mich sein.“ Das war bestimmt die Erfahrung der ersten Jünger.

Zweitens, vor einigen Jahren schrieb ich ein Buch über das Markusevangelium (es heißt Marking Time) und dabei habe ich mich nach vielen Jahren der Vertrautheit mit dem Text neu und ganz frisch damit beschäftigt. Ich war sofort von einem Detail im ersten Kapitel überrascht. Warum hatte ich diese Tatsache nie vorher bemerkt? Jesus lädt die zwei Brüder – Jakobus und Johannes – ein, mit ihm zu gehen. „Er sah Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und Johannes, seinen Bruder, wie sie im Boot die Netze flickten. Und alsbald rief er sie und sie ließen ihren Vater Zebedäus im Boot mit den Tagelöhnern und folgten ihm nach.“

Aber nach den kulturellen Gewohnheiten und Regeln dieser Gesellschaft war es unmöglich, dass diese zwei Brüder einfach ihren Vater verlassen konnten, ohne dass der Vater seine Erlaubnis gegeben hatte. Und wie würde Zebedäus seinen Fischereibetrieb weiterleiten, wenn diese zwei Männer nicht mehr für ihn arbeiteten? Wahrscheinlich musste Zebedäus andere Tagelöhner beschäftigen – und bestimmt dafür bezahlen. Mit anderen Worten können wir sagen, dass Zebedäus die alltäglichen Geschäfte des normalen Lebens weiterführte, damit die zwei Donnersöhne die Heldenjünger – die Glaubensstars – von Jesus werden durften.

Es scheint mir klar, dass die meisten gewöhnlichen Christen mehr wie Zebedäus als wie Jakobus und Johannes sind. Das heißt, Zebedäus bietet uns ein besseres Vorbild der Jüngerschaft als seine Söhne, Jakobus und Johannes. Die meisten von uns können nicht einfach unser bisheriges Leben hinter uns lassen und einfach auf eine dreijährige Nachfolgereise gehen. Deshalb ist Zebedäus mein Glaubensheld! Und in England gibt es viele Christen wie Zebedäus,  die regelmäßig einen finanziellen Beitrag für die Kirche leisten und damit mir ermöglichen, als Bischof zu arbeiten und meine Berufung von Gott und der Kirche zu erfüllen. Die Jüngerschaft dieser normalen Christen – dieser Zebedäus – sollte in höchstem Maße anerkannt und geachtet werden.

Trotzdem aber können wir auch etwas über die ‚unnormalen‘, die außergewöhnlichen Jünger sagen und von ihnen lernen.

Eines der bemerkenswerten Dinge an den Evangelien ist die Art, wie sie Jesus’ Jünger beschreiben. Es waren ganz gewöhnliche Leute. Während sie mit Jesus reisten, stellten sie fest, dass sie anfingen, einen Blick auf Gottes Gegenwart unter ihnen zu erhaschen, wie Jesus es angedeutet hatte. Die Veränderung der theologischen Weltanschauung war radikal und brauchte Zeit. Doch Jesus verachtete seine Freunde nie wegen ihrer beschränkten Wahrnehmung, ihrer moralischen Verfehlungen oder ihres aufgeblähten Selbstverständnisses.

Stattdessen gab er ihnen den Raum und die Zeit, zu schauen und zu beobachten und zu sehen und zu berühren und zu denken und ihre Dummheiten auszusprechen – alles, ohne aus der Gruppe ausgestoßen zu werden. Ihre internen Streitigkeiten und Machtkämpfe wurden zwar angesprochen, wenn sie entbrannten, doch Jesus schien es nicht eilig zu haben, sofort Vollkommenheit von ihnen zu verlangen.

Die Kirche muß wenigstens eine Gemeinde – auch ein Ort – werden, an dem Menschen feststellen, dass sie der Verurteilung durch die Welt ‚da draußen‘ entrinnen können, die so unerbittlich ist und Spaß daran hat, Menschen in ihrem früheren Ruf gefangen zu halten. Kirche muss ein Ort sein, an dem sie neu anfangen können. Dies ist eine Gemeinschaft der Barmherzigkeit und Großzügigkeit, in der Konformität keine Bedingung für Zugehörigkeit ist, und in der nicht schon vor Beginn der ‚Reise‘ Vollkommenheit verlangt wird. In diesem Sinne geht es bei der christlichen Jüngerschaft darum, Jesus zu begegnen, Jesus nachzuahmen, Vergebung und Verzeihung zu lernen und danach die Unvollkommenheiten unserer Mitjünger zu tolerieren, während wir gemeinsam versuchen, das Gesicht und die Berührung und die Stimme des Jesus, von dem wir in den Evangelien gelesen haben, zu spiegeln.

Vor zwanzig Jahren hielt ich einige Vorträge in Österreich bei einer Kirchenkonferenz in Bad Goisern. Der erste Vortrag war einfach furchtbar – auch damals konnte ich nur schlecht Deutsch reden. Es wurde mir schnell klar, dass die Zuhörer nicht alles verstanden hatten und dass sie schnell gelangweilt waren. Vor dem zweiten Vortrag – über die Kirche als Leib Christi – bat ich um ein großes Blatt Papier und dazu einige farbige Stifte.

Ich bin kein Picasso, kein Monet. Einmal, als unsere Kinder noch jung und wir in Urlaub waren, habe ich versucht, einen Apfel zu zeichnen. Meine Frau hat mich später gefragt, warum ich eine Banane gezeichnet hatte. Also, die Konferenzteilnehmer in Österreich sollten mir helfen, einen Körper zu entwerfen. ‚Kopf‘ hat jemand gesagt – und ich malte einen Kreis auf das Papier. ‚Ohren‘ hat eine Frau vorgeschlagen, und ich zeichnete noch zwei Kreise an den Kopf. Und so weiter: ‚Augen‘, ‚Mund‘, ‚Zunge‘, ‚Nieren‘, ‚Ellenbogen‘, ‚Knie‘, ‚Herz‘, ‚Leber‘… Dann fanden die drei Ärzte, die dabei waren, Spaß an der Sache. ‚Gallenblase‘… ‚Hirnanhangdrüse‘… Schrecklich. Ich bin auch kein Arzt. Nach einer halben Stunde hatten wir es geschafft, ein sehr komisches, seltsam geformtes Bild zu zeichnen – ein Mensch wie Picasso ihn sich vorstellen würde, vielleicht!

Dann fragte ich: Wie funktioniert jeder Körperteil? Zum Beispiel, die Augen schauen hinaus, aber sie weinen auch; die Ohren hören, aber sie sammeln auch Ohrenschmalz; die Knie beugen sich, aber sie absorbieren auch Stöße und verteidigen den Körper dadurch. Und so weiter.

Dann habe ich gefragt: Was soll diese Zeichnung über die Natur der Kirche sagen? Paulus sagt, wir sind der Leib Christi in der Welt; so sollten wir uns wie ein Leib benehmen. Nach diesem Gedanken folgt die Frage, wer in der Kirche ist die Stimme, die Ohren, das Herz, die Augen, die Knie – oder das harte Stück Haut an der Unterseite des Fußes, das nicht attraktiv ist, aber das wichtig für die Stabilität und das Gehen des Körpers ist? Welche Rolle spielt jedes Mitglied der christlichen Gemeinde?

Wir können einige Gedanken über die Kirche zusammenfassen:

  1. Jeder Christ und jede Christin hat einen bestimmten Platz und spielt eine bestimmte Rolle im Leben der Kirche, die dazu berufen ist, der Welt vor Ort im Namen Jesu Christi zu dienen. Diese Rolle geht über die regelmäßigen wöchentlichen Gottesdienste hinaus. Innerhalb der anbetenden Gemeinde wird es sicher Menschen geben, deren Gabe es ist, als Ohren oder Augen oder Hände oder Füße der Gemeinde zu dienen.

Innerhalb der Gemeinde wird es Menschen geben, deren Gabe es ist, die Augen der Kirche zu sein – sie schauen sich um und nehmen wahr, was anderen Menschen fehlt, sie entdecken die Neuankömmlinge, sehen, wo Hindernisse des Glaubens stecken und so weiter. Es wird solche geben, deren Gabe es ist, die Ohren der Kirche zu sein – sie hören durch die Ohren derjenigen, die nicht zur Kirche gehören und erfahren, wie die Kirche für Außenstehende klingt; sie hören auf die täglichen Erfahrungen der Menschen, die sich freuen und jauchzen oder auch leiden… und verstehen die Gegebenheiten des wirklichen Lebens. Es wird solche geben, die die Hände der Kirche sind – sie berühren die, die Heilung brauchen, halten die, die fallen, streicheln die, die Liebe brauchen, fordern die heraus, die Ungerechtigkeit und Lieblosigkeit lieben.

  1. Ehrenamt in der Kirche ist nicht einfach ein freiwilliger Dienst wie in jeder anderen Institution auch. Das gesunde Wachstum und die starke Entwicklung des Leibes Christi – der Kirche – verlangen die Gaben und Talente der Christen, die nicht nur von dem Wunsch nach Instandhaltung einer Institution, sondern von der Liebe und Gnade Gottes durch Jesus Christus getrieben werden. Ehrenamtliche sind zuerst Jünger.
  2. Die Kirche wird nie eine völlig bequeme Gemeinde sein. Warum? Weil sie aus unvollkommenen Menschen wie du und ich besteht. Wir haben unterschiedliche      Persönlichkeiten, Gaben, Wunden, Prioritäten. Aber wir müssen lernen, dass – wie Paulus schreibt – wir einen anderen nicht nur deswegen kritisieren dürfen, weil er eine Nase und nicht ein Auge oder der Nabel ist. Es ist wichtig zu bemerken, dass Jesus Petrus oder Jakobus bei der Wahl der ersten Jünger kein Widerspruchsrecht gab. Jesus ruft, wir folgen nach … miteinander zusammen. Tatsächlich könnten wir sagen, dass ein authentisches christliches Zeugnis nicht darin besteht, dass Christen immer einer Meinung sind, sondern dass sie trotz der Unterschiede mit Jesus und seinen Jüngern auf die Reise gehen.

Die Kirche von England hat gar keine Wahl: Sie muss das sehr ernst nehmen. Ich habe vorhin etwas zu unserer Situation gesagt. Und ich sage es noch einmal: Jüngerschaft ist teuer – häufig ist sie ein kostspieliges Opfer. Und Menschen sind nicht bereit, ihre Zeit, ihr Geld oder sich selbst für eine Sache zu opfern, der sie nur mit halbem Herzen angehören.

Hier werden wir das Leben der Kirche finden – hier, wo es Menschen gibt, die zuerst Jünger von Jesus sind; Menschen, die sich bewußt von Jesus haben rufen lassen; Menschen, die am Auftrag der Kirche in der Welt beteiligt sind; Menschen, die bewußt den Leib Jesu Christi wachsen lassen und dazu beitragen, die Kirche aufzubauen, die Gaben der Christen zu identifizieren und zu entwickeln, und neue Christen zur Neugeburt zu bringen.

Am Donnerstag bin ich von London nach Hannover gekommen. Nach dem Einchecken im Hotel habe ich mit einer Freundin die Expowalkirche besucht. Das, was wir dort gehört und gesehen haben, war hochinteressant und sehr ermutigend. Hier ist eine Gemeinde mit einem besonderen Auftrag und einer klaren Vision. Sie wird von ehrenamtlichen Mitarbeitern geführt und der Leiter des Projektes hat uns erklärt, warum jeder Mitarbeiter davon überzeugt sein muss, dieser Vision (und nicht einer anderen) zu folgen und diesen Auftrag zu erfüllen. Die ist ganz bewusst nicht eine Gemeinde wie andere Gemeinden, sondern eine bestimmte Art von Gemeinde, die sich zu einem bestimmten Auftrag berufen fühlt. Aber andere Gemeinden können von diesem Beispiel lernen, weil – so scheint mir – die Menschen im Expowal wirklich gelernt haben, was ehrenamtliche Christen motiviert.

Im Mai dieses Jahres war ich beim Ökumenischen Kirchentag in München. Ich war bei einer Veranstaltung dabei, wo zwei ältere Herren miteinander über die Kirche sprachen. Hans Küng und Jürgen Moltmann waren diese Herren. Sie waren typisch Deutsch: sie sprachen ehrlich, klar und genau und drückten sich mit furchtloser Verständlichkeit vor dreitausend Zuhörern aus. Sie beschäftigten sich mit fünf Fragen:

  1. Wer sind die Laien?
  2. Wer sind die Priester und Pfarrer?
  3. Wer ist die Kirche?
  4. Was ist Ökumene und wo steht sie heute?
  5. Was bedeutet es, Gemeinschaft im Namen Jesus Christi zu sein?

Das Gespräch war faszinierend und wunderbar. Die beiden Theologen wünschten sich, dass die Kirche sich mit den wirklichen Herausforderungen der heutigen Welt auseinandersetzen würde. Professor Küng forderte eine neue Reformation in der römisch-katholischen Kirche – eine Reformation, die die Kirchen einigen, und nicht weiter spalten würde. Professor Moltmann machte klar, dass der Kirchentag eine Laienkonferenz sei, wo die Bischöfe der Stimme der Laien anhören sollten. Das habe ich klar gehört!

Moltmann, der zu einem kleinen von Laien geführten Hauskreis in seiner Kirche in Tübingen gehört, glaubt, dass die Zukunft der Kirchen dort liegt, wo Christen die Verantwortung für ihren eigenen Glauben und ihre Glaubensentwicklung übernehmen, und sich die Kirchenmitglieder in kleineren Hausgruppen organisieren. Er sagte: ‚Christen sind nicht Kunden – hier, um die Kirche zu besuchen – sondern Mitglieder, die Verantwortung für das Leben der Kirche auf sich nehmen. Küng sagte, dass ‚eine Kirche für das Volk zu einer Kirche von dem Volk werden muss‘. Und danach sagte Moltmann, dass das Kennzeichen einer echten Kirche – egal wer oder wie der Pfarrer ist – ‚großzügige Gastfreundschaft‘ sei.

Es gibt eine Gemeinde in meiner Diözese, die vor fünf Jahren kurz vor der Schließung stand. Nur höchstens fünfzehn Menschen kamen zum Gottesdienst und die Aussicht war fast hoffnungslos. Das Gebäude war fast kaputt und sah wie geschlossen aus. Die einfachste Lösung wäre es gewesen, die Gemeinde aufzugeben. Ich lud eine junge Pfarrerin ein, dort zu arbeiten und ich sagte ihr, wenn sie nach sechs Monaten zu mir sagen würde, ‚Das geht einfach nicht – ich kann es nicht ertragen,‘ würde ich für sie eine gute Stelle finden – sie war mutig und visionär. Ich versprach ihr, dass ich sie völlig unterstützen würde. Nach zwei Jahren gingen ungefähr 70 Menschen in den Gottesdienst. Das letzte Mal, als ich da war (vor neun Monaten – ich habe 102 Gemeinden…), waren 150 Menschen aller Altersgruppen, aller Farben und Rassen, dabei. Jetzt sagt die Pfarrerin, die Gemeinde ist zu groß, weil die Menschen so komplizierte Leben in diesem Teil Süd-Londons führen. Aber die Kirche funktioniert nur deswegen, weil jeder Mensch, der zur Gemeinde gehört, auch eine Rolle im Gemeindeleben spielt. Und die Pfarrerin weiß genau, dass es überhaupt keine Kirche mehr geben würde, wenn zwei bestimmten Laien nicht den Mut gehabt hätten, für viele Jahre hartnäckig an dieser Gemeinde weiterzuarbeiten. Sie blieben und gemeinsam haben sie eine neue Gemeinde aufgebaut – aus einer hoffnungslosen Aussicht ist neues Leben entstanden. Zweimal Zebedäus in South Norwood.

Ich möchte mit einer kurzen Geschichte zum Schluss kommen, um dich zu ermutigen.

Mike Yaconelli war Jugendarbeiter in Amerika bis zu seinem frühen Tod bei einem Autounfall vor fünf Jahren. Er hat ein Buch mit dem Titel Messy Spirituality veröffentlicht – auf Deutsch heißt es: Gott liebt Chaoten. Yaconelli war auch Pfarrer einer freien Baptistengemeinde und hatte immer Angst davor, dass er nicht gut genug sei, Pfarrer zu sein. In seinem Buch beschreibt er, wie jeder andere Pastor ein gutes, ordentliches und theologisch konsequentes Leben führt. Im Vergleich mit den anderen war Mike Yaconelli eine Katastrophe. Einmal hat er gesagt: ‚Ich bin Pastor einer wachsenden Kirche – aber sie wächst immer kleiner.‘

Yaconelli erzählt einen Traum, den er nachts immer wieder hatte. In diesem Traum sitzt er in einem Zimmer mit vielen anderen Menschen. Plötzlich kommt Jesus herein. Jesus spricht eine Zeit lang mit ihnen, dann steht er auf, dreht sich um, deutet mit dem Finger auf ihn und sagt laut und klar – mit den Augen auf ihn gerichtet: ‚Komm, folge mir nach!‘ Yaconelli kann es kaum glauben: Jesus hat ihn auserwählt. Er steht auf, bereit, Jesus überall hin in der Welt zu folgen. Dann dreht sich Jesus um und sagt: ‚Er… nein… es tut mir leid… ich meinte den Kerl hinter dir.‘

Jesus macht das nie. Seid mutig – er ruft auch dich. Vielleicht bist du ein Petrus oder ein Jakobus oder ein Johannes oder ein Paulus. Vielleicht bist du ein Zebedäus. Seid mutig.