church


This is the text of my sermon from this morning's celebration of Reformation Day in Erfurt, Germany. The service, which included a wonderful Bach cantata with orchestra and choir, took place in the Augustinerkirche which is where Martin Luther became and served as a monk. Today kicks off the Reformation Year – 500 years since Martin Luther allegedly nailed his 95 Theses to the door of the Schloßkirche in Wittenberg and set off events in Europe that have deeply shaped it ever since.

Ich rede von der Gerechtigkeit vor Gott, die da kommt durch den Glauben an Jesus Christus zu allen, die glauben. Denn es ist hier kein Unterschied: sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten, und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist. (Römerbrief 3:21ff)

The Cranach Altar in Weimar

Vor kurzem ging ich in eine Buchhandlung hinein. Ich wollte eine neue Biografie von Martin Luther kaufen. Ich fand den Verkäufer und sagte: “Wo finde ich die neue Biographie von Martin Luther von Professorin Lyndall Roper?” Er sagte mir: “OK… Martin Luther King…” “Nein,” sagte ich, “Martin Luther”. “Oh?” sagte der Verkäufer, “wer ist er? Nie habe ich von ihm gehört.” Ich war ein Bisschen überrascht und erklärte langsam: “Martin Luther war vor fünfhundert Jahren ein Mönch in Deutschland. Er machte die protestantische Reformation in Europa auf, und er änderte die Welt für immer.” “Oh?” sagte der junge Mann. “Wie interessant! Wahrscheinlich finden Sie das Buch unter dem Titel 'Religion'.” Endlich habe ich das Buch am zweiten Stock unter dem Titel 'Deutsche Geschichte' gefunden.

Wie ist es möglich, dass heute ein gut ausgebildete Hochschulabsolvent keine Ahnung hat, wer Martin Luther war? Aber dort liegt die große Herausforderung. In England interessiert man nicht sehr für die Reformation vor fünfhundert Jahren in Wittenberg. (Vielleicht erklärt diese kurze Geschichte, warum so viele Briten aus der Europäischen Gemeinschaft hinaustreten wollten – sie haben keine Ahnung, wovon sie kommen oder woher sie stammen.)

Das ist eine ernste Angelegenheit – eine wichtige Herausforderung. Wenn wir unsere eigene Geschichte vergessen, dann verlieren wir unsere Identität. Wenn wir vergessen, woher wir gekommen sind, dann können wir nicht wissen, wer wir sind. Und wir können nicht unsere gemeinsame Zukunft formen, wenn wir unsere gemeinsame Vergangenheit nicht anerkennen.

Martin Luther hat die gleiche Bibel gelesen, die wir lesen heute. Als er die Alte Testament studierte, sicherlich muss er die Warnungen notiert haben, die den Israeliten gegeben wurden, bevor sie ins versprochene Land zum ersten Mal betraten. Die Geschichte geht so. Die Israeliten waren über vierhundert Jahre als Sklaven in Ägypten, und ihr Leben wurde ein unerträgliches Leiden. Sie konnten sich nicht aus eigener Hand befreien. Mit Hilfe von Moses, Fröschen und Plagen wurden sie endlich von Gott befreit. Aber sie tauschten nicht sofort die Unterdrückung für die Freiheit, sondern mussten vierzig Jahre in der Wüste verbringen, so dass eine ganze Generation von Beschwerdeführer, Romantiker und anderen Menschen aussterben würde, die von Nostalgie getrieben werden. Während dieser harten Jahre mussten die Israeliten versuchen, eine wichtige Wahrheit zu lernen, und zwar: ihr seid von der Unterdrückung befreit worden – das ist klar; aber wofür seid ihr befreit worden? Menschen vergessen sehr schnell.

Deshalb ist das Volk von Moses angeleitet worden, einen jährlichen Ritualkalendar zu errichten. Regelmäßig durch das Jahr mussten die Israeliten Rituale durchführen, die praktisch zur Erinnerung die Geschichte des Volkes brachten. Sie mussten nicht nur spirituell darüber nachdenken, sondern mit Körper und Stimme diese Geschichte feiern und erzählen.

Zum Beispiel in Deuteronomium 26:

Wenn du in das Land kommst, das dir der HERR, dein Gott, zum Erbe geben wird, und es einnimmst und darin wohnst, so sollst du nehmen die Erstlinge aller Feldfrüchte, die du von deinem Lande einbringst, das der HERR, dein Gott, dir gibt, und sollst sie in einen Korb legen und hingehen an die Stätte, die der HERR, dein Gott, erwählen wird, dass sein Name daselbst wohne, und sollst zu dem Priester kommen, der zu der Zeit sein wird, und zu ihm sagen: Ich bekenne heute dem HERRN, deinem Gott, dass ich gekommen bin in das Land, das der HERR, wie er unsern Vätern geschworen hat, uns geben wollte. Und der Priester soll den Korb aus deiner Hand nehmen und ihn vor dem Altar des HERRN, deines Gottes, niedersetzen. Dann sollst du anheben und sagen vor dem HERRN, deinem Gott: Mein Vater war ein Aramäer, dem Umkommen nahe, und zog hinab nach Ägypten und war dort ein Fremdling mit wenig Leuten und wurde dort ein großes, starkes und zahlreiches Volk.” Usw.

Mit anderen Worten: “Vergiss nicht, das du einmal Sklaven warst – dass du nichts hattest, und dich selbst nicht von den Ägypten befreien konntest. Denn, wenn du deine eigene Geschichte vergisst, wirst du schnell andere Menschen als deine Sklaven behandeln. Um diese Entwicklung zu vermeiden, musst du einige Rituale etablieren, die das Volk daran erinnern werden, woher sie kommen. Diese regelmäßige Erzählungen der Volksgeschichte wird dazu helfen, dass die Perspektive richtig gehalten wird und ihre Prioritäten hinterfragt werden.”

Aber was hat diese Geschichte der alttestamentarischen Ritualen mit der lutherischen Reformation zu tun? Oder mit der einen Welt, die das Jahresthema der EKD im Jahre 2016 heißt? Manche von uns werden das für offensichtlich halten: das heißt, die Kirche von heute muss von ihrer Geschichte lernen – nicht nur um ehrlich von den schlechten Erinnerungen zu lernen, sondern auch um auf den guten aufzubauen. Zum Beispiel, wir wissen, dass Martin Luther von der Gnade Gottes überrascht war; dass er vom Angst befreit wurde; dass er die Liebe Gottes erfuhr. Aber er war in seinem Verhalten mit anderen Menschen nicht immer gnädig.

Aber er veränderte die Welt. Er öffnete die Bibel für künftige Generationen von Menschen, die auch die Geschichte von Gott und Menschen immer neu lernen möchten. Er war kein plastischer Heiliger, sondern ein echter Mensch wie du und ich.

Wir wissen ja, dass die heutige Welt nicht die Welt von Martin Luther ist. Aber trotz den dramatischen Unterschieden zwischen 1517 und 2016 bleibt die Berufung – das heißt, die Mission – der Kirche einfach und klar: sie ist dazu berufen, der Welt zu zeigen, wer Gott ist und wie Gott sich behandelt. Gott befreit den Menschen von der Sklaverei – deshalb müssen die Befreiten auch anderen von ihren Sklavereien befreien. Wenn wir die Liebe Gottes genießen, dann müssen wir auch unsere Nachbarn lieben. Das ist die klare und einfache Logik des Evangeliums. Die Kirche von Jesu Christi sollte so aussehen, als den Jesus, den wir in den Evangelien sehen. Die Kirche sollte die gute Nachricht der Gnade Gottes mit der Stimme von Jesus selbst aussprechen. Und das ist die einzige Prüfung unserer Treue als Kirche. Wir sind immer noch dazu berufen, der Welt zu zeigen, wie es aussieht, als Individuen und Gemeinden von der Gnade Gottes befreit zu werden – frei zu dienen, frei zu lieben, frei zu vergeben, frei wie der Prophet Micah, der schrieb: “Recht tun, Liebe (besser Barmherzigkeit) üben und demütig wandeln mit deinem Gott.” Das beschreibt die prophetische Rolle der Kirche Jesu Christi.

Nun, ich weiß, dass die Erfahrung der Kirche von England sich von der Erfahrung der Kirchen in Deutschland unterscheidet.

Die Kirche von England ist eine sonderbare Kirche: eine reformierte katholische Kirche – wahrscheinlich die einzige solche Kirche in der Welt. Das englische Christentum war weniger von der lutherischen Reformation geprägt als von Jean Calvin und einem König, der sich in zu viele Frauen verliebte. Ehrlich muss ich sagen, das Heinrich die Reformation meistens als hilfreich in seinen Streiten mit dem Papst betrachtete. Es ging um die Macht, die königliche und politische Unabhängigkeit. Es ging nicht primär um die Religion, um theologische Fragen oder um die Gnade Gottes. Und nach dem Tod von Heinrich ging die größte Herausforderung um die Einheit von England als Nation, als Land. In einer getrennten oder geteilten Welt, wie können die Menschen – das heißt, die Katholiken und Protestanten – in einer Kirche zusammengehalten werden? Die Antwort war: common prayer (gemeinsames Gebet) und Gesetze, die eine einzelne Kirche für England schufen. Aber heute weißt auch der Papst nicht genau, ob die Kirche von England katholisch oder protestantisch ist: sie ist beide. Also, alles klar!

Die Kirche von England ist territorial organisiert. Das heißt, ein Gemeindepfarrer ist nicht nur der Kapitän seines Kirchenschiffs, sondern auch der Pfarrer aller Menschen, die in seiner Gemeinde wohnen oder arbeiten. Das bringt nicht nur gesetzliche Verantwortung und eine generelle Verfügbarkeit für alle, die dort leben, mit sich, sondern auch eine unvermeidliche Verpflichtung für das Wohlbefinden der ganzen Gemeinde, und verleiht darüber hinaus dem gesamten geistlichen Amt eine missionarische Perspektive – was bedeutet, auf diejenigen in der Gemeinde zuzugehen, die Gottes ‚frohe Botschaft‘ bislang weder gehört noch erfahren haben.

Das heißt, dass die Kirche sich zu jeder Zeit erinnern muss, warum die Kirche da ist und wozu die Kirche eigentlich existiert. Die Kirche von England ist eine Kirche für England.

Aber wie erfüllen wir die Aufgabe, die gute Nachricht von Gottes Gnade unserer Generation zu bringen?

Heutzutage müssen wir einfallsreich, selbstbewusst und fantasievoll sein, wenn wir den Ort und die Bedeutung des christlichen Glaubens für das persönliche und das öffentliche Leben beschreiben und dafür streiten wollen. Wir müssen Wege finden, das Evangelium von Jesus Christus so zu beschreiben – und als Zeugen dieses Evangeliums zu leben – die Menschen zum Glauben und zur Kirche ziehen.

In meiner Diözese haben wir drei Stichworte identifiziert, die uns eine Linse bieten, durch die wir unsere Aufgabe verstehen können: LOVING. LIVING. LEARNING. Lieben. Leben. Lernen. Vorher hatten wir: CONFIDENT CHRISTIANS. GROWING CHURCHES. TRANSFORMING COMMUNITIES. Zuversichtliche Christen. Wachsende Kirchen. Verwandelnden Gemeinden. Diese waren Stichworte für diejenige, die schon Kirchenmitglieder sind. Lieben, Leben, Lernen spricht zu denjenigen, die außerhalb der Kirche stehen. Wir lieben Gott und unsere Nachbarn und die Welt, die Gott liebt. Wir lieben das Leben und streben nach der Wohlergehen der ganzen Gesellschaft. Wir wollen, dass jeder Mensch aufblüht (oder gedeiht). Aber wir müssen uns immer demütig verhalten und aus unseren Fehlern lernen.

Die Kirche von England lernt, den Menschen dort zu begegnen, wo sie tatsächlich sind (und nicht, wo wir wünschten, dass sie sein sollten) und sie lernt in Sprachen zu sprechen, die gehört und verstanden werden können. In den letzten fünfzehn Jahren haben wir tausende Projekte entwickelt, die wir „fresh expressions of church“ nennen: neue, frische Gesichter oder Ausdrucksweisen der Kirche. Dazu zählen innovative Gemeindeformen in Clubs, Kneipen, in Privathäusern oder sogar in Firmen. Nach und nach ermutigt das die Anglikaner, immer neu darüber nachzudenken, wie man Menschen in ihren jeweiligen Lebenszusammenhängen erreichen kann.

Diese veränderte Welt hat der Kirche von England aufgezwungen, sich umzugestalten – und diese Herausforderung ist von vielen Pfarrern und Laien nicht leicht angenommen worden. Sich zu ändern ist nie einfach.

Aber, die Welt hat sich verändert. Und meiner Meinung nach ist es sinnlos und eine verpasste Chance, nur darüber zu klagen. Wenn die Kirche ihren Auftrag erfüllen will, muss sie die Sprache der heutigen Welt erstens verstehen und zweitens sprechen können. Wir müssen uns daran erinnern, dass die biblische Geschichte uns zeigt, dass Gott sein Volk dazu beruft, so zu leben, dass die Menschen, die mit der christlichen Gemeinde in Kontakt kommen, etwas von dem Christus erfahren, von dem wir in den Evangelien lesen.

Ich möchte dies anhand einer persönlichen Erfahrung illustrieren. Von Mai 1992 bis April 2000 war ich Pfarrer in Rothley. Die Kirche existiert dort seit 860 nach Christus. Mein Auftrag war es, die Menschen zu erreichen, die nicht in die Kirche kamen. Ganz am Anfang meiner Zeit als Pfarrer habe ich eine Entscheidung getroffen, die die Wahrnehmung der Kirche ziemlich veränderte….

In diesem Dorf (mit ungefähr 6000 Einwohnern) gibt es fünf Pubs. Wunderbar! Was für eine schwere Belastung war meine Arbeit! Jedes Lokal hat seinen eigenen Charakter und seine ganz eigene, um nicht zu sagen: eigenartige Klientel. An einem Montag ging ich in das ‚old village‘ Pub – the Old Crown -, wo zwei Männer Billard spielten. Sonst niemand. Ganz leer. Ich sprach mit dem Wirt und fragte ihn: ‚ Es ist fast leer heute Abend. Ist es immer so?‘ ‚Es ist Montag,‘ sagte der irritierte Mann. ‚Ist es immer so am Montag?‘ fragte ich. Der Wirt schaute mir in die Augen und sagte: ‚Es ist Montag. Das heißt nach dem Wochenende!‘ Ich dachte einen Moment nach und fragte ihn: ‚Darf ich den Pub am Montag in drei Wochen haben – und ich verspreche, dass viele Menschen kommen werden?‘ ‚Du möchtest das private Zimmer hinter der Bar haben, oder?‘ ‚Nein,‘ sagte ich, ‚ich will den ganzen Pub haben.‘ Endlich stimmte er zu.

Zu dieser Zeit hatte ich nur eine Computergraphik: eine Bierpumpe. Ich machte einige Plakate und verteilten sie überall im Dorf: ‚Pump the Vicar in the Old Crown‘ (den Pfarrer in der Alten Krone anzapfen) – ‚pump‘ auf Englisch kann auch bedeuten: ‚jemandem viele Fragen stellen‘. Also: ‚Pump the Vicar in the Old Crown – um 20 Uhr, Montag den blah blah blah… Keine Tabus!’

An diesem Montag kamen fast 70 Menschen. Um 20 Uhr stand ich auf (mit meinem Pint) und sprach nur fünf Minuten lang von Jesus. Ich sagte, dass es sich wirklich lohnt, als Erwachsener einen zweiten Blick auf Gott und Jesus Christus zu werfen. Ich sprach nur kurz, aber provozierend. Danach fingen wir an zu diskutieren. Was meinen Sie, um wie viel Uhr bin ich wohl nach Hause gekommen? Gegen 1 Uhr am Morgen. Danach haben wir regelmäßig ‚Pump the Vicar‘ organisiert.

Einmal war ich in einem BBC Studio in London und die Radiomoderatorin stellte mir plötzlich eine Frage: Wofür ist die Kirche eigentlich? Was ist der Sinn der Kirche? In solchen Umständen hat man keine Zeit, um eine gute Predigt aus der Tasche herauszuziehen. Ich sagte: “Die Aufgabe der Kirche ist es, den Raum zu schaffen, in dem die Menschen finden können, dass sie schon von Gott gefunden worden sind.”

Ich denke, dass auch der Mönch von Erfurt, Martin Luther, diesen Begriff entdeckte, als er begann, die Gnade Gottes zu erleben und verstehen. Der gnädige Gott lässt sich nicht gekauft oder manipuliert werden. Alles ist Gnade. Und wenn wir denken, dass wir ihn gefunden haben, finden wir, dass er schon auf uns gewartet hat – wie bei dem sogenannten verlorenen Sohn, der entdeckte, dass Gottes Barmherzigkeit größer ist als menschliches Versagen. “Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.” (Römerbrief 5:8) Das ist Gnade.

In dieser angstvoller Welt können wir – wie auch Martin Luther zu seiner Zeit – zuversichtlich und hoffnungsvoll auf Gott vertrauen. Wir werden an unsere Geschichte erinnern und davon lernen. Semper reformanda. Die Gnade Gottes bleibt bestehen.

“Sie werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist.”

Im Namen des Vaters, des Sohnes, und des heiligen Geistes. Amen.

 

Abba is best known as the Swedish poppers who at least gave us singalongamammamia. But, it is also the way Christians pray – abba being the intimate term of address Jesus told his friends to use when praying to God who is their father.

Not such an off-the-wall thought while the world burns tonight. I am in the diocese of Skara in Sweden to celebrate tomorrow the 1000th anniversary of its existence. Skara was linked with the historic diocese of Wakefield which is now part of the new diocese of West Yorkshire & the Dales, and this is my fist visit – although technically I am here to represent the Archbishop of Canterbury.

The abba bit has crept up because not long after I arrived this evening I was invited to a closed-door conversation about the Middle East with bishops and others. The conversation was led by the Lutheran Bishop of Jordan and the Holy Land and an Egyptian Coptic Orthodox bishop. It was frank and robust.

I don’t intend to breach the implicit confidentiality of the discussion. Some conversations are only possible because confidentiality can be trusted. However, I am at liberty to make one or two observations on the back of it. Next week – particularly if I still have had no response from my letter to the Prime Minister about comprehensive strategy – I will come back to the questions I raised three weeks ago.

  • Churches outside the Middle East need to be working with and through the churches in the Middle East, and not simply channeling their support through NGOs. Christian leaders and communities on the ground know the reality and have the channels that work. (This applied also to places like Zimbabwe when I was involved some years ago.)
  • Churches outside the Middle East need to convey in multiple and varied ways the message and the reality that our brothers and sisters are not alone in their dire struggle. Relationship has to be demonstrated in multiple expressions that together build a picture.
  • Churches in the Middle East have enough statements made – they need a strategy for long-term survival. It is widely recognised that the loss of Christians from (for example) the Holy Land leaves the space to polarised conflict between two enemies. The presence of Christians brings a different set of relationships and allows ‘enemies’ to be held in the same space. Christians need to be in their lands for the benefit of others.
  • The West needs to let go of its paralysing guilt and develop a strategy that will hold in the long-term.
  • In the midst of the massive propaganda war over Gaza and Iraq/Syria – mediated by selective representation – it is murderously difficult to identify ‘truth’. But, how we address these questions has implications not only for people in conflict areas, but also for communities closer to home. See the rise in anti-semitism in England and wider afield in Europe – but also hear the voice of the Muslims who ask my how they can protect their Jewish neighbours and the synagogues in West Yorkshire.
  • The 1000 year history of the diocese of Skara in Sweden covers periods of success, disaster, war, oppression, fear, jubilation, and every other phenomenon that goes to make up life in the real world. Nothing romantic about it. But, it reinforces the commitment of Christian churches to place and territory – not to lord it over others, but to stay when others go, to serve when the world seems to be falling apart around us. In it for the duration.

Which, of course, is the hard question facing us in the Middle East: how do we enable Christians to stay in their lands and thrive into the longer-term future.

I am not saying this is the last word. Rather, I am simply ruminating on a difficult discussion this evening.

The General Synod of the Church of England is meeting for three days in London. Like many others, I approach such meetings with a mixture of serious anticipation and reluctant resignation. I might be unusual, but I usually need some prior wider preparatory thinking that sets the particular agenda in a constructive context.

So, I was belatedly reading some papers on the train this morning and found in them some useful stuff. Dr Isolde Karle presented a paper at the Konrad Adenauer Stiftung conference in Italy recently in which she addressed some of the challenges and perspectives arising from the role of the Church in a society differentiated by function (Kirche in der funktional differenzierten Gesellschaft: Herausforderungen und Perspektiven). Having examined the changes in society that have led to a diminution in influence on the part of the Church in the west, she differentiates between the dominance of status/order (up to the 18th century) and that of function/individualism thereafter. She looks at Luther (who wanted freedom from the – perceived – totalitarian claims of the Roman Catholic Church) and Schleiermacher (who wanted to free the church from the state) en route and summarises: “Religion war vor allem eine Sache der Ordnung, nicht der Überzeugung.”

Having stated that the church both gains and loses from the changes that now shape the modern world, she goes on to identify three 'dimensions of church life' that are significant for wider society:

  • Preservation of the Christian cultural memory
  • Church as an intermediary institution
  • Inclusion of the excluded.

Now, although these will take on slightly different complexions depending on the particular German or English contexts, they seem to me to offer a corrective to the common defensive misery or under confidence of the church in a changing world. Yes, there are other dimensions that could be identified, but these three matter enormously. Dr Karle is unapologetic in stating that this cultural memory cannot be taken for granted. “It is completely imaginable that one day the story of the Good Samaritan will no longer be known/understood. Solidarity with the powerless, deliberate care of the marginalised, of the sick and of people in need are not self-evident.” (Es ist aber durchaus vorstellbar, dass die Geschichte vom barmherzigen Samariter eines Tages nicht mehr verstanden wird. Die Solidarität mit den Schwächeren, die explizite Rücksichtnahme auf Ausgegrenzte, auf Kranke, auf Menschen in Not versteht sich nicht von selbst.)

The church is well placed to create the space in which other societal bodies can meet and thrive – hence the 'intermediary' role which the church exercises for the common good… on the basis of the vital rooting of our cultural memory in Christian theology and ethics.

In a functionally-differentiated world in which fragmentation is one consequence of societal change the church remains one of the few institutions that make space for all-comers regardless of background, status, qualification, wealth or ability.

OK, this is a rough summary of a longer and well-argued paper (that will be published next year). But, given that we will be debating women bishops (there's a surprise!) and 'intentional evangelism' (with the clear challenge of what this looks like among the poor and on our large urban estates where many churches are struggling to grow), Dr Isolde provides a background consideration of the cultural pool in which the church currently swims.

 

Semestereröffnung an der Friedrich Schiller Universität, Jena: Vortrag von Bishof Nicholas Baines

15 Oktober 2013

Die Kirche gestalten in einer sich wandelnden Welt – Was für Pfarrer braucht diese Zeit?

Am Anfang von Schillers “Don Carlos” sagt Königin Elisabeth zum Marquis: “Hier zeige ich ihnen meine Welt.” Es ist verlockend für mich, diesen Vortrag ebenso zu beginnen: Lassen Sie mich ihnen meine Welt zeigen. Denn trotz der Ähnlichkeiten zwischen England und Deutschland, trotz unserer gemeinsamen Geschichte in Europa und den vielen kulturellen Gemeinsamkeiten, die wir teilen, sind unsere Welten doch in vielem grundsätzlich verschieden.

Zum Beispiel lebe ich auf einer kleinen Insel, der einst die halbe Welt gehörte. Jedermann spricht Englisch; die Engländer sprechen ausschließlich Englisch. Die Kirche von England ist eine „reformiert-katholische“ Kirche – ein Konzept, das schwierig zu erklären ist in einem europäischen Kontext, in dem man entweder protestantisch oder katholisch ist. Deutschland hat ein Grundgesetz – eine schriftlich niedergelegte Verfassung – England hingegen nicht. Und Deutschland weiß, wie man Elfmeter verwandelt….

Der bewundernswerte frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt hat im Alter von 91 Jahren ein faszinierendes Buch mit dem Titel “Außer Dienst” geschrieben, in dem er viele der Erfahrungen festhält, die er im Laufe seines Lebens gesammelt hat. Er hat auch einen Ratschlag für diejenigen, die für den Deutschen Bundestag kandidieren wollen. Für englische Ohren, die dem Erlernen von Fremdsprachen eher skeptisch gegenüber stehen, klingt das sehr herausfordernd, was er sagt: „Wenn Sie nicht mindestens zwei Fremdsprachen einigermaßen sicher beherrschen, sollten Sie nicht mal darüber nachdenken, in die Politik zu gehen. Warum? Weil man seine eigene Kultur nicht verstehen kann, wenn man nicht in der Lage ist, durch die Brille einer anderen Kultur darauf zu schauen. Und um das zu tun, muss man eine fremde Sprache verstehen.“

Nun, ich stamme ursprünglich aus Liverpool, wo wir eine besondere ‚Fremdsprache’ sprechen. Wir Engländer haben schon mit unserer eigenen Sprache zu kämpfen – ganz zu schweigen von anderen Fremdsprachen. Aber der Blick von außerhalb unserer selbst ist notwendig, wenn wir wirklich erkennen wollen wer wir sind und warum wir so sind wie wir sind.

Vor kurzem war ich Gastgeber einer viertägigen Konferenz der Meissen Kommission in meiner Heimatstadt Bradford. Die Meissen Kommission koordiniert die Zusammenarbeit der Kirche von England und der Evangelischen Kirche in Deutschland; wir treffen uns jedes Jahr im September, immer abwechselnd in England und in Deutschland. Letztes Jahr waren wir in Eisenach. Bradford in diesem Jahr war ein Schock, nicht nur für die Deutschen, sondern auch für diejenigen Briten, die noch nie so weit in den Norden hinauf gekommen waren. Und warum?

In dem Stadtteil von Bradford, in dem ich lebe – Heaton – sind rund 70 Prozent der Einwohner pakistanische Muslime. 95 Prozent dieser Muslime kommen aus derselben ländlichen Gegend im pakistanischen Teil Kaschmirs. Unsere Nachbargemeinde Manningham ist zu 82 Prozent asiatisch-muslimisch. Es gab dort früher fünf anglikanische Kirchengemeinden, heute ist es nur noch eine. Im Innenstadtring von Bradford gab es bis vor kurzem nur einen einzigen christlichen Gottesdienstort – die anglikanische Kathedrale. Moscheen gibt es in der Stadt insgesamt 86. Wirtschaftlich geht es der Stadt nicht gut, obwohl es inzwischen sehr positive Zeichen einer Wiederbelebung gibt und die Entschlossenheit, eine neue Wirtschaftskraft zu entwickeln. In den Jahren seit 2001 hat die Zahl der Muslime deutlich zugenommen, während die Zahl der Hindus, Juden, Christen und „anderer“ abgenommen hat.

Eine der Fragen, die sich die Meissen Kommission gestellt hat, war also eine wirklich schwierige: Was bedeutet es, an einem solchen Ort eine anglikanische Gemeinde zu sein? Immerhin organisieren wir Anglikaner unsere Kirche territorial – d.h. unsere Pastoren fühlen sich für alle Menschen innerhalb eines Bezirkes zuständig, nicht nur für die Kirchenmitglieder – und siedeln nicht einfach nur dort Kirchen an, wo die Aussicht auf Wachstum am größten ist. Aber wenn nun in einem solchen Bezirk nur wenige Anglikaner oder überhaupt wenige Christen leben, wie sollte die Mission einer anglikanischen Gemeinde in diesem Bezirk aussehen? Mit diesen Fragen ringen wir seit 30 Jahren. Und diese Entwicklung war in den letzten fünfzigsten Jahren unvermeidlich.

Jetzt ist nicht die Zeit, diesen Fragen im Detail nachzugehen oder den Vorträgen und Diskussionen der Meissen Kommission aus dem letzten Monat. Aber die Fragen selbst stellen eine große Herausforderung für unsere Theologie dar (wo ist Gott in all dem?), für unsere Ekklesiologie (wie sieht sich die Kirche selbst in einer solchen Situation und welche Rolle spielt sie?) und für das Verständnis unserer Aufgabe (was bedeutet es, in einer solchen Situation zu evangelisieren und Menschen zum Glauben einzuladen?). Nach meiner Erfahrung gibt es zwei mögliche Reaktionen von Kirchengemeinden: entweder spielen sie „das Opfer“ und sehnen sich nach einer Vergangenheit, in der das Leben und der Glauben vermeintlich weniger kompliziert waren; oder sie reagieren mit kreativer Vorstellungskraft, Energie und Vision, um die Gemeinde zum Wohl der Menschen vor Ort umzugestalten.

Natürlich kann sich eine kleine anglikanische Gemeinde in einer sehr armen Gegend keinen Pfarrer leisten und die Kosten für den Unterhalt eines Gottesdienstgebäudes sind, vorsichtig gesagt, eine echte Herausforderung. Trotzdem ist es keine Option, das Kirchengebäude zu schließen; das Gebäude selbst ist in gewisser Weise eine ‚Ikone‘ und zeugt von der Gegenwart von Christen. Man könnte sagen, dass auch die Steine predigen.) Die Diözesen haben ein Finanzierungssystem – in England haben wir keine Kirchensteuer – in dem die reicheren Gemeinden einen höheren Anteil bezahlen, damit ich einen Pastor in Gemeinden wie Manningham einsetzen kann. Konkret sieht es so aus, dass ein Pastor rund 50.000 Pfund im Jahr kostet (Gehalt, Altersvorsorge, Unterkunft, Ausbildung, laufende Kosten etc.): Manningham bezahlt rund 8.000 Pfund und eine Gemeinde in Ilkley bezahlt rund 160.000 Pfund – und beide Gemeinden bekommen je einen Pastor.

Dieses Beispiel dient mir nicht nur dazu zu zeigen, dass Bradford eine führende Rolle in der Kirche von England im Umgang mit dem demographischen Wandel spielt. Unser Umgang mit Menschen anderer ethnischer und religiöser Herkunft hat auch die Art und Weise verändert, wie wir über unsere Aufgabe denken und sie erfüllen. Unsere Aufgabe, das Evangelium an alles Volk auszurichten, erfordert erstens, dass wir die Gesellschaft verstehen, in der wir leben, zweitens, dass wir diese Gesellschaft sehr genau kennen, drittens, dass wir zwischen Missionierung und Evangelisierung unterscheiden, viertens, dass wir die „Sprachen“ und Slangs unserer Gegend lernen, damit wir uns selbst verständlich machen können und eine Sprache sprechen, die gehört und verstanden wird, und fünftens, dass wir in unserer Arbeit für das Gemeinwohl etwas entwickeln, dass ich „selbstbewusste Demut“ (confident humility) nenne.

In meiner Rolle als Vertreter des Erzbischofs von Canterbury bei globalen interreligösen Konferenzen ist mir klar geworden, dass die Auseinandersetzung mit Menschen anderen Glaubens – und der Dialog mit ihnen – auf zwei Ebenen stattfindet. Die eine Ebene möchte ich als den Diskurs über die „Inhalte“ bezeichnen – also das Gespräch über die Glaubensinhalte des Christentums oder des Islams oder des Hinduismus oder des Atheismus. Die zweite Ebene, die dort beginnt, wo wir uns über die grundsätzlichen Unterschiede in den „Inhalten“ klar geworden sind, kann als Frage formuliert werden: Wie sollen wir nun also zusammen leben? Und diese zweite Frage kostet uns die meiste Zeit und Energie. Beide Ebenen zu verwechseln ist gefährlich und führt häufig zu einem Dialog der Taubstummen.

Der Ansatz, den die Kirche von England in den vergangenen zehn Jahren im Umgang mit diesen Fragen verfolgt hat, kommt in einer Formulierung zum Ausdruck, die der Bischof von Woolwich, Dr. Michael Ipgrave, geprägt hat: „Presence and Engagement – was man ungefähr übersetzen kann mit: Präsenz zeigen und sich engagieren“. Diese drei Worte – Presence and Engagement – bringen auf den Punkt, wie die Kirche von England ihre Aufgabe versteht, abgeleitet aus unserem Verständnis dessen, was Gott in Jesus Christus tut. So, wie ‚das Wort Fleisch wurde und unter uns wohnte‘ in Christus, so finden wir uns in unseren Gemeinden wieder, dort wo sie sind und wie sie sind. Wir sind in der einen oder anderen Form präsent, und halten den christlichen Gottesdienst am Leben an Orten, von denen andere Konfessionen schon längst fortgezogen sind. Wir zeigen Präsenz, aber nicht als heiliger Rest, der sich hinter heruntergezogenen Rolläden und verschlossenen Türen verbarrikadiert. Wir engagieren uns im Gesellschaftsleben unserer Gemeinde und bezeugen Christus mitten unter den Nachbarn, die nach dem Bilde Gottes geschaffen sind, damit wir sie lieben.

In Manningham zum Beispiel bedeutet das, dass der Pastor mit der örtlichen Grundschule zusammen arbeitet, und dass er das Kirchengebäude und die Gemeindegrundstücke – als öffentliche Räume – den Menschen zugänglich macht und anbietet als Instrument für die Entwicklung, Ausbildung und Fürsorge kleiner Kinder und ihrer Eltern, um die wir uns sorgen und die wir nicht in einem isolierten Ghetto leben lassen wollen. Es bedeutet, dass der Pastor etwas schafft, das er „sichere Räume“ (safe spaces) für alle nennt, indem er ruhige Sicherheit bietet für Frauen, die einfach irgendwo für eine kurze Weile Stille erleben wollen, und für Männer, die der Grausamkeit der Obdachlosigkeit und der Lieblosigkeit entkommen wollen. Er ist entschlossen – so wie er es der Meissen Kommission letzten Monat gesagt hat – es einfach zu halten, auch wenn einfach nicht gleichbedeutend mit leicht ist.

Eine junge Muslimin fragte ihn eines Tages, warum er und seine kleine Gemeinde sich so einsetzen für die Menschen, die nicht zu ihrer Kirche und nicht mal zu ihrer Glaubensgemeinschaft gehören („Ihr habt nichts davon, im Gegenteil, ihr zahlt noch drauf.“). Er antwortete (mit den Worten, die Ruth zu ihrer Schwiegermutter Naomi sagte): „Wo du hingehst, will ich auch hingehen und wo du wohnst, will ich auch wohnen.“ Die junge Frau war verwundert, dass die Christen an einem Ort bleiben, der von Muslimen dominiert wird; sie dankte ihm und der Kirche dafür, dass sie da sind.

Im Jahr 1960 gab es 22.000 Pastoren in ungefähr 21.000 Gemeinden in England. Heute, nach allerlei Reorganisation, gibt es noch ungefähr 8.000 Pastorinnen und Pastoren in 16.000 Gemeinden. In den 50er Jahren war England fast ausschließlich von weißen Angelsachsen geprägt (auch wenn das manchen Kelten irritieren mag…); heute ist es eine vielfältige Mischung aus vielen Rassen und Ethnien. In meiner früheren Diözese in Südlondon habe ich Grundschulen mit 320 Kindern zwischen 5 und 11 Jahren besucht, die 46 verschiedene Muttersprachen sprachen. Die Einwanderung in England wurzelt nicht in der Wirtschaft, wie in Deutschland – die Gastarbeiter aus der Türkei – sondern im Kolonialismus, dem Britischen Empire und der Sklaverei. Deshalb ist unsere Kultur nicht nur durch diese besondere Geschichte geprägt, sondern auch durch unsere moralische und emotionale Reaktion auf diese Geschichte: Schuld, Scham, Abneigung und Angst.

Manche Engländer reagieren auf diese Herausforderung mit dem Wunsch, die Welt wäre einfacher – so, wie sie sich die Vergangenheit vorstellen. In Wahrheit war die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts nicht gerade ein güldenes Zeitalter, außer vielleicht wenn man denkt, zwei Weltkriege zu überstehen sei ein Kinderspiel. Es gibt Leute, die diese eingebildete Unkompliziertheit in eingängige Slogans verpacken und nach einfachen Lösungen für die Komplexität ihres Lebens und ihrer Gesellschaft suchen – meistens beinhaltet das, dass sie betrunken durch Städte wie Bradford marschieren und den Muslimen sagen, sie sollten „nach Hause gehen“… was nicht ganz einfach ist, wenn England doch seit vier Generationen ihr Zuhause ist.

In diesem Vortrag soll es nicht um Immigration oder Multikulturalismus in England gehen. Aber wenn man durch die Brille einer anderen Kultur und Gesellschaft blickt, kann das ein neues Licht auf die Herausforderungen der Kirche hier in Deutschland werfen. Welche Art von Kirche seid ihr? Welche Art von Kirche müsst ihr werden? Wie werdet ihr die Veränderung im Selbstverständnis bewerkstelligen, wenn ihr wisst, dass jede Art der Veränderung starken Widerstand hervorruft? Und für wen ist die Kirche überhaupt da? Wie sollt ihr mit denjenigen umgehen, die so reagieren wie die alten Israeliten, als sie nach vier Jahrhunderten Unterdrückung und Sklaverei aus Ägypten befreit wurden und sich dann in einer Wüste wiederfanden, wo sie nur noch über den Speiseplan meckerten, Ägypten idealisierten, die Geschichte umschrieben und ihre eigene Geschichte vergaßen?

Diese Nostalgie-Party ist natürlich Unsinn; es ist eine Form dessen, was ich „Ablenkungstherapie“ nenne – indem sie eine Phantasiewelt der Vergangenheit erschafft, die wir einfach wiederherstellen wollen, nimmt sie uns das Verantwortungsbewusstsein für die Gestaltung der Zukunft.

In seinen Briefen „Über die ästhetische Erziehung des Menschen“ schrieb Friedrich Schiller (sehr hilfreich): „Lebe mit deinem Jahrhundert, aber sei nicht sein Geschöpf.“ Hier ist die Erkenntnis, dass Veränderung im Leben so sicher ist wie das Amen in der Kirche. Und während sich alles verändert, können wir nicht zurückgehen oder das zurückgewinnen, was einmal war – egal wie sehr wir es romantisieren und niedlich machen. Die grundlegende Tatsache des Lebens in einer materiellen Welt ist, dass nichts jemals still steht; oder, wie Bob Dylan es formuliert: „The times they are a-changin‘“. Leben ist immer Wandel. Und wir haben die Wahl, wie wir in diesem Wandel und durch ihn hindurch leben wollen – auch wenn die Tatsache des Wandels selbst nicht zur Wahl steht. Schillers Punkt ist, dass wir Verantwortung dafür übernehmen müssen, die Zukunft zu gestalten und sie nicht einfach als unabänderlich anzusehen.

Die christliche Kirche geht das in besonderer Weise an. Wenn es stimmt, dass wir von einer Tradition bestimmt sind – einer Erzählung – die uns als Nomaden, als reisendes Volk beschreibt, das von Gott gerufen ist, mit Abraham und Sarah, Moses und all den anderen durch Wüsten und fruchtbare Stätten zu ziehen und mit Jesus an Seeufern entlang zu laufen, dann müssen wir unser Selbstvertrauen in diese Erzählung wiedergewinnen und entsprechend leben in den Gemeinschaften, in denen wir uns wiederfinden. Solch eine Kirche ist aufgefordert, Gottes Ruf über die eigene Bequemlichkeit zu stellen, seine Einladung über den eigenen Versuch, Erfüllung zu finden. Und diese Gemeinschaft muss in jeder Generation aufs Neue fragen: „Wer sind wir? Für wen sind wir da?“

Diejenigen, die beanspruchen, Gottes Volk zu sein, haben eine Verantwortung dafür, diese Geschichte im täglichen Leben, in der Erinnerung und in der Praxis der Kirche lebendig zu halten – eine Kirche, die für das Wohl der weiteren Gesellschaft und der Welt existiert. Deswegen haben die Leiter der Kirche eine besondere Verantwortung – eine Berufung sogar – zunächst diese Erzählung zu verstehen und zu verinnerlichen, zweitens diese Erzählung in ansprechender Weise nachzuerzählen, drittens, örtliche Gemeinden von Menschen zu formen, die gemeinsam erforschen, wie es aussehen könnte, dieser Erzählung gemäß zu leben und viertens, dies alles der weiteren Welt zu erläutern.

Und das bringt mich zum zentralen Thema dieses Vortrags: Wenn die Aufgabe der Pastorinnen und Pastoren heute darin besteht, die Kirche in und für eine sich verändernde Welt zu formen, welche Art von Pastorinnen und Pastoren brauchen wir dann? Vielleicht können wir das umformulieren und fragen: Welche Art von Pastoren brauchen wir heute, um die Kirche und die Pastoren von morgen zu formen?

Vielleicht hilft es uns, zunächst einen Blick auf einige Phänomene zu werfen, die derzeit die Kirche in ihrem Dienst und ihrer Aufgabe herausfordern. Den früheren Beobachtungen über die multikulturelle Gesellschaft möchte ich einen Blick auf das Ende des Christentums und den Aufstieg des Säkularismus, das zunehmende religiöse Analphabetentum und den Einfluss der Medien und des Internets anschließen.

In England unterliegen wir nicht dem Irrtum, das Christentum sei tot. Es sind diejenigen Formen des Christentums und der Kirche, die im Britischen Empire entstanden und im 19. Jahrhundert exportiert wurden, die im 20. Jahrhundert anfingen dahinzusiechen, als Europa von Kriegen und Gewalt erschüttert wurde und Fragen laut wurden über Gott, die Geschichte und die Rolle (Bedeutung? )der Menschheit. Die bisherigen Überzeugungen über den Platz und die Rolle der Kirche in der Gesellschaft wurden in diesem Jahrhundert erschüttert, und zu Beginn des 21. Jahrhunderts sind Religion allgemein und das Christentum im besonderen leichte Beute für herablassende Ablehnung sowohl in der akademischen wie der populären Kultur.

Heutzutage müssen wir einfallsreich, selbstbewusst und fantasievoll sein, wenn wir den Ort und die Bedeutung des christlichen Glaubens für das persönliche und das öffentliche Leben beschreiben und dafür streiten wollen. Wir müssen Wege finden, das Evangelium von Jesus Christus so zu beschreiben – und als Zeugen dieses Evangeliums zu leben – die Menschen zur Kirche ziehen. Und wir müssen junge Christen ausbilden, die bislang keine Ahnung haben von der Bibel oder irgendeiner christlichen Geschichte. Mit anderen Worten: Die Kirche muss sich ihren Platz in der Gesellschaft verdienen und sie muss im öffentlichen Raum selbstbewusst agieren; die Kirche kann nicht davon ausgehen, einfach einen Platz in der Nation oder eine Stimme im öffentlichen Raum zu besitzen.

Diese Einsicht ist besonders wichtig in einer Zeit, in der der Säkularismus stärker wird – insbesondere in der Gestalt der aggressiven neuen Atheisten. Terry Eagleton (prominente britische Professor of Cultural Theory and English Literature) wirft den neuen Atheisten vor, einen billigen Atheismus zu betreiben – ohne die intellektuelle Anstrengung des Nachdenkens und Debattierens selbst zu leisten, sondern stattdessen auf dem Rücken anderer Leute wie (Professor) Richard Dawkins zu reiten, der, statt über einen Fall zu diskutieren, einfach eingängige Feststellungen trifft.

Ich habe bereits kurz eine Verwechslung angedeutet, die die Diskussion dieses Themas in England stark beeinflusst: Säkularismus und Atheismus sind nicht dasselbe. Im Deutschen wird das deutlicher, weil man unterscheiden kann zwischen Säkularismus als Ideologie und Säkularisierung als Beschreibung einer Gesellschaftsform. Es ist möglich, religiös zu sein und trotzdem die Säkularisierung zu befürworten. Säkularisierung bedeutet nur, jede Privilegierung der Religion im öffentlichen Raum zu beenden – auch wenn es mitunter so wirkt als ginge es zuletzt darum, die Religion insgesamt aus dem öffentlichen Raum zu entfernen.

In England hat der Aufstieg des Säkularismus, begleitet von der modischen und oft vereinfachenden Missionierung durch die neuen Atheisten, eine Atmosphäre sowohl von Skepsis (die meiner Meinung nach ganz gesund ist) und Zynismus (der ungesund ist) geschaffen. Man könnte einiges sagen über die Art und Weise, wie diese Debatten in den Medien geführt werden, aber für meine Zwecke hier genügt es zu sagen, dass es zumindest einen sehr hilfreichen Effekt auf die Kirche hat: Christen müssen stärker nachdenken, sie müssen ihren Glauben kennen und ihn leben, sie müssen sich bewusst für ein Leben in der Kirche entscheiden (und nicht einfach hineingeboren werden) und müssen selbstbewusster sein als Christen in der großen weiten Welt. Religiöser Glauben darf sich genauso wenig in die geschützte Privatsphäre zurückziehen, wie die Säkularisten allein Anspruch auf den öffentlichen Raum erheben dürfen.

Dies ist der kulturelle Hintergrund, vor dem alles andere in England stattfindet. Eine Wissenschaftlerin, mit der ich neulich sprach, beklagte sich bitterlich über die Unwissenheit von Schülern und Studenten im Blick auf Religion allgemein und das Christentum im Besonderen. Wie soll man englische Geschichte, Kunst, Literatur, Poesie oder Musik verstehen, ohne ein paar grundlegende Geschichten der Bibel und ihre Sprache zu kennen? Es ist ein bisschen so, als wollte man die deutsche Politik und Geschichte verstehen, während man die Reformation oder die Rolle des Christentums in Europa ignoriert.

In England bezeichnen wir das als ‚religiöses Analphabetentum‘ und es ist vor allem in Bezug auf die Medien von Bedeutung. Die BBC hat inzwischen eine interne Fortbildung, mit der sie den Versuch macht, Journalisten und Moderatoren im Blick auf die Rolle der Religion in der Welt weiterzubilden. Es ist einfach unmöglich, den Irak, Afghanistan, Syrien, den 11. September, die Vereinigten Staaten von Amerika – um nur ein paar zu nennen – ohne differentierte Kenntnis der Religion zu verstehen. In meiner Rolle als ‚Medienbischof‘ der Kirche von England habe ich oft dafür geworben, dass die BBC einen Chefredakteur für Religion braucht, so wie sie einen für Wirtschaft, für Sport, für Politik oder für Kunst hat. Die Aufgabe eines solchen leitenden Redakteurs wäre es nicht, für Religion zu werben oder in irgendeiner Weise zu missionieren. Er sollte vielmehr die Ereignisse und Entscheidungen erläutern im Lichte der Faktoren, die sie beeinflussen. Um beispielsweise die Vorgänge in Syrien zu verstehen ist es unerlässlich, die Rolle der Sunniten und Shiiten zu erklären und wie diese beiden Lager die politischen und militärischen Kräfte in dem Konflikt beeinflussen und selbst von ihnen beeinflusst werden. Dazu muss man kein Muslim sein; aber man muss verstehen, dass es notwendig ist… wenn es darum geht, die Öffentlichkeit zu informieren und ihr ein Verständnis dafür zu vermitteln, was in der Welt vor sich geht und warum.

Wenn wir davon ausgehen, dass die Medien im Allgemeinen eine entscheidende Rolle bei der Vermittlung von Information, von Verständnis und Interpretation spielen, dann verändert der Siegeszug der sozialen Medien wie Twitter oder Facebook auf signifikante Weise die Art, wie Information erlangt und daraufhin interpretiert und verstanden wird. Wenn die traditionellen Medien wie Zeitungen zum Beispiel es nicht schaffen, fundierte Geschäftsmodelle für die digitale Welt zu entwickeln, dann besteht die große Gefahr, dass es immer schwieriger wird, gut ausgebildete und informierte Journalisten zu finden, die in der Lage sind, die Art von Interpretation in den Medien zu leisten, von der ich hier spreche. Wir laufen Gefahr, nur noch durch schnelle Fertighäppchen an Neuigkeiten informiert zu werden, die schnelle Fertiginterpretationen verlangen. Aber unreflektiertes Urteilen ist für keine Gesellschaft gesund.

Worauf ich hinaus will ist dies: Die Kirche muss ihre Aufgabe im Kontext dieser Herausforderungen erfüllen. England hat sich im letzten Jahrhundert enorm verändert – seit dem Tod von Prinzessin Diana sind wir alle hoffnungslos sentimental und zartbesaitet – die unerschütterliche britische Haltung ist verschwunden. Die Kirche von England kann ihren Platz in der Mitte der Gesellschaft nicht länger als gegeben voraussetzen; wir müssen ihn argumentativ begründen und unseren Wert für das Allgemeinwohl beweisen, indem wir im öffentlichen Raum präsent sind und uns um den Aufbau einer guten Gesellschaft bemühen. Dazu bedarf es intellektueller Präzision, kultureller Klugheit und ein theologisches Denken, das unsere Prioritäten und unsere Taten sowohl auf lokaler als auch nationaler Ebene prägt. Die Kirche des Jahres 2013 kann nicht länger die Kirche des 20. Jahrhunderts sein, denn die Welt, zu deren Dienst die Kirche berufen ist, hat sich signifikant verändert.

Man muss feststellen: Vielen Menschen ist das unangenehm. Das Leben ist kompliziert genug, auch ohne, dass nun auch noch die Kirche sich verändern soll. Deshalb ist die Rolle des Pastors heute auch um einiges komplizierter – und in mancher Hinsicht schwieriger – als in der Vergangenheit. Ich weiß: Ich verallgemeinere dabei – ein Pastor in Jena während des Zweiten Weltkrieges oder während der Jahre des Staatsatheismus in der DDR zu sein war kein Spaziergang – aber das Tempo der heutigen Veränderung ist verwirrend. Junge Menschen leben heute durch und mit und in den Sozialen Medien. Die Sprache verändert sich rasant, gemeinsam mit den digitalen und anderen Kanälen der Kommunikation, und dies wiederum verändert die Art und Weise, wie wir Beziehungen zu anderen Menschen unterhalten. Die Technologie schafft beachtliche soziale Vorteile, gibt aber auch Anlass zu ethischen Fragen, die sich bislang gar nicht gestellt haben – zum Beispiel bei der Stammzellforschung oder bei Massenvernichtungswaffen. Wir erkennen inzwischen, dass unsere Beziehung zur Erde komplexer ist als nur die Ausbeutung zum Wohl des ‚Königs Menschheit‘.

Meiner Meinung nach bedeutet das, dass die Kirche Pastoren und Pastorinnen braucht, die mit Veränderungen umgehen können, die die Gelegenheiten nutzen, die sich durch rasant ändernde Umstände ergeben und die sich flexibel anpassen, ohne sich von der gerade aktuellen, vermeintlich guten Idee umpusten zu lassen. Tatsächlich können wir die Art von Pastor, die die Kirche braucht, wie folgt beschreiben:

1. Die Kirche braucht Pastoren, die Gott, die Menschen und die Erde lieben, und die sich eine theologische Anthropologie erarbeitet haben – das heißt: sie wissen, warum die Menschen zählen.

2. Wir haben über die Notwendigkeit gesprochen, ‚präsent und engagiert zu sein‘ – an einem bestimmten Ort sichtbar zu sein, dort zu leben und die Dinge wahrzunehmen und sich durchaus auch die Hände im öffentlichen Leben schmutzig zu machen und dadurch als Kirche über das Kirchengebäude hinaus in die örtliche Gemeinde hinein zu gehen, mit Evangelisierung und Dienst. Darum geht es bei der Inkarnation – und das ist es, wozu die Kirche als Leib Christi berufen ist: Theologie lebendig werden zu lassen in Fleisch und Blut und Wort und Tat. Pastoren müssen sich die Hände schmutzig machen.

3. In einem Zeitalter der schnellen und komplexen Kommunikationsmedien müssen Pastoren selbstbewusst und fähig sein, zu den Menschen in ihren jeweiligen Lebensumständen in Beziehung zu treten und die Gute Nachricht von Jesus Christus in der Sprache zu verkünden, die die Menschen tatsächlich verstehen. Ich bin oft auf den Sendern der BBC zu hören. Wenn ich eine Dokumentation auf Radio Four (das ist in etwa so wie MDR Figaro), dann verwende ich eine Sprache und kulturelle Verweise für clevere Leute. Wenn ich auf Radio Two bin (das ist ungefähr wie MDR Jump), dann spreche ich ganz bewusst die Sprache der Popkultur. Pastoren müssen die Herausforderung lieben, mehrsprachige Übersetzer und Interpretatoren zu sein, damit Menschen sie hören und verstehen können.

4. In England wird der Kirche oft vorgeworfen, dass sie Menschen ‚anpredigt‘, dass wir also herablassend zu den Menschen sprechen und ihnen sagen, wie sie zu leben hätten. Man könnte sagen, dass die Kirche heute eher ein Gespräch führen muss als theologisch korrekte Monologe zu halten. Diese Auffassung muss die Art zu predigen innerhalb der Liturgie ebenso beeinflussen wie die Gespräche und Debatten außerhalb der Kirche im öffentlichen Raum. Gleichzeitig müssen die Pastoren ihr Selbstvertrauen beim Predigen zurückgewinnen – sie müssen die Bibel so verkünden und erklären, dass es die Neugier des Zuhörers weckt und die Vorstellungskraft derer anregt, die sich mit uns beschäftigen.

5. Pastoren sind Leiter und Diener, die berufen sind, Glaubensgemeinschaften an bestimmten Orten aufzubauen und zu formen – manchmal sogar erst zu gründen. Und obwohl die Kirche auch Pastoren mit besonders seelsorgerlichen Fähigkeiten braucht, braucht sie auch Pastoren, die einer Gemeinde genug Vertrauen einflößen können, dass sie sich der Welt öffnen kann. In einer landesweit ausgestrahlten Live-Sendung im Radio wurde ich einmal gefragt, wozu die Kirche eigentlich da ist. Ich hatte keine Zeit, mir eine Predigt auszudenken, also habe ich einfach gesagt: „Die Aufgabe der Kirche ist es, einen Raum zu schaffen, in dem die Menschen herausfinden können, dass Gott sie schon gefunden hat.“ Ich glaube, so kann man es sagen. Wir brauchen Pastoren, die die Vision und die Fähigkeiten haben, eine Gemeinde zu formen, die in etwa dem Jesus ähnelt, von dem wir in den Evangelien lesen.

6. Aber die vielleicht wichtigste Eigenschaft eines Pastoren für heute und für morgen ist es, ein Prophet zu sein. Ich weiß, das klingt merkwürdig. Aber ein Prophet ist nicht jemand, der einem sagt, was in der Zukunft passieren wird; ein Prophet ist vielmehr jemand, der die Wahrheit hinter den Ereignissen sieht und die Hoffnung auf eine bislang nicht erkennbare Zukunft wachhält. Ein Prophet ist jemand, der – in den Worten des amerikanischen Alttestamentlers Walter Brueggemann – nach dem Verlust von Neuanfang spricht. Oder, wie es im Buch ‚Glaubensrepublik Deutschland‘ von Claudia Keller und Matthias Drobinski heißt, jemand, der von einer Hoffnung ergriffen ist, von der „Gabe, in den Misstönen der Gegenwart die Musik des Künftigen zu hören“.

Mit anderen Worten: Die Kirche braucht Pastoren, die sich bemühen, eine Sprache und Bilder und Musik und Aktivitäten zu finden, die die Melodie von Gottes Zukunft inmitten einer komplexen Gegenwart erklingen lässt – in der Nachfolge des Jesus‘ der Evangelien, der Partys feiern und den Menschen ein neues und unerwartetes Leben geben konnte. Die Kirche braucht Pastoren, die in der Dunkelheit eines Verlustes ein Licht aufleuchten lassen können, die mit den Leidenden leben, die sich freuen mit denen, die feiern, die diejenigen herausfordern, die sich bequem eingerichtet haben und die die Verzagten ermutigen. Sie braucht Pastoren, die angetrieben werden von der Überzeugung und der Erfahrung von Gottes Großzügigkeit, und die durch Pflege und Beispiel eine Gemeinschaft von Menschen aufbauen, die es wagen, großzügig zu denen zu sein, die es normalerweise nicht verdient haben.

Grundlegend dafür ist die Ansicht, dass die Kirche nicht um der Kirche willen da ist. Die Kirche ist zum Wohl der Welt da, in der wir leben. Unser Gottesdienst ist kein Zweck, sondern ein Mittel – er sendet uns hinaus in die Welt, um zu lieben und zu arbeiten und uns ganz zu geben, damit andere ein Leben sehen und finden können, das verwurzelt ist in der atemberaubenden Entdeckung, dass Gott sie schon vor ihrer Geburt geliebt hat und sie bis zum Tod und darüber hinaus lieben wird. Es geht um die Art von lebensverändernder Umkehr, die uns nicht aus der realen Welt herausnimmt, sondern uns mitten in sie hineintauchen lässt.

Drobinski und Keller haben eine sehr interessante Untersuchung über Religion in Deutschland geschrieben, die ich mit großem Interesse gelesen habe: „Glaubensrepublik Deutschland“. Tatsächlich hätte ich heute Nachmittag einfach lange Passagen daraus vorlesen können – zumindest könnte ich dann garantieren, dass das Deutsch richtig gewesen wäre. Die beiden Autoren beobachten, inwieweit Deutschland sich verändert und wie sich die Glaubensäußerungen ebenfalls verändern. Sie beschreiben Menschen und Begegnungen, die diese Veränderungen illustrieren. Und sie führen uns zur Erkenntnis, dass, wenn die Kirche bestehen und wachsen will, sie ihr Selbstvertrauen zurückgewinnen und ihre Angst vor Veränderung verlieren muss. Um Menschen davon abzuhalten, die Kirche zu verlassen (also ihre Mitgliedschaft aufzugeben und ihre Kirchensteuer nicht mehr zu bezahlen), müssen nicht die ‚Gottesdienste besser gemacht werden‘. Stattdessen muss die Vorstellungskraft der Menschen so angeregt werden, dass sie fasziniert davon sind, Jesus in der Gemeinschaft anderer Menschen nachzufolgen – selbst wenn es nur aus Neugier passiert, um zu sehen, wohin er und sie gehen.

Es ist nicht an mir, der Kirche in Deutschland oder den Zuhörern an einer Universität zu sagen, was die Kirche hier braucht. Aber angesichts der Tatsache, dass diese Überlegungen zum Kerngeschäft eines anglikanischen Bischofs in England gehören, mögen sie weitere Gedanken anregen, ob wir Pastorinnen und Pastoren für eine Kirche der Vergangenheit oder der Zukunft produzieren. In Bradford brauche ich Pastorinnen und Pastoren, die hartnäckig die verschiedensten Menschen lieben können, die sich im Dialog und in der Verkündigung engagieren, die die verschiedenen ‚Sprachen‘ und Slangs der Menschen in ihrer Gemeinde lernen, die eine selbstbewusste und feiernde christliche Präsenz aufbauen, die sich unbeschwert zwischen den verschiedensten Menschen und Gemeinschaften hin und her bewegen, und die den christlichen Glauben weiterempfehlen mit einer selbstbewussten Demut, die niemanden bedroht.

Ich schließe mit den Worten von Friedrich Schiller, aus seiner ersten Vorlesung als Professor für Geschichte hier an der Universität in Jena: „Die Weltgeschichte ist das Weltgericht.“ Das gleiche könnte über die Kirche gesagt werden und darüber, ob wir wirklich glauben, dass wir für die Welt da sind… oder für die religiöse Unterhaltung derer, die die Herausforderung der Evangelien mit einem bequemen Lebenstil verwechseln. Die Wahrheit unseres Selbstverständnisses wird am Gerichtshof der Geschichte geprüft werden.

Whenever there is an atrocity committed against Christians elsewhere in the world I get asked what we are doing about it here. The insinuation is that we appease Muslims, but ignore the plight of Christians being persecuted or victimised in Muslim-majority countries.

The quick answer is that loads of stuff goes on under the radar at national, international and diplomatic level. Anglican Communion partnership links mean that dioceses and bishops here are intimately connected to those places where Christians suffer. Relationships are often strong and communication good. However, such situations often mean that 'we' are wise enough not to salve our own consciences by making proclamations that make us feel better but do nothing to help the sufferers. Public silence does not equate to inactivity or inertia.

The latest atrocity was in Pakistan and the Archbishop of Canterbury was strong in his observations on events there. I also raised questions in a post the other day. But, what do we do on the ground, as it were?

In Bradford the President of the Council for Mosques called a meeting the day after the suicide bombing in Peshawar and a common statement by Muslim and Christian leaders was agreed. A joint appeal was launched at the same time in order to provide both symbolic and practical support to the Christian community that was attacked. The statement reads as follows:

Unfortunately attacks on places of worship of both Muslims and Christians alike are becoming more frequent. In recognition of this, Christian and Muslim leaders are encouraging all to join in prayer and supporting a joint appeal through mosques and churches across the city to raise funds to support the victims of this most recent atrocity.

We invite faith leaders of mosques and churches to support this worthwhile initiative through prayers and by raising funds for the appeal.

Bradford Cathedral, with my encouragement and at my instigation, is to hold a silent prayer vigil this coming Sunday evening from 6.30-8.30pm and Muslim representatives will be present. The vigil will be introduced by the Dean of Bradford and Dr Philip Lewis (Interfaith Advisor to the Bishop of Bradford). (I will be in the north of the diocese that evening in a rural parish.) Furthermore, a place of prayer will be established within the Cathedral for those Christian victims of such violence and other minorities who are subject to violence on account of their faith. This place will remain until Remembrance Day.

While writing this I have received information about a serious outbreak of civil violence in Khartoum, Sudan, and continued violence against civilians (mainly African and Christian in South Kordofan and the Blue Nile regions of Sudan. These are our brothers and sisters and we know many of them by name. So far the appeal in my name to support displaced people in these areas has raised well over £100,000 in eighteen months. There is more to be done.

But, perhaps this illustrates what partnership means and how we respond in Bradford to events that appear as news headlines.

The Archbishop of Dublin did a biblical exposition for the assembled Anglican bishops in Oxford this morning. His name is Michael Jackson and it is too easy to make lame jokes about his sermon being a thriller.

He was excellent. But, the line that sticks – and I haven't got time to give the gist of the entire text – was this one:

Tradition is the church interpreting, not the church reminiscing.

Although pertinent to and directed at the church, this notion has much wider application. It is easy to live now as if the present reality is permanent – or to bemoan the loss of old structures instead of finding creative ways to give birth to new ways of being… and interpreting these possibilities to those who mourn the loss.

Reminiscence should never be the cause of sentimentalism. Tradition should fire our commitment to the future.

Now I've got to beat it to the session on 'safeguarding'. (See what I did there?)

 

The Diocese of Bradford is currently hosting the Bishop of Khartoum, Sudan, as we celebrate 30 years of a diocesan link. Talking with the bishop over the last few days about the situation facing Christians in Sudan, I keep asking myself the question why a red line has been drawn in Syria, but not in Darfur? President Bashir has been indicted by the International Criminal Court in The Hague, yet the West has not threatened to carry out surgical strikes against those Sudanese military installations that continue to commit murder on a massive scale.

Why not? What is the moral difference between Syria and Darfur/Sudan?

These questions arose not just from conversations with the Bishop of Khartoum, but also from a service in a Bradford parish church this morning.

Church – particularly the Church of England – frequently gets a bad press, yet where else can you find a community of people who consciously belong together, deliberately question their own way of life, dig deep into the stuff of their souls, wrestle with how personal commitment (discipleship of Jesus) connects with (or leads to or derives from) stuff like Syria, Darfur, and so on? Where else do you get this corporate soul-searching in a context of music, silence and attentive listening? What other group brings together (by choice) people of different social strata in one place where attention is paid to looking at the self and beyond the self, encouraging commitment and perseverance, challenging complacency and hypocrisy?

I think we easily overlook just how remarkable this phenomenon is. A congregation thinks of today's routines in the light of the eternal and the global. It hangs on and lives with uncertainty and unresolved questions. Yet, it does so with hope – not wishful thinking, but the hope that derives from “hearing amid the cacophanies of the present the music of the future”.

Anyway, the point I was musing on with the congregation this morning was that when Jesus invited people to follow him, he insisted that they did so with their eyes open. This journey would be no walk in the park, but would throw them together with people they wouldn't choose and might not like – but by following him they would deny themselves the option of choosing company that was convenient to them. Pulling together a passage from Jeremiah (18:1-11) and Luke (14:25-33), we noted that Christians are to be people who, having received the generosity of God, are bound to live generously. However, they must also live out the habit of recognising failure and choosing to change – personally and by feeding the hungry, caring for the destitute, and so on.

And when it seems that, in Jeremiah's language, the potter's clay gets messed up and has to be broken and re-thrown, this is not the end of the story. According to the biblical narrative, (and in the words of Amercian Fransiscan, Richard Rohr) “everything belongs”. Nothing of our life is wasted. The broken bits get collected up and re-worked into something both beautiful and useful. Yet, this should not be easily romanticised: it is painful and hard, and impacts on the emotions, the psyche, lifestyle and self-esteem.

This is what church does. It creates a space in which deep examination and questioning can go on – both of the self and of the world we live in. And it opens up the possibility of motivating a community of people who seek to see the world changed, but starting with themselves. This is the humility of repentance.

And it compels us not to lose hold on the hard questions about self and Syria, the local and the global, the temporal and the eternal.

It is also hugely enjoyable.

 

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