Oh well, it’s done. I preached this morning to 130,000 people in the sunshine at the Stadtpark in Hamburg. The Closing Service is always impressive – 5,500 scouts, 4,000 in the brass band, bread and wine distributed in less than twenty minutes – but to be part of it was both a once-in-a-lifetime privilege and a complete eye-opener.

I had to edit out a third of the original text. I owe everything to excellent and kind German friends such as Silke & Christoph Römhild, Joachim Lenz and Corinna Dahlgrün, who make sure I don’t sound stupid – or, at least, if I do, it has nothing to do with the language.

Here is the text:

34. Deutscher Evangelischer Kirchentag Hamburg 2013 : Schlussgottesdienst

Soviel du brauchst (Micha 4.4-5)

Alle Menschen aus Israel und den Völkern werden unter ihrem eigenen Weinstock und unter ihrem Feigenbaum sitzen – niemand wird mehr Terror verbreiten. Denn das Wort ADONAJS, mächtig über Himmelsheere, wirkt. Ja, alle Völker handeln im Namen ihrer Gottheiten, wir handeln im Namen ADONAJS, unseres Gottes, jetzt schon – und in der Zukunft.

Ich habe zwei Enkelkinder, die noch ganz klein sind. Der ältere von ihnen heißt Ben, er wird bald drei Jahre alt. Er wächst in Liverpool auf, wo der Dialekt – ähm… einzigartig ist. Ben hat ein besonderes Sprachvermögen für Sprichwörter, er lernt sie schnell, aber er benutzt sie nicht immer richtig. Ich bin sehr gespannt, was er aus dem Sprichwort „Deine Augen sind größer als dein Magen“ machen wird. So wie viele Kinder seines Alters kann er essen wie ein Scheunendrescher – und manchmal nimmt er mehr als er braucht, mehr als er überhaupt essen kann, mehr als genug. Aber das wird er noch lernen, während er größer wird.

Das wird er doch, oder?

Wie viel ist “genug”? Wie viel – und wovon – brauche ich, um zufrieden zu sein? Und ist „zufrieden sein“ das gleiche wie „glücklich sein“?

Der Prophet Micha dachte über diese Dinge nach, lange bevor es iPhones, Designerjacken und Sportwagen gab. Banken- und Währungskrise lagen noch weit in der Zukunft und doch: Michas Gesellschaft rang mit den schwierigen Fragen, wie man leben und lieben sollte mit Menschen, die einfach nicht so waren, wie man sie gern hätte. Michas Welt und seine Fragen kommen uns bekannt vor, oder? Er schrieb im Kontext einer wirtschaftlichen Revolution. Materieller Wohlstand führte zu seiner Zeit zu einem individualistischen Materialismus. Religion wurde als ein Mittel angesehen, die Wünsche und Sehnsüchte der Menschen zu erfüllen – was man auch Selbstverwirklichung nennen könnte. Das wiederum hatte zu einer Krise der ethischen und sozialen Werte geführt, wobei, wie in solchen Fällen üblich, die Ärmsten am meisten leiden mussten. Die Religion war gezähmt, sie hatte ihre Schärfe verloren – die Schärfe, die daraus resultiert, dass man eine andere Welt für möglich hält.

Was Micha zu sagen hat, war also nicht nur für Israel von Bedeutung, sondern es spricht heute zu uns. Denn was er anspricht, sind nicht nur ganz spezielle soziale oder wirtschaftliche Verhältnisse, sondern das Herz und der Verstand des Menschen – und beides scheint sich, ungeachtet all unseres technologischen Fortschrittes, nicht so besonders zu verändern von einer Generation zur nächsten. Es sieht so aus, als wollten wir heute immer noch glücklich und erfüllt und zufrieden sein. Allerdings erkennen wir dabei (immer noch) nicht, dass es solches Glück, solche Erfüllung und Zufriedenheit nicht für Einzelne – oder einzelne Gemeinschaften – geben kann, ohne Rücksicht auf das Glück, die Erfüllung und Zufriedenheit dessen, den die Bibel meinen „Nächsten“ nennt.

Man könnte hinzufügen, dass dies auch für unsere politische Besessenheit mit Sicherheitsfragen gilt. Ich werde niemals sicher sein, wenn meine Sicherheit die Sicherheit meines Nächsten verneint. Ich kann nicht über Sicherheit nachdenken, ohne die Bedürfnisse meiner Nachbarn in Betracht zu ziehen. Und deswegen steht ein großes Fragezeichen über den Sicherheitsanlagen und Mauern dieser Welt, sei es die niedergerissene Mauer in Berlin, seien es die, die im Heiligen Land errichtet werden.

Aber Micha geht es weniger um die Errichtung eines politischen Programmes als vielmehr um eine Vision. Die Menschen seiner Zeit hatten ihren Weg verlassen, sie hatten sich verlaufen und ihre Geschichte vergessen – ihre Geschichte als Kinder Gottes, der das Universum geschaffen hat und alles, was darin ist, einschließlich der Armen, der Ausländer und derjenigen, die „anders“ sind. Micha rief sie auf, nicht nur eine Vision „da draußen“ zu ergreifen, sondern sich ergreifen zu lassen von einer Vision, die sie verändert und die Weise, wie sie Gott, die Welt und sich selbst sehen.

Es ist, als ob Micha zu seinem ängstlichen Volk sagt: „Die alte Art und Weise zu sehen und zu sein hat nicht funktioniert, oder? Fühlt ihr euch jetzt sicherer – oder glücklicher? Wagt es doch euch einzugestehen, dass eure Sichtweise müde und matt ist, und dass alles worauf ihr gehofft und wofür ihr gearbeitet habt, um euch herum in Schutt und Asche liegt wie die Ruinen einer einstmals glorreichen Stadt. Wie Damaskus oder Bagdad oder Aleppo…“

Eine beliebte Comedy-Serie im Norddeutschen Rundfunk spielt in einem Schlemmerbistro. Ein geflügelter Satz von Bistrobesitzerin Stefanie lautet „Es is‘ ja wie es is‘….“ So ist die Welt eben. Aber die Bibel untergräbt unser Verständnis der Wirklichkeit. Sie fordert uns heraus, Gott, die Welt und uns anders anzusehen. Die Welt muss nicht so sein, wie sie jetzt ist!

Eines Tages rollte der berühmte Künstler Michelangelo einen riesigen Felsbrocken einen Abhang hinunter. Er musste seine ganze Kraft aufbieten, um den Stein in die richtige Richtung zu manövrieren. Jemand sah ihn dabei, blieb stehen und fragte, was er da tun würde, schließlich sei es doch bloß ein riesiger Stein. Michelangelo erwiderte, dass er es eilig hätte, denn in dem Stein würde sich ein Engel befinden, der nur darauf warte, dass Michelangelo ihn heraushole.

Michelangelo konnte sehen, was normale Menschen sich überhaupt nicht vorstellen konnten. Und diese kurze Geschichte illustriert die herausfordernde Berufung der Menschen, die durch Gottes Augen hinausschauen möchten. Sehen wir nur das, was uns vor Augen steht, oder schauen wir die Welt um uns herum anders an?

Micha lädt uns ein, anders zu denken, Gott und die Welt anders zu sehen und uns anfeuern zu lassen von einer Vision einer anderen Welt. Eine Welt, in der wir uns genügen lassen mit dem, was wir haben und in der unsere Nächsten zufrieden sein können, ohne dass wir Angst haben müssen. Die Bilder, die er in Kapitel 4, Verse 4 bis 5 entwirft, sind wohlüberlegt: Es wird keinen Terror und keine Angst geben, weil ihr mit eurem eigenen Baum zufrieden sein werdet und den Baum deines Nächsten nicht erobern müsst, weil ihr ihn nicht braucht. Schließlich kann man immer nur unter einem Baum gleichzeitig sitzen, oder?

Micha malt ein Bild davon, wie und was die Welt werden könnte – ein Bild, das weit über bloße Argumentation hinausgeht, und sich als ein Bild der Hoffnung und der Verheißung in der Phantasie einnistet. Es ist, als ob er leise eine Melodie spielt, die sich im Geist eines verlorenen Volkes langsam zu einem Ohrwurm der Hoffnung und Sehnsucht entwickelt.

Diese Vision strahlt Frieden aus; das Lied klingt nach einer Liebe und Freizügigkeit, die die Angst verdrängt oder ersetzt. Der Gott Israels nimmt die Angst und schafft eine neue Welt voller neuer Möglichkeiten für das Aufblühen und das Gemeinwohl aller Völker.

Und diese Vision ruft das Volk Gottes zu seiner ursprünglichen Berufung zurück: so in der Welt zu leben, dass alle Menschen in diesem Volk das Gesicht Gottes erkennen können.

Micha fordert uns auch heute heraus, durch eine Vision inspiriert zu werden, die unsere Phantasie anregt, unser Gedächtnis verfolgt, und aus der wir nicht entkommen können. Michelangelo hatte die fertige Skulptur vor Augen; er musste einfach den Stein behauen, bis der Engel sich zeigen würde, der darin steckte. Er sah tiefer, er konnte das Mögliche deutlich erkennen, und so wandte er seine ganze Kraft und Energie darauf, um eine Schönheit zu erschaffen, die anderen zu diesem Zeitpunkt noch verborgen war.

Wir sind dazu berufen, wie Michelangelo zu schauen, Gottes Gesicht in der Welt zu erkennen, und der Welt diese Hoffnung zu enthüllen. Der kanadische Musiker Bruce Cockburn fasst die Forderung Michas zusammen, wenn er singt: “Du musst die Dunkelheit treten, bis sie Tageslicht blutet” (“You gotta kick at the darkness till it bleeds daylight”).

Soviel du brauchst. Nur soviel du brauchst. Vielleicht lernt auch mein Enkel irgendwann: Wenn er hat, so viel er braucht, dann hat er genug.

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