Ökumenischer Gottesdienst zur Semestereröffnung 2013/14, Friedrich-Schiller-Universität Jena

15 Oktober 2013

Markus 1:14-20

Einer der lustigsten Menschen, die ich je getroffen habe, war der Amerikaner Mike Yaconelli. Er ist bei einem Autounfall vor einigen Jahren ums Leben gekommen – was natürlich überhaupt nicht lustig ist. Er war Jugenddiakon und Pastor, und er hat immer darüber gelacht, dass all seine Pastorenkollegen solch selbstbewusste, theologisch beständige, wissenschaftlich hochqualifizierte Männer waren (ja: es waren alles Männer), deren Kinder gut erzogen und sehr christlich waren. Er, auf der anderen Seite, war immer unsicher, er wechselte seine theologischen Überzeugungen praktisch stündlich und fühlte sich immer klein und unscheinbar den geistlichen Riesen in seiner Umgebung gegenüber. Seine Kinder beschrieb er übrigens immer sehr wenig schmeichelhaft.

Er schrieb also ein Buch für Menschen wie ihn selbst und nannte es “Messy Spirituality” – die deutsche Ausgabe heißt „Gott liebt Chaoten“. Am Anfang des Buches beschreibt er einen immer wiederkehrenden Traum, in dem er mit einer Gruppe von Leuten in einem Raum auf dem Boden sitzt. Da kommt Jesus herein und redet eine Weile mit ihnen. Plötzlich steht er auf, schaut Yaconelli in die Augen, zeigt auf ihn und sagt: „Komm und folge mir nach.“ Yaconelli kann es kaum glauben. Sein Herz schlägt voller Stolz, er hat Tränen in den Augen und er steht auf, ganz bereit, Jesus zu folgen, egal wohin. Da dreht sich Jesus um, schaut an ihm vorbei und sagt: „Oh, tut mir leid, ich meinte nicht dich, ich meinte den dort hinter dir.“

Ich glaube, vielen von uns geht es so: Tief in unseren Herzen fürchten wir, dass die Einladung von Jesus nur den anderen Menschen gilt – besonders denjenigen, die ein beständigeres Leben führen, deren Theologie gut geordnet und ausgearbeitet ist oder die das Leben ganz unkompliziert finden. Aber die Evangelien bezeugen etwas anderes. Jesus lädt, ganz klar und ganz bewusst, Menschen wie dich und mich ein.

Natürlich ist es einfacher, die Herausforderung seiner Einladung zu umgehen, indem man denkt, diese Einladung gilt nur anderen Menschen. Sie zu hören als Einladung an mich selbst ist gleichzeitig ermutigend und erschreckend.

In seiner ersten öffentlichen Äußerung im Lukas-Evangelium, die auch als „das Lukanische Manifest“ in Kapitel 4 bekannt ist, wo er aus Jesaja zitiert, verkündet er „frohe Botschaft den Armen“. Wenn man einen Moment darüber nachdenkt, kommt man allerdings zu dem Schluss, dass frohe Botschaft für die Armen eine schlechte Nachricht für die Reichen sein könnte. Wenn „die Unterdrückten frei und ledig“ sein sollen, dann ist es naheliegend anzunehmen, dass die Unterdrücker nicht sehr begeistert sein werden. In seiner Einladung an die ersten Jünger ihm nachzufolgen ist es jedenfalls ein und dieselbe Person, die sowohl ermutigt wie erschreckt wird – eine frohe Botschaft zu hören, die zugleich eine schlechte Nachricht ist.

Ich werde das anhand unserer Lesung aus dem ersten Kapitel des Markus-Evangeliums erklären.

Jesus ist getauft und danach in die Wüste geführt worden, damit er sich klar werden konnte – gleich am Anfang seines öffentlichen Wirkens – welche Art von „Herr“ oder „König“ er sein will. Es ist ja schön und gut fromme Erklärungen abzugeben, aber was ist, wenn der Druck steigt? Wird er die Abkürzung zur Herrlichkeit wählen und sich selbst in Sicherheit bringen? Ist er wirklich darauf vorbereitet, seine Mission bis zum Schluss, bis zur Verlassenheit und Demütigung am Kreuz durchzuziehen und Selbsterfüllung und Zufriedenheit zurückzustellen?

Nachdem er diese Erfahrung der inneren Einkehr und Selbstprüfung überstanden hat, kehrt Jesus in seine Heimatregion in Galiläa zurück und verkündet das Evangelium – die gute Nachricht von Gott: „Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!”

Großartig! Wunderbar! … Oder? Was bedeutet das eigentlich?

Vielleicht hilft es uns, aus einem anderen Blickwinkel zu schauen und eine andere Frage zu stellen: Was hätte denn wohl wie eine gute Nachricht geklungen für die Menschen in Galiläa zur Zeit Jesu‘? Ich glaube, die Antwort ist ziemlich einfach: „Die Römer ziehen ab.“

Da ist ein Volk, dessen Land seit Hunderten von Jahren von heidnischen Götzendienern besetzt ist, die die Einheimischen demütigen, obwohl deren Gott – und das ist eher peinlich – doch der Schöpfer und Erhalter des Alls sein soll. Und doch finden sie und ihr Gott sich hier unter dem Joch des mächtigen Römischen Reiches. Gute Nachricht für die Juden wäre also schlicht und einfach: Die Römer ziehen ab, wir bekommen unser Land zurück, wir werden frei sein zu leben und Gottesdienst zu halten, so wie Gott es von uns erwartet und wir müssen nicht länger in unseren Taschen die Münzen tragen, auf denen der Kopf des Kaisers zu sehen ist mit der Inschrift „Kaiser und Sohn Gottes“. Die Vertreibung oder der Abzug der Römer wird das Zeichen sein, dass Gott wieder mit uns ist.

Wenn also Jesus von “guten Nachrichten” spricht, werden die Menschen, die ihn hören, Ausschau halten danach ob die Römer abziehen. Sie gehen davon aus, dass Gott nicht bei ihnen sein kann – d.h. sein Reich kann nicht nahe sein – solange die unreinen, heidnischen römischen Imperialisten noch da sind. Die Jüdischen Schriften haben es klar gemacht: Das Heilige darf nicht durch das Unheilige verunreinigt werden.

Jetzt sind wir in der Lage zu verstehen, was Jesus in Markus Bericht vorhat. Jesus‘ grundlegende Botschaft ist in diesen vier Aussagen zusammengefasst: „Die Zeit ist erfüllt. Das Reich Gottes ist nahe herbei gekommen. Tut Buße und glaubt an die gute Nachricht.“

“Die Zeit ist erfüllt.” Die Zeit, auf die ihr gewartet und gehofft, für die ihr gebetet habt, ist jetzt gekommen. Dies ist der ‚Kairos‘-Moment – die Zeit, die Gott gewählt hat, um alles zurecht zu bringen.

Aber warum sind die Römer dann noch hier? Es gibt kein Anzeichen, dass sie abziehen würden… oder dass eine ordentliche Rebellion losbricht.

“Das Reich Gottes ist nahe herbei gekommen.” Die Gegenwart Gottes ist wieder unter uns und Gottes Herrschaft bricht an.

Wenn das so ist, warum sind die Römer dann immer noch hier? Der heilige Gott kann nicht nahe herbei kommen, wenn unheilige Imperialisten immer noch unser Land und unsere Gottesdienststätten besetzen. Ist das hier irgendeine Art von schlechtem Scherz?

“Tut Buße!” Am Oxford Circus in London steht regelmäßig ein Mann, der die Passanten anschreit, sie „sollten Buße tun, denn das Ende ist nahe“. Seiner Meinung nach bedeutet „Buße tun“ offensichtlich, dass wir voll elendem Bewusstsein unserer Sünden und unserer Hoffnungslosigkeit herumkriechen sollten – aber so ist es nicht. „Buße tun“ kommt vom griechischen Wort ‚metanoia‘ und das heißt wörtlich „umkehren, umdrehen, seine Meinung ändern“. Mit anderen Worten, umdrehen und die Perspektive ändern, mit der wir auf Gott schauen, auf die Welt und auf uns selbst… damit wir Gott, die Welt und uns selbst anders wahrnehmen können… damit wir die Art ändern können, wie wir über Gott, die Welt und uns selbst denken… damit wir die Art ändern können, wie wir in der Welt und mit Gott leben.

Mit anderen Worten: Denken wir wirklich, dass Gott nur dann gegenwärtig ist, wenn Gott auf unserer Seite zu sein scheint, wenn alles glatt geht und ganz eindeutig, klar und sauber ist? Kann Gott wirklich erst dann gegenwärtig sein, wenn all der schmutzige oder unordentliche Kram in unserem Leben aufgeräumt und fort ist? Macht sich Gott wirklich größere Sorgen darum, von den schlechten Dingen angesteckt oder verunreinigt zu werden als vielmehr selbst die schlechten Dinge mit Gutem zu durchdringen – Gnade, Großzügigkeit, Heilung, Liebe und Vergebung?

Dann, schließlich: “Glaubt an die gute Nachricht.” Glauben bedeutet nicht einfach intellektuelle Zustimmung zu einem Bündel von Annahmen über Gott, die Welt und uns selbst. Vielmehr bedeutet es – in einem jüdischen Sinn – sich mit Haut und Haar einer Sache zu widmen, einer Sache, die wir jetzt anders wahrnehmen und sehen, über die wir anders denken und die uns anders leben lässt. Buße oder Umkehr ist nicht einfach ein religiöses Gefühl, es ist eine Berufung, eine Herausforderung, eine Einladung zu einer Reise, die all unsere Annahmen, Vorurteile, unser Wissen, unsere Werte, unsere Hoffnungen und Ängste, unsere Erwartungen, unsere Beziehungen, unseren Lebensstil und unseren Charakter in Frage stellen wird.

Und Umkehr fängt dort an, wo wir eine leise Ahnung von der Möglichkeit bekommen, dass Gnade nicht auf Heiligkeit wartet/dass Gnade nicht von der Heiligkeit des zu Begnadigenden abhängt. Gnade eröffnet vielmehr die Möglichkeit, dass Menschen heilig werden, die sich keiner Illusionen über ihre Unzulänglichkeit oder Bedürftigkeit hingeben.

Als Jesus an den See Genezareth kommt und Simon und Andreas einlädt: „Kommt, folgt mir nach,“ da ruft er sie zu viel mehr als zu einer magischen Mystery-Tour oder einer interessanten religiösen Pilgerfahrt. Sie wissen nicht, worauf sie sich einlassen… und Jesus – klugerweise – sagt es ihnen nicht. Er unterzieht sie auch keiner Prüfung um zu testen, ob ihre Theologie schlüssig und informiert genug ist oder ihre Ethik rein genug, bevor ihnen erlaubt wird, mit ihm zu gehen. Sie werden eingeladen, mit ihm zu gehen… und zu sehen, was auf dem Weg passieren wird. Wichtig ist, dass sie neugierig genug sein müssen, um ihre gewohnte Routine zu verlassen und ins Unbekannte aufzubrechen.

Ich weiß nicht, was euch das sagt. Für mich ist es eine deutliche Erinnerung an Folgendes: Jesus zu folgen ist eine Reise der Veränderung, kein einmaliges Ereignis. Konversion ist ein Prozess und nicht eine einmalige Entscheidung. Aber es ist genauso wichtig, dass wir die Reise (an einem Punkt tatsächlich) beginnen, den Strand und die Netze verlassen, und aufbrechen in eine ungewisse Welt jenseits dessen, was uns vertraut und lieb und bequem ist. Jesus nachzufolgen ist einzigartig wundervoll und herausfordernd, aber es umfasst das ganze Leben und nicht nur die religösen Krümel davon. Theologie handelt vom Leben, nicht von Religion, Frömmigkeit oder bloße Spiritualität.

Der Rest von Markus’ Evangelium buchstabiert das durch, was es bedeutet umzukehren. Wir treffen Menschen, die es wagen, die Art zu ändern, wie sie sehen und denken und leben. Und wir treffen Menschen, die das nicht wagen. Die Ironie daran ist, dass diejenigen, die sich nach dem Kommen Gottes gesehnt und die darum gebeten haben, diejenigen sind, die es nicht schaffen, sich zu ändern – und sie sind es am Schluss, die Jesus kreuzigen. Diejenigen, die es wagen umzukehren, sind die überraschenden Leute – die ‚Unreinen‘: Frauen, Behinderte, Außenseiter. Wir sollen schockiert sein, wenn wir die Evangelien lesen und entdecken, dass all die falschen Leute Jesus auf ihrer Seite finden und dass er sie einlädt, mit ihm zu gehen.

Man könnte noch viel mehr darüber sagen. Wir könnten zum Beispiel darüber nachdenken, dass die christliche Kirche nicht einheitlich, sondern einig sein soll: Jesus beruft eine bizarre Mischung von Jüngern und erwartet von ihnen, dass sie ihm gemeinsam folgen. Das ist nicht leicht. Aber das ist genau der Punkt: Umkehr umfasst nicht nur das Individuum, sondern all diejenigen, die mit Jesus auf dem Weg sind.

Und vermutlich ist das Schwierigste für uns alle zu begreifen, dass Jesus, anders als in Mike Yaconelli’s wiederkehrendem Traum, nie die Person hinter uns anschaut – er schaut ganz direkt uns selbst an und lädt uns ein, die Neugier und die Fantasie zu haben, aufzustehen und ihm zu folgen, gemeinsam mit einer wilden Mischung aus Heiligen und Sündern, die wir “die Kirche” nennen.

Langweilig wird das bestimmt nie.

Semestereröffnung an der Friedrich Schiller Universität, Jena: Vortrag von Bishof Nicholas Baines

15 Oktober 2013

Die Kirche gestalten in einer sich wandelnden Welt – Was für Pfarrer braucht diese Zeit?

Am Anfang von Schillers “Don Carlos” sagt Königin Elisabeth zum Marquis: “Hier zeige ich ihnen meine Welt.” Es ist verlockend für mich, diesen Vortrag ebenso zu beginnen: Lassen Sie mich ihnen meine Welt zeigen. Denn trotz der Ähnlichkeiten zwischen England und Deutschland, trotz unserer gemeinsamen Geschichte in Europa und den vielen kulturellen Gemeinsamkeiten, die wir teilen, sind unsere Welten doch in vielem grundsätzlich verschieden.

Zum Beispiel lebe ich auf einer kleinen Insel, der einst die halbe Welt gehörte. Jedermann spricht Englisch; die Engländer sprechen ausschließlich Englisch. Die Kirche von England ist eine „reformiert-katholische“ Kirche – ein Konzept, das schwierig zu erklären ist in einem europäischen Kontext, in dem man entweder protestantisch oder katholisch ist. Deutschland hat ein Grundgesetz – eine schriftlich niedergelegte Verfassung – England hingegen nicht. Und Deutschland weiß, wie man Elfmeter verwandelt….

Der bewundernswerte frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt hat im Alter von 91 Jahren ein faszinierendes Buch mit dem Titel “Außer Dienst” geschrieben, in dem er viele der Erfahrungen festhält, die er im Laufe seines Lebens gesammelt hat. Er hat auch einen Ratschlag für diejenigen, die für den Deutschen Bundestag kandidieren wollen. Für englische Ohren, die dem Erlernen von Fremdsprachen eher skeptisch gegenüber stehen, klingt das sehr herausfordernd, was er sagt: „Wenn Sie nicht mindestens zwei Fremdsprachen einigermaßen sicher beherrschen, sollten Sie nicht mal darüber nachdenken, in die Politik zu gehen. Warum? Weil man seine eigene Kultur nicht verstehen kann, wenn man nicht in der Lage ist, durch die Brille einer anderen Kultur darauf zu schauen. Und um das zu tun, muss man eine fremde Sprache verstehen.“

Nun, ich stamme ursprünglich aus Liverpool, wo wir eine besondere ‚Fremdsprache’ sprechen. Wir Engländer haben schon mit unserer eigenen Sprache zu kämpfen – ganz zu schweigen von anderen Fremdsprachen. Aber der Blick von außerhalb unserer selbst ist notwendig, wenn wir wirklich erkennen wollen wer wir sind und warum wir so sind wie wir sind.

Vor kurzem war ich Gastgeber einer viertägigen Konferenz der Meissen Kommission in meiner Heimatstadt Bradford. Die Meissen Kommission koordiniert die Zusammenarbeit der Kirche von England und der Evangelischen Kirche in Deutschland; wir treffen uns jedes Jahr im September, immer abwechselnd in England und in Deutschland. Letztes Jahr waren wir in Eisenach. Bradford in diesem Jahr war ein Schock, nicht nur für die Deutschen, sondern auch für diejenigen Briten, die noch nie so weit in den Norden hinauf gekommen waren. Und warum?

In dem Stadtteil von Bradford, in dem ich lebe – Heaton – sind rund 70 Prozent der Einwohner pakistanische Muslime. 95 Prozent dieser Muslime kommen aus derselben ländlichen Gegend im pakistanischen Teil Kaschmirs. Unsere Nachbargemeinde Manningham ist zu 82 Prozent asiatisch-muslimisch. Es gab dort früher fünf anglikanische Kirchengemeinden, heute ist es nur noch eine. Im Innenstadtring von Bradford gab es bis vor kurzem nur einen einzigen christlichen Gottesdienstort – die anglikanische Kathedrale. Moscheen gibt es in der Stadt insgesamt 86. Wirtschaftlich geht es der Stadt nicht gut, obwohl es inzwischen sehr positive Zeichen einer Wiederbelebung gibt und die Entschlossenheit, eine neue Wirtschaftskraft zu entwickeln. In den Jahren seit 2001 hat die Zahl der Muslime deutlich zugenommen, während die Zahl der Hindus, Juden, Christen und „anderer“ abgenommen hat.

Eine der Fragen, die sich die Meissen Kommission gestellt hat, war also eine wirklich schwierige: Was bedeutet es, an einem solchen Ort eine anglikanische Gemeinde zu sein? Immerhin organisieren wir Anglikaner unsere Kirche territorial – d.h. unsere Pastoren fühlen sich für alle Menschen innerhalb eines Bezirkes zuständig, nicht nur für die Kirchenmitglieder – und siedeln nicht einfach nur dort Kirchen an, wo die Aussicht auf Wachstum am größten ist. Aber wenn nun in einem solchen Bezirk nur wenige Anglikaner oder überhaupt wenige Christen leben, wie sollte die Mission einer anglikanischen Gemeinde in diesem Bezirk aussehen? Mit diesen Fragen ringen wir seit 30 Jahren. Und diese Entwicklung war in den letzten fünfzigsten Jahren unvermeidlich.

Jetzt ist nicht die Zeit, diesen Fragen im Detail nachzugehen oder den Vorträgen und Diskussionen der Meissen Kommission aus dem letzten Monat. Aber die Fragen selbst stellen eine große Herausforderung für unsere Theologie dar (wo ist Gott in all dem?), für unsere Ekklesiologie (wie sieht sich die Kirche selbst in einer solchen Situation und welche Rolle spielt sie?) und für das Verständnis unserer Aufgabe (was bedeutet es, in einer solchen Situation zu evangelisieren und Menschen zum Glauben einzuladen?). Nach meiner Erfahrung gibt es zwei mögliche Reaktionen von Kirchengemeinden: entweder spielen sie „das Opfer“ und sehnen sich nach einer Vergangenheit, in der das Leben und der Glauben vermeintlich weniger kompliziert waren; oder sie reagieren mit kreativer Vorstellungskraft, Energie und Vision, um die Gemeinde zum Wohl der Menschen vor Ort umzugestalten.

Natürlich kann sich eine kleine anglikanische Gemeinde in einer sehr armen Gegend keinen Pfarrer leisten und die Kosten für den Unterhalt eines Gottesdienstgebäudes sind, vorsichtig gesagt, eine echte Herausforderung. Trotzdem ist es keine Option, das Kirchengebäude zu schließen; das Gebäude selbst ist in gewisser Weise eine ‚Ikone‘ und zeugt von der Gegenwart von Christen. Man könnte sagen, dass auch die Steine predigen.) Die Diözesen haben ein Finanzierungssystem – in England haben wir keine Kirchensteuer – in dem die reicheren Gemeinden einen höheren Anteil bezahlen, damit ich einen Pastor in Gemeinden wie Manningham einsetzen kann. Konkret sieht es so aus, dass ein Pastor rund 50.000 Pfund im Jahr kostet (Gehalt, Altersvorsorge, Unterkunft, Ausbildung, laufende Kosten etc.): Manningham bezahlt rund 8.000 Pfund und eine Gemeinde in Ilkley bezahlt rund 160.000 Pfund – und beide Gemeinden bekommen je einen Pastor.

Dieses Beispiel dient mir nicht nur dazu zu zeigen, dass Bradford eine führende Rolle in der Kirche von England im Umgang mit dem demographischen Wandel spielt. Unser Umgang mit Menschen anderer ethnischer und religiöser Herkunft hat auch die Art und Weise verändert, wie wir über unsere Aufgabe denken und sie erfüllen. Unsere Aufgabe, das Evangelium an alles Volk auszurichten, erfordert erstens, dass wir die Gesellschaft verstehen, in der wir leben, zweitens, dass wir diese Gesellschaft sehr genau kennen, drittens, dass wir zwischen Missionierung und Evangelisierung unterscheiden, viertens, dass wir die „Sprachen“ und Slangs unserer Gegend lernen, damit wir uns selbst verständlich machen können und eine Sprache sprechen, die gehört und verstanden wird, und fünftens, dass wir in unserer Arbeit für das Gemeinwohl etwas entwickeln, dass ich „selbstbewusste Demut“ (confident humility) nenne.

In meiner Rolle als Vertreter des Erzbischofs von Canterbury bei globalen interreligösen Konferenzen ist mir klar geworden, dass die Auseinandersetzung mit Menschen anderen Glaubens – und der Dialog mit ihnen – auf zwei Ebenen stattfindet. Die eine Ebene möchte ich als den Diskurs über die „Inhalte“ bezeichnen – also das Gespräch über die Glaubensinhalte des Christentums oder des Islams oder des Hinduismus oder des Atheismus. Die zweite Ebene, die dort beginnt, wo wir uns über die grundsätzlichen Unterschiede in den „Inhalten“ klar geworden sind, kann als Frage formuliert werden: Wie sollen wir nun also zusammen leben? Und diese zweite Frage kostet uns die meiste Zeit und Energie. Beide Ebenen zu verwechseln ist gefährlich und führt häufig zu einem Dialog der Taubstummen.

Der Ansatz, den die Kirche von England in den vergangenen zehn Jahren im Umgang mit diesen Fragen verfolgt hat, kommt in einer Formulierung zum Ausdruck, die der Bischof von Woolwich, Dr. Michael Ipgrave, geprägt hat: „Presence and Engagement – was man ungefähr übersetzen kann mit: Präsenz zeigen und sich engagieren“. Diese drei Worte – Presence and Engagement – bringen auf den Punkt, wie die Kirche von England ihre Aufgabe versteht, abgeleitet aus unserem Verständnis dessen, was Gott in Jesus Christus tut. So, wie ‚das Wort Fleisch wurde und unter uns wohnte‘ in Christus, so finden wir uns in unseren Gemeinden wieder, dort wo sie sind und wie sie sind. Wir sind in der einen oder anderen Form präsent, und halten den christlichen Gottesdienst am Leben an Orten, von denen andere Konfessionen schon längst fortgezogen sind. Wir zeigen Präsenz, aber nicht als heiliger Rest, der sich hinter heruntergezogenen Rolläden und verschlossenen Türen verbarrikadiert. Wir engagieren uns im Gesellschaftsleben unserer Gemeinde und bezeugen Christus mitten unter den Nachbarn, die nach dem Bilde Gottes geschaffen sind, damit wir sie lieben.

In Manningham zum Beispiel bedeutet das, dass der Pastor mit der örtlichen Grundschule zusammen arbeitet, und dass er das Kirchengebäude und die Gemeindegrundstücke – als öffentliche Räume – den Menschen zugänglich macht und anbietet als Instrument für die Entwicklung, Ausbildung und Fürsorge kleiner Kinder und ihrer Eltern, um die wir uns sorgen und die wir nicht in einem isolierten Ghetto leben lassen wollen. Es bedeutet, dass der Pastor etwas schafft, das er „sichere Räume“ (safe spaces) für alle nennt, indem er ruhige Sicherheit bietet für Frauen, die einfach irgendwo für eine kurze Weile Stille erleben wollen, und für Männer, die der Grausamkeit der Obdachlosigkeit und der Lieblosigkeit entkommen wollen. Er ist entschlossen – so wie er es der Meissen Kommission letzten Monat gesagt hat – es einfach zu halten, auch wenn einfach nicht gleichbedeutend mit leicht ist.

Eine junge Muslimin fragte ihn eines Tages, warum er und seine kleine Gemeinde sich so einsetzen für die Menschen, die nicht zu ihrer Kirche und nicht mal zu ihrer Glaubensgemeinschaft gehören („Ihr habt nichts davon, im Gegenteil, ihr zahlt noch drauf.“). Er antwortete (mit den Worten, die Ruth zu ihrer Schwiegermutter Naomi sagte): „Wo du hingehst, will ich auch hingehen und wo du wohnst, will ich auch wohnen.“ Die junge Frau war verwundert, dass die Christen an einem Ort bleiben, der von Muslimen dominiert wird; sie dankte ihm und der Kirche dafür, dass sie da sind.

Im Jahr 1960 gab es 22.000 Pastoren in ungefähr 21.000 Gemeinden in England. Heute, nach allerlei Reorganisation, gibt es noch ungefähr 8.000 Pastorinnen und Pastoren in 16.000 Gemeinden. In den 50er Jahren war England fast ausschließlich von weißen Angelsachsen geprägt (auch wenn das manchen Kelten irritieren mag…); heute ist es eine vielfältige Mischung aus vielen Rassen und Ethnien. In meiner früheren Diözese in Südlondon habe ich Grundschulen mit 320 Kindern zwischen 5 und 11 Jahren besucht, die 46 verschiedene Muttersprachen sprachen. Die Einwanderung in England wurzelt nicht in der Wirtschaft, wie in Deutschland – die Gastarbeiter aus der Türkei – sondern im Kolonialismus, dem Britischen Empire und der Sklaverei. Deshalb ist unsere Kultur nicht nur durch diese besondere Geschichte geprägt, sondern auch durch unsere moralische und emotionale Reaktion auf diese Geschichte: Schuld, Scham, Abneigung und Angst.

Manche Engländer reagieren auf diese Herausforderung mit dem Wunsch, die Welt wäre einfacher – so, wie sie sich die Vergangenheit vorstellen. In Wahrheit war die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts nicht gerade ein güldenes Zeitalter, außer vielleicht wenn man denkt, zwei Weltkriege zu überstehen sei ein Kinderspiel. Es gibt Leute, die diese eingebildete Unkompliziertheit in eingängige Slogans verpacken und nach einfachen Lösungen für die Komplexität ihres Lebens und ihrer Gesellschaft suchen – meistens beinhaltet das, dass sie betrunken durch Städte wie Bradford marschieren und den Muslimen sagen, sie sollten „nach Hause gehen“… was nicht ganz einfach ist, wenn England doch seit vier Generationen ihr Zuhause ist.

In diesem Vortrag soll es nicht um Immigration oder Multikulturalismus in England gehen. Aber wenn man durch die Brille einer anderen Kultur und Gesellschaft blickt, kann das ein neues Licht auf die Herausforderungen der Kirche hier in Deutschland werfen. Welche Art von Kirche seid ihr? Welche Art von Kirche müsst ihr werden? Wie werdet ihr die Veränderung im Selbstverständnis bewerkstelligen, wenn ihr wisst, dass jede Art der Veränderung starken Widerstand hervorruft? Und für wen ist die Kirche überhaupt da? Wie sollt ihr mit denjenigen umgehen, die so reagieren wie die alten Israeliten, als sie nach vier Jahrhunderten Unterdrückung und Sklaverei aus Ägypten befreit wurden und sich dann in einer Wüste wiederfanden, wo sie nur noch über den Speiseplan meckerten, Ägypten idealisierten, die Geschichte umschrieben und ihre eigene Geschichte vergaßen?

Diese Nostalgie-Party ist natürlich Unsinn; es ist eine Form dessen, was ich „Ablenkungstherapie“ nenne – indem sie eine Phantasiewelt der Vergangenheit erschafft, die wir einfach wiederherstellen wollen, nimmt sie uns das Verantwortungsbewusstsein für die Gestaltung der Zukunft.

In seinen Briefen „Über die ästhetische Erziehung des Menschen“ schrieb Friedrich Schiller (sehr hilfreich): „Lebe mit deinem Jahrhundert, aber sei nicht sein Geschöpf.“ Hier ist die Erkenntnis, dass Veränderung im Leben so sicher ist wie das Amen in der Kirche. Und während sich alles verändert, können wir nicht zurückgehen oder das zurückgewinnen, was einmal war – egal wie sehr wir es romantisieren und niedlich machen. Die grundlegende Tatsache des Lebens in einer materiellen Welt ist, dass nichts jemals still steht; oder, wie Bob Dylan es formuliert: „The times they are a-changin‘“. Leben ist immer Wandel. Und wir haben die Wahl, wie wir in diesem Wandel und durch ihn hindurch leben wollen – auch wenn die Tatsache des Wandels selbst nicht zur Wahl steht. Schillers Punkt ist, dass wir Verantwortung dafür übernehmen müssen, die Zukunft zu gestalten und sie nicht einfach als unabänderlich anzusehen.

Die christliche Kirche geht das in besonderer Weise an. Wenn es stimmt, dass wir von einer Tradition bestimmt sind – einer Erzählung – die uns als Nomaden, als reisendes Volk beschreibt, das von Gott gerufen ist, mit Abraham und Sarah, Moses und all den anderen durch Wüsten und fruchtbare Stätten zu ziehen und mit Jesus an Seeufern entlang zu laufen, dann müssen wir unser Selbstvertrauen in diese Erzählung wiedergewinnen und entsprechend leben in den Gemeinschaften, in denen wir uns wiederfinden. Solch eine Kirche ist aufgefordert, Gottes Ruf über die eigene Bequemlichkeit zu stellen, seine Einladung über den eigenen Versuch, Erfüllung zu finden. Und diese Gemeinschaft muss in jeder Generation aufs Neue fragen: „Wer sind wir? Für wen sind wir da?“

Diejenigen, die beanspruchen, Gottes Volk zu sein, haben eine Verantwortung dafür, diese Geschichte im täglichen Leben, in der Erinnerung und in der Praxis der Kirche lebendig zu halten – eine Kirche, die für das Wohl der weiteren Gesellschaft und der Welt existiert. Deswegen haben die Leiter der Kirche eine besondere Verantwortung – eine Berufung sogar – zunächst diese Erzählung zu verstehen und zu verinnerlichen, zweitens diese Erzählung in ansprechender Weise nachzuerzählen, drittens, örtliche Gemeinden von Menschen zu formen, die gemeinsam erforschen, wie es aussehen könnte, dieser Erzählung gemäß zu leben und viertens, dies alles der weiteren Welt zu erläutern.

Und das bringt mich zum zentralen Thema dieses Vortrags: Wenn die Aufgabe der Pastorinnen und Pastoren heute darin besteht, die Kirche in und für eine sich verändernde Welt zu formen, welche Art von Pastorinnen und Pastoren brauchen wir dann? Vielleicht können wir das umformulieren und fragen: Welche Art von Pastoren brauchen wir heute, um die Kirche und die Pastoren von morgen zu formen?

Vielleicht hilft es uns, zunächst einen Blick auf einige Phänomene zu werfen, die derzeit die Kirche in ihrem Dienst und ihrer Aufgabe herausfordern. Den früheren Beobachtungen über die multikulturelle Gesellschaft möchte ich einen Blick auf das Ende des Christentums und den Aufstieg des Säkularismus, das zunehmende religiöse Analphabetentum und den Einfluss der Medien und des Internets anschließen.

In England unterliegen wir nicht dem Irrtum, das Christentum sei tot. Es sind diejenigen Formen des Christentums und der Kirche, die im Britischen Empire entstanden und im 19. Jahrhundert exportiert wurden, die im 20. Jahrhundert anfingen dahinzusiechen, als Europa von Kriegen und Gewalt erschüttert wurde und Fragen laut wurden über Gott, die Geschichte und die Rolle (Bedeutung? )der Menschheit. Die bisherigen Überzeugungen über den Platz und die Rolle der Kirche in der Gesellschaft wurden in diesem Jahrhundert erschüttert, und zu Beginn des 21. Jahrhunderts sind Religion allgemein und das Christentum im besonderen leichte Beute für herablassende Ablehnung sowohl in der akademischen wie der populären Kultur.

Heutzutage müssen wir einfallsreich, selbstbewusst und fantasievoll sein, wenn wir den Ort und die Bedeutung des christlichen Glaubens für das persönliche und das öffentliche Leben beschreiben und dafür streiten wollen. Wir müssen Wege finden, das Evangelium von Jesus Christus so zu beschreiben – und als Zeugen dieses Evangeliums zu leben – die Menschen zur Kirche ziehen. Und wir müssen junge Christen ausbilden, die bislang keine Ahnung haben von der Bibel oder irgendeiner christlichen Geschichte. Mit anderen Worten: Die Kirche muss sich ihren Platz in der Gesellschaft verdienen und sie muss im öffentlichen Raum selbstbewusst agieren; die Kirche kann nicht davon ausgehen, einfach einen Platz in der Nation oder eine Stimme im öffentlichen Raum zu besitzen.

Diese Einsicht ist besonders wichtig in einer Zeit, in der der Säkularismus stärker wird – insbesondere in der Gestalt der aggressiven neuen Atheisten. Terry Eagleton (prominente britische Professor of Cultural Theory and English Literature) wirft den neuen Atheisten vor, einen billigen Atheismus zu betreiben – ohne die intellektuelle Anstrengung des Nachdenkens und Debattierens selbst zu leisten, sondern stattdessen auf dem Rücken anderer Leute wie (Professor) Richard Dawkins zu reiten, der, statt über einen Fall zu diskutieren, einfach eingängige Feststellungen trifft.

Ich habe bereits kurz eine Verwechslung angedeutet, die die Diskussion dieses Themas in England stark beeinflusst: Säkularismus und Atheismus sind nicht dasselbe. Im Deutschen wird das deutlicher, weil man unterscheiden kann zwischen Säkularismus als Ideologie und Säkularisierung als Beschreibung einer Gesellschaftsform. Es ist möglich, religiös zu sein und trotzdem die Säkularisierung zu befürworten. Säkularisierung bedeutet nur, jede Privilegierung der Religion im öffentlichen Raum zu beenden – auch wenn es mitunter so wirkt als ginge es zuletzt darum, die Religion insgesamt aus dem öffentlichen Raum zu entfernen.

In England hat der Aufstieg des Säkularismus, begleitet von der modischen und oft vereinfachenden Missionierung durch die neuen Atheisten, eine Atmosphäre sowohl von Skepsis (die meiner Meinung nach ganz gesund ist) und Zynismus (der ungesund ist) geschaffen. Man könnte einiges sagen über die Art und Weise, wie diese Debatten in den Medien geführt werden, aber für meine Zwecke hier genügt es zu sagen, dass es zumindest einen sehr hilfreichen Effekt auf die Kirche hat: Christen müssen stärker nachdenken, sie müssen ihren Glauben kennen und ihn leben, sie müssen sich bewusst für ein Leben in der Kirche entscheiden (und nicht einfach hineingeboren werden) und müssen selbstbewusster sein als Christen in der großen weiten Welt. Religiöser Glauben darf sich genauso wenig in die geschützte Privatsphäre zurückziehen, wie die Säkularisten allein Anspruch auf den öffentlichen Raum erheben dürfen.

Dies ist der kulturelle Hintergrund, vor dem alles andere in England stattfindet. Eine Wissenschaftlerin, mit der ich neulich sprach, beklagte sich bitterlich über die Unwissenheit von Schülern und Studenten im Blick auf Religion allgemein und das Christentum im Besonderen. Wie soll man englische Geschichte, Kunst, Literatur, Poesie oder Musik verstehen, ohne ein paar grundlegende Geschichten der Bibel und ihre Sprache zu kennen? Es ist ein bisschen so, als wollte man die deutsche Politik und Geschichte verstehen, während man die Reformation oder die Rolle des Christentums in Europa ignoriert.

In England bezeichnen wir das als ‚religiöses Analphabetentum‘ und es ist vor allem in Bezug auf die Medien von Bedeutung. Die BBC hat inzwischen eine interne Fortbildung, mit der sie den Versuch macht, Journalisten und Moderatoren im Blick auf die Rolle der Religion in der Welt weiterzubilden. Es ist einfach unmöglich, den Irak, Afghanistan, Syrien, den 11. September, die Vereinigten Staaten von Amerika – um nur ein paar zu nennen – ohne differentierte Kenntnis der Religion zu verstehen. In meiner Rolle als ‚Medienbischof‘ der Kirche von England habe ich oft dafür geworben, dass die BBC einen Chefredakteur für Religion braucht, so wie sie einen für Wirtschaft, für Sport, für Politik oder für Kunst hat. Die Aufgabe eines solchen leitenden Redakteurs wäre es nicht, für Religion zu werben oder in irgendeiner Weise zu missionieren. Er sollte vielmehr die Ereignisse und Entscheidungen erläutern im Lichte der Faktoren, die sie beeinflussen. Um beispielsweise die Vorgänge in Syrien zu verstehen ist es unerlässlich, die Rolle der Sunniten und Shiiten zu erklären und wie diese beiden Lager die politischen und militärischen Kräfte in dem Konflikt beeinflussen und selbst von ihnen beeinflusst werden. Dazu muss man kein Muslim sein; aber man muss verstehen, dass es notwendig ist… wenn es darum geht, die Öffentlichkeit zu informieren und ihr ein Verständnis dafür zu vermitteln, was in der Welt vor sich geht und warum.

Wenn wir davon ausgehen, dass die Medien im Allgemeinen eine entscheidende Rolle bei der Vermittlung von Information, von Verständnis und Interpretation spielen, dann verändert der Siegeszug der sozialen Medien wie Twitter oder Facebook auf signifikante Weise die Art, wie Information erlangt und daraufhin interpretiert und verstanden wird. Wenn die traditionellen Medien wie Zeitungen zum Beispiel es nicht schaffen, fundierte Geschäftsmodelle für die digitale Welt zu entwickeln, dann besteht die große Gefahr, dass es immer schwieriger wird, gut ausgebildete und informierte Journalisten zu finden, die in der Lage sind, die Art von Interpretation in den Medien zu leisten, von der ich hier spreche. Wir laufen Gefahr, nur noch durch schnelle Fertighäppchen an Neuigkeiten informiert zu werden, die schnelle Fertiginterpretationen verlangen. Aber unreflektiertes Urteilen ist für keine Gesellschaft gesund.

Worauf ich hinaus will ist dies: Die Kirche muss ihre Aufgabe im Kontext dieser Herausforderungen erfüllen. England hat sich im letzten Jahrhundert enorm verändert – seit dem Tod von Prinzessin Diana sind wir alle hoffnungslos sentimental und zartbesaitet – die unerschütterliche britische Haltung ist verschwunden. Die Kirche von England kann ihren Platz in der Mitte der Gesellschaft nicht länger als gegeben voraussetzen; wir müssen ihn argumentativ begründen und unseren Wert für das Allgemeinwohl beweisen, indem wir im öffentlichen Raum präsent sind und uns um den Aufbau einer guten Gesellschaft bemühen. Dazu bedarf es intellektueller Präzision, kultureller Klugheit und ein theologisches Denken, das unsere Prioritäten und unsere Taten sowohl auf lokaler als auch nationaler Ebene prägt. Die Kirche des Jahres 2013 kann nicht länger die Kirche des 20. Jahrhunderts sein, denn die Welt, zu deren Dienst die Kirche berufen ist, hat sich signifikant verändert.

Man muss feststellen: Vielen Menschen ist das unangenehm. Das Leben ist kompliziert genug, auch ohne, dass nun auch noch die Kirche sich verändern soll. Deshalb ist die Rolle des Pastors heute auch um einiges komplizierter – und in mancher Hinsicht schwieriger – als in der Vergangenheit. Ich weiß: Ich verallgemeinere dabei – ein Pastor in Jena während des Zweiten Weltkrieges oder während der Jahre des Staatsatheismus in der DDR zu sein war kein Spaziergang – aber das Tempo der heutigen Veränderung ist verwirrend. Junge Menschen leben heute durch und mit und in den Sozialen Medien. Die Sprache verändert sich rasant, gemeinsam mit den digitalen und anderen Kanälen der Kommunikation, und dies wiederum verändert die Art und Weise, wie wir Beziehungen zu anderen Menschen unterhalten. Die Technologie schafft beachtliche soziale Vorteile, gibt aber auch Anlass zu ethischen Fragen, die sich bislang gar nicht gestellt haben – zum Beispiel bei der Stammzellforschung oder bei Massenvernichtungswaffen. Wir erkennen inzwischen, dass unsere Beziehung zur Erde komplexer ist als nur die Ausbeutung zum Wohl des ‚Königs Menschheit‘.

Meiner Meinung nach bedeutet das, dass die Kirche Pastoren und Pastorinnen braucht, die mit Veränderungen umgehen können, die die Gelegenheiten nutzen, die sich durch rasant ändernde Umstände ergeben und die sich flexibel anpassen, ohne sich von der gerade aktuellen, vermeintlich guten Idee umpusten zu lassen. Tatsächlich können wir die Art von Pastor, die die Kirche braucht, wie folgt beschreiben:

1. Die Kirche braucht Pastoren, die Gott, die Menschen und die Erde lieben, und die sich eine theologische Anthropologie erarbeitet haben – das heißt: sie wissen, warum die Menschen zählen.

2. Wir haben über die Notwendigkeit gesprochen, ‚präsent und engagiert zu sein‘ – an einem bestimmten Ort sichtbar zu sein, dort zu leben und die Dinge wahrzunehmen und sich durchaus auch die Hände im öffentlichen Leben schmutzig zu machen und dadurch als Kirche über das Kirchengebäude hinaus in die örtliche Gemeinde hinein zu gehen, mit Evangelisierung und Dienst. Darum geht es bei der Inkarnation – und das ist es, wozu die Kirche als Leib Christi berufen ist: Theologie lebendig werden zu lassen in Fleisch und Blut und Wort und Tat. Pastoren müssen sich die Hände schmutzig machen.

3. In einem Zeitalter der schnellen und komplexen Kommunikationsmedien müssen Pastoren selbstbewusst und fähig sein, zu den Menschen in ihren jeweiligen Lebensumständen in Beziehung zu treten und die Gute Nachricht von Jesus Christus in der Sprache zu verkünden, die die Menschen tatsächlich verstehen. Ich bin oft auf den Sendern der BBC zu hören. Wenn ich eine Dokumentation auf Radio Four (das ist in etwa so wie MDR Figaro), dann verwende ich eine Sprache und kulturelle Verweise für clevere Leute. Wenn ich auf Radio Two bin (das ist ungefähr wie MDR Jump), dann spreche ich ganz bewusst die Sprache der Popkultur. Pastoren müssen die Herausforderung lieben, mehrsprachige Übersetzer und Interpretatoren zu sein, damit Menschen sie hören und verstehen können.

4. In England wird der Kirche oft vorgeworfen, dass sie Menschen ‚anpredigt‘, dass wir also herablassend zu den Menschen sprechen und ihnen sagen, wie sie zu leben hätten. Man könnte sagen, dass die Kirche heute eher ein Gespräch führen muss als theologisch korrekte Monologe zu halten. Diese Auffassung muss die Art zu predigen innerhalb der Liturgie ebenso beeinflussen wie die Gespräche und Debatten außerhalb der Kirche im öffentlichen Raum. Gleichzeitig müssen die Pastoren ihr Selbstvertrauen beim Predigen zurückgewinnen – sie müssen die Bibel so verkünden und erklären, dass es die Neugier des Zuhörers weckt und die Vorstellungskraft derer anregt, die sich mit uns beschäftigen.

5. Pastoren sind Leiter und Diener, die berufen sind, Glaubensgemeinschaften an bestimmten Orten aufzubauen und zu formen – manchmal sogar erst zu gründen. Und obwohl die Kirche auch Pastoren mit besonders seelsorgerlichen Fähigkeiten braucht, braucht sie auch Pastoren, die einer Gemeinde genug Vertrauen einflößen können, dass sie sich der Welt öffnen kann. In einer landesweit ausgestrahlten Live-Sendung im Radio wurde ich einmal gefragt, wozu die Kirche eigentlich da ist. Ich hatte keine Zeit, mir eine Predigt auszudenken, also habe ich einfach gesagt: „Die Aufgabe der Kirche ist es, einen Raum zu schaffen, in dem die Menschen herausfinden können, dass Gott sie schon gefunden hat.“ Ich glaube, so kann man es sagen. Wir brauchen Pastoren, die die Vision und die Fähigkeiten haben, eine Gemeinde zu formen, die in etwa dem Jesus ähnelt, von dem wir in den Evangelien lesen.

6. Aber die vielleicht wichtigste Eigenschaft eines Pastoren für heute und für morgen ist es, ein Prophet zu sein. Ich weiß, das klingt merkwürdig. Aber ein Prophet ist nicht jemand, der einem sagt, was in der Zukunft passieren wird; ein Prophet ist vielmehr jemand, der die Wahrheit hinter den Ereignissen sieht und die Hoffnung auf eine bislang nicht erkennbare Zukunft wachhält. Ein Prophet ist jemand, der – in den Worten des amerikanischen Alttestamentlers Walter Brueggemann – nach dem Verlust von Neuanfang spricht. Oder, wie es im Buch ‚Glaubensrepublik Deutschland‘ von Claudia Keller und Matthias Drobinski heißt, jemand, der von einer Hoffnung ergriffen ist, von der „Gabe, in den Misstönen der Gegenwart die Musik des Künftigen zu hören“.

Mit anderen Worten: Die Kirche braucht Pastoren, die sich bemühen, eine Sprache und Bilder und Musik und Aktivitäten zu finden, die die Melodie von Gottes Zukunft inmitten einer komplexen Gegenwart erklingen lässt – in der Nachfolge des Jesus‘ der Evangelien, der Partys feiern und den Menschen ein neues und unerwartetes Leben geben konnte. Die Kirche braucht Pastoren, die in der Dunkelheit eines Verlustes ein Licht aufleuchten lassen können, die mit den Leidenden leben, die sich freuen mit denen, die feiern, die diejenigen herausfordern, die sich bequem eingerichtet haben und die die Verzagten ermutigen. Sie braucht Pastoren, die angetrieben werden von der Überzeugung und der Erfahrung von Gottes Großzügigkeit, und die durch Pflege und Beispiel eine Gemeinschaft von Menschen aufbauen, die es wagen, großzügig zu denen zu sein, die es normalerweise nicht verdient haben.

Grundlegend dafür ist die Ansicht, dass die Kirche nicht um der Kirche willen da ist. Die Kirche ist zum Wohl der Welt da, in der wir leben. Unser Gottesdienst ist kein Zweck, sondern ein Mittel – er sendet uns hinaus in die Welt, um zu lieben und zu arbeiten und uns ganz zu geben, damit andere ein Leben sehen und finden können, das verwurzelt ist in der atemberaubenden Entdeckung, dass Gott sie schon vor ihrer Geburt geliebt hat und sie bis zum Tod und darüber hinaus lieben wird. Es geht um die Art von lebensverändernder Umkehr, die uns nicht aus der realen Welt herausnimmt, sondern uns mitten in sie hineintauchen lässt.

Drobinski und Keller haben eine sehr interessante Untersuchung über Religion in Deutschland geschrieben, die ich mit großem Interesse gelesen habe: „Glaubensrepublik Deutschland“. Tatsächlich hätte ich heute Nachmittag einfach lange Passagen daraus vorlesen können – zumindest könnte ich dann garantieren, dass das Deutsch richtig gewesen wäre. Die beiden Autoren beobachten, inwieweit Deutschland sich verändert und wie sich die Glaubensäußerungen ebenfalls verändern. Sie beschreiben Menschen und Begegnungen, die diese Veränderungen illustrieren. Und sie führen uns zur Erkenntnis, dass, wenn die Kirche bestehen und wachsen will, sie ihr Selbstvertrauen zurückgewinnen und ihre Angst vor Veränderung verlieren muss. Um Menschen davon abzuhalten, die Kirche zu verlassen (also ihre Mitgliedschaft aufzugeben und ihre Kirchensteuer nicht mehr zu bezahlen), müssen nicht die ‚Gottesdienste besser gemacht werden‘. Stattdessen muss die Vorstellungskraft der Menschen so angeregt werden, dass sie fasziniert davon sind, Jesus in der Gemeinschaft anderer Menschen nachzufolgen – selbst wenn es nur aus Neugier passiert, um zu sehen, wohin er und sie gehen.

Es ist nicht an mir, der Kirche in Deutschland oder den Zuhörern an einer Universität zu sagen, was die Kirche hier braucht. Aber angesichts der Tatsache, dass diese Überlegungen zum Kerngeschäft eines anglikanischen Bischofs in England gehören, mögen sie weitere Gedanken anregen, ob wir Pastorinnen und Pastoren für eine Kirche der Vergangenheit oder der Zukunft produzieren. In Bradford brauche ich Pastorinnen und Pastoren, die hartnäckig die verschiedensten Menschen lieben können, die sich im Dialog und in der Verkündigung engagieren, die die verschiedenen ‚Sprachen‘ und Slangs der Menschen in ihrer Gemeinde lernen, die eine selbstbewusste und feiernde christliche Präsenz aufbauen, die sich unbeschwert zwischen den verschiedensten Menschen und Gemeinschaften hin und her bewegen, und die den christlichen Glauben weiterempfehlen mit einer selbstbewussten Demut, die niemanden bedroht.

Ich schließe mit den Worten von Friedrich Schiller, aus seiner ersten Vorlesung als Professor für Geschichte hier an der Universität in Jena: „Die Weltgeschichte ist das Weltgericht.“ Das gleiche könnte über die Kirche gesagt werden und darüber, ob wir wirklich glauben, dass wir für die Welt da sind… oder für die religiöse Unterhaltung derer, die die Herausforderung der Evangelien mit einem bequemen Lebenstil verwechseln. Die Wahrheit unseres Selbstverständnisses wird am Gerichtshof der Geschichte geprüft werden.

Oh well, it’s done. I preached this morning to 130,000 people in the sunshine at the Stadtpark in Hamburg. The Closing Service is always impressive – 5,500 scouts, 4,000 in the brass band, bread and wine distributed in less than twenty minutes – but to be part of it was both a once-in-a-lifetime privilege and a complete eye-opener.

I had to edit out a third of the original text. I owe everything to excellent and kind German friends such as Silke & Christoph Römhild, Joachim Lenz and Corinna Dahlgrün, who make sure I don’t sound stupid – or, at least, if I do, it has nothing to do with the language.

Here is the text:

34. Deutscher Evangelischer Kirchentag Hamburg 2013 : Schlussgottesdienst

Soviel du brauchst (Micha 4.4-5)

Alle Menschen aus Israel und den Völkern werden unter ihrem eigenen Weinstock und unter ihrem Feigenbaum sitzen – niemand wird mehr Terror verbreiten. Denn das Wort ADONAJS, mächtig über Himmelsheere, wirkt. Ja, alle Völker handeln im Namen ihrer Gottheiten, wir handeln im Namen ADONAJS, unseres Gottes, jetzt schon – und in der Zukunft.

Ich habe zwei Enkelkinder, die noch ganz klein sind. Der ältere von ihnen heißt Ben, er wird bald drei Jahre alt. Er wächst in Liverpool auf, wo der Dialekt – ähm… einzigartig ist. Ben hat ein besonderes Sprachvermögen für Sprichwörter, er lernt sie schnell, aber er benutzt sie nicht immer richtig. Ich bin sehr gespannt, was er aus dem Sprichwort „Deine Augen sind größer als dein Magen“ machen wird. So wie viele Kinder seines Alters kann er essen wie ein Scheunendrescher – und manchmal nimmt er mehr als er braucht, mehr als er überhaupt essen kann, mehr als genug. Aber das wird er noch lernen, während er größer wird.

Das wird er doch, oder?

Wie viel ist “genug”? Wie viel – und wovon – brauche ich, um zufrieden zu sein? Und ist „zufrieden sein“ das gleiche wie „glücklich sein“?

Der Prophet Micha dachte über diese Dinge nach, lange bevor es iPhones, Designerjacken und Sportwagen gab. Banken- und Währungskrise lagen noch weit in der Zukunft und doch: Michas Gesellschaft rang mit den schwierigen Fragen, wie man leben und lieben sollte mit Menschen, die einfach nicht so waren, wie man sie gern hätte. Michas Welt und seine Fragen kommen uns bekannt vor, oder? Er schrieb im Kontext einer wirtschaftlichen Revolution. Materieller Wohlstand führte zu seiner Zeit zu einem individualistischen Materialismus. Religion wurde als ein Mittel angesehen, die Wünsche und Sehnsüchte der Menschen zu erfüllen – was man auch Selbstverwirklichung nennen könnte. Das wiederum hatte zu einer Krise der ethischen und sozialen Werte geführt, wobei, wie in solchen Fällen üblich, die Ärmsten am meisten leiden mussten. Die Religion war gezähmt, sie hatte ihre Schärfe verloren – die Schärfe, die daraus resultiert, dass man eine andere Welt für möglich hält.

Was Micha zu sagen hat, war also nicht nur für Israel von Bedeutung, sondern es spricht heute zu uns. Denn was er anspricht, sind nicht nur ganz spezielle soziale oder wirtschaftliche Verhältnisse, sondern das Herz und der Verstand des Menschen – und beides scheint sich, ungeachtet all unseres technologischen Fortschrittes, nicht so besonders zu verändern von einer Generation zur nächsten. Es sieht so aus, als wollten wir heute immer noch glücklich und erfüllt und zufrieden sein. Allerdings erkennen wir dabei (immer noch) nicht, dass es solches Glück, solche Erfüllung und Zufriedenheit nicht für Einzelne – oder einzelne Gemeinschaften – geben kann, ohne Rücksicht auf das Glück, die Erfüllung und Zufriedenheit dessen, den die Bibel meinen „Nächsten“ nennt.

Man könnte hinzufügen, dass dies auch für unsere politische Besessenheit mit Sicherheitsfragen gilt. Ich werde niemals sicher sein, wenn meine Sicherheit die Sicherheit meines Nächsten verneint. Ich kann nicht über Sicherheit nachdenken, ohne die Bedürfnisse meiner Nachbarn in Betracht zu ziehen. Und deswegen steht ein großes Fragezeichen über den Sicherheitsanlagen und Mauern dieser Welt, sei es die niedergerissene Mauer in Berlin, seien es die, die im Heiligen Land errichtet werden.

Aber Micha geht es weniger um die Errichtung eines politischen Programmes als vielmehr um eine Vision. Die Menschen seiner Zeit hatten ihren Weg verlassen, sie hatten sich verlaufen und ihre Geschichte vergessen – ihre Geschichte als Kinder Gottes, der das Universum geschaffen hat und alles, was darin ist, einschließlich der Armen, der Ausländer und derjenigen, die „anders“ sind. Micha rief sie auf, nicht nur eine Vision „da draußen“ zu ergreifen, sondern sich ergreifen zu lassen von einer Vision, die sie verändert und die Weise, wie sie Gott, die Welt und sich selbst sehen.

Es ist, als ob Micha zu seinem ängstlichen Volk sagt: „Die alte Art und Weise zu sehen und zu sein hat nicht funktioniert, oder? Fühlt ihr euch jetzt sicherer – oder glücklicher? Wagt es doch euch einzugestehen, dass eure Sichtweise müde und matt ist, und dass alles worauf ihr gehofft und wofür ihr gearbeitet habt, um euch herum in Schutt und Asche liegt wie die Ruinen einer einstmals glorreichen Stadt. Wie Damaskus oder Bagdad oder Aleppo…“

Eine beliebte Comedy-Serie im Norddeutschen Rundfunk spielt in einem Schlemmerbistro. Ein geflügelter Satz von Bistrobesitzerin Stefanie lautet „Es is‘ ja wie es is‘….“ So ist die Welt eben. Aber die Bibel untergräbt unser Verständnis der Wirklichkeit. Sie fordert uns heraus, Gott, die Welt und uns anders anzusehen. Die Welt muss nicht so sein, wie sie jetzt ist!

Eines Tages rollte der berühmte Künstler Michelangelo einen riesigen Felsbrocken einen Abhang hinunter. Er musste seine ganze Kraft aufbieten, um den Stein in die richtige Richtung zu manövrieren. Jemand sah ihn dabei, blieb stehen und fragte, was er da tun würde, schließlich sei es doch bloß ein riesiger Stein. Michelangelo erwiderte, dass er es eilig hätte, denn in dem Stein würde sich ein Engel befinden, der nur darauf warte, dass Michelangelo ihn heraushole.

Michelangelo konnte sehen, was normale Menschen sich überhaupt nicht vorstellen konnten. Und diese kurze Geschichte illustriert die herausfordernde Berufung der Menschen, die durch Gottes Augen hinausschauen möchten. Sehen wir nur das, was uns vor Augen steht, oder schauen wir die Welt um uns herum anders an?

Micha lädt uns ein, anders zu denken, Gott und die Welt anders zu sehen und uns anfeuern zu lassen von einer Vision einer anderen Welt. Eine Welt, in der wir uns genügen lassen mit dem, was wir haben und in der unsere Nächsten zufrieden sein können, ohne dass wir Angst haben müssen. Die Bilder, die er in Kapitel 4, Verse 4 bis 5 entwirft, sind wohlüberlegt: Es wird keinen Terror und keine Angst geben, weil ihr mit eurem eigenen Baum zufrieden sein werdet und den Baum deines Nächsten nicht erobern müsst, weil ihr ihn nicht braucht. Schließlich kann man immer nur unter einem Baum gleichzeitig sitzen, oder?

Micha malt ein Bild davon, wie und was die Welt werden könnte – ein Bild, das weit über bloße Argumentation hinausgeht, und sich als ein Bild der Hoffnung und der Verheißung in der Phantasie einnistet. Es ist, als ob er leise eine Melodie spielt, die sich im Geist eines verlorenen Volkes langsam zu einem Ohrwurm der Hoffnung und Sehnsucht entwickelt.

Diese Vision strahlt Frieden aus; das Lied klingt nach einer Liebe und Freizügigkeit, die die Angst verdrängt oder ersetzt. Der Gott Israels nimmt die Angst und schafft eine neue Welt voller neuer Möglichkeiten für das Aufblühen und das Gemeinwohl aller Völker.

Und diese Vision ruft das Volk Gottes zu seiner ursprünglichen Berufung zurück: so in der Welt zu leben, dass alle Menschen in diesem Volk das Gesicht Gottes erkennen können.

Micha fordert uns auch heute heraus, durch eine Vision inspiriert zu werden, die unsere Phantasie anregt, unser Gedächtnis verfolgt, und aus der wir nicht entkommen können. Michelangelo hatte die fertige Skulptur vor Augen; er musste einfach den Stein behauen, bis der Engel sich zeigen würde, der darin steckte. Er sah tiefer, er konnte das Mögliche deutlich erkennen, und so wandte er seine ganze Kraft und Energie darauf, um eine Schönheit zu erschaffen, die anderen zu diesem Zeitpunkt noch verborgen war.

Wir sind dazu berufen, wie Michelangelo zu schauen, Gottes Gesicht in der Welt zu erkennen, und der Welt diese Hoffnung zu enthüllen. Der kanadische Musiker Bruce Cockburn fasst die Forderung Michas zusammen, wenn er singt: “Du musst die Dunkelheit treten, bis sie Tageslicht blutet” (“You gotta kick at the darkness till it bleeds daylight”).

Soviel du brauchst. Nur soviel du brauchst. Vielleicht lernt auch mein Enkel irgendwann: Wenn er hat, so viel er braucht, dann hat er genug.

Here is the basic text of my final address to the Kirchehochzwei conference in Hannover which finished this afternoon. Nothing new or earth-shattering, but the joke worked…

Kirche hoch zwei, Hannover, 16 Februar 2013

Wir haben zwei oder drei Tage miteinander erlebt, vieles gehört und gesehen, und jetzt kommen wir zum Schluss. Wir haben darüber nachgedacht, was es eigentlich bedeutet, Kirche zu sein und Kirche zu tun. Vielleicht sind wir ermutigt; vielleicht sind wir enttäuscht. Und ich? Ich bin ermutigt und enttäuscht: ermutigt, weil es so viele guten neuen und alten Initiativen in den deutschen Kirchen gibt; enttäuscht, weil Liverpool am Donnerstag 2-0 gegen Zenit St Petersburg verloren hat. Gibt es wirklich ein Gott?

Also, lass mich dieses Sendungswort mit einer kurzen Geschichte anfangen.

Drei Männer wanderten in den Bergen. Sie kämpften sich ihren Weg durch die Bäume und versuchten, ihre Hütte vor dem Einbruch der Nacht zu erreichen. Plötzlich stießen sie auf einen reißenden Fluss. Das Wasser lief den Berg hinunter und die Männer hatten keine Ahnung, wie sie den Fluß überqueren sollten. Aber es gab keine Alternative – sie mussten unbedingt diesen Fluss überqueren, aber sie wussten nicht wie.

Der erste Mann betete: „Gott, gib mir bitte die Kraft, um diesen Fluss zu überqueren.“ Pouff! Plötzlich wurden seine Arme größer; seine Brust erweiterte sich und seine Beine wurden stärker. Dann warf er sich in den Fluss hinein und schwamm auf das gegenüberliegende Ufer. Er brauchte zwei Stunden. Ein paar Mal ist er untergegangen und wäre fast ertrunken. Aber, endlich, ist es ihm gelungen, das Ufer zu erreichen, und er schleppte sich total erschöpft an Land.

Der zweite Mann beobachtete den ersten Mann und er betete: „Gott, gib mir bitte die Kraft und die Mittel, um diesen Fluss zu überqueren.“ Pouff! Plötzlich wurden seine Arme größer; seine Brust erweiterte sich und seine Beine wurden stärker; und ein Kanu tauchte vor ihm auf. Er paddelte eine lange Stunde durch das Wasser und schließlich, total erschöpft und nachdem er zweimal gekentert war, schleppte er sich aus dem Wasser und auf das gegenüberliegende Ufer.

Der dritte Mann hatte die zwei Freunde beobachtet und er betete: „Gott, gib mir bitte die Kraft, die Mittel… und die Intelligenz, um diesen Fluss zu überqueren.“ Pouff! Plötzlich verwandelte ihn Gott in eine Frau! Er schaute in seine Handtasche, holte eine Karte heraus, ging hundert Meter das Ufer entlang, und überquerte die Brücke.

Heutzutage müssen wir neue Sicht- und Denkweisen im Blick auf die Kirche suchen, damit wir nicht die Realitäten, die Gelegenheiten und die Herausforderungen verpassen, vor denen wir stehen. Wie die Chinesen sagen: “Wir leben in einer interessanten Zeit.”

Aber die Herausforderungen und Gelegenheiten, vor denen wir als Kirche stehen, sind nicht neu. Vom Anfang an hat die Kirche lernen müssen, wie man Kirche kreativ schafft. Vom Anfang an hatten die Nachfolger Jesu die Verantwortung auf sich nehmen müssen, der Kirche Form zu geben und immer wieder frische Ausdrucksformen zu entwickeln. Diese Situation, in der wir heute sitzen, ist nicht neu. Und, wenn wir das Kirchenschiff durch die Stürmen steuern wollen, dann müssen wir bereit sein, die Fahrt zu genießen.

Gestern sagte Thomas Söding in einem Werkstatt: “Mithin ist es ein Privileg, mit im Boot zu sein, aber keine Garantie vor Stürmen und Schiffbruch, Angst und Schrecken.” Und die Wahrheit? In diesem Schiff sind wir miteinander zusammengebunden, ob wir einander mögen oder nicht. Und, während wir versuchen einander besser zu lieben, schläft Jesus seelenruhig unten im Boot. Seid ermutigt!

Wenn wir richtig und ernsthaft andere Christen lieben wollen, dann müssen wir auch die Kirche echt und ehrlich lieben – auch wenn uns eine solche Liebe wirklich Weh tut.

Von 1992 bis 2000 war ich Pastor in einem kleinen Dorf in der Mitte von England – Leicestershire. Die Fundamente des Kirchengebäudes sind angelsächsisch und es gibt neben der Kirche ein Kreuz, welches 1200 Jahre alt ist. Innerhalb des Kirchengebäudes steht ein Taufbecken, das normannisch ist – das heißt, tausend Jahre alt. Jeden Sonntag tranken wir aus einem Kelch, der aus der Zeit der ersten Königin Elisabeth stammt – das heißt 500 Jahre alt. Und in der Nähe der Nordtür stand an der Wand eine Tafel, auf der die Namen der Pfarrer von Rothley seit dem Jahre (ungefähr) 1060 geschrieben waren. Und das heißt 'Perspektiv'!

Wir sind immer noch da. Durch Kriege und Plagen, Reformation und Invasionen (mehrmals durch die Franzosen, die Dänen und die Deutschen!), wir sind da. Wir beten und singen und klagen und jammern und feiern und weinen und lachen und so weiter. Familien sind durch Tod und. Ehetrennung, Geburt und Arbeit, aufgebaut und zerstört – aber die christliche Gemeinde betet noch und versucht immer in die Welt durch die Augen Gottes hinauszuschauen.Die Welt ändert sich ständig, aber das Lied der Gnade und der Hoffnung kann nicht gestillt werden. Ich liebe auch die unfrische Kirche.

Aber die Welt hat sich geändert. Und meiner Meinung nach, wie ich schon an dieser Konferenz gesagt habe, ist es sinnlos und eine verpasste Chance, nur darüber zu klagen. Wenn die Kirche ihren Auftrag erfüllen will, muss sie die Sprachen der heutigen Welt erstens verstehen und zweitens sprechen können. Wir müssen uns daran erinnern, dass die biblische Geschichte uns zeigt, dass Gott sein Volk dazu beruft, sein Leib in der konkreten Welt von heute zu sein, und so zu leben, dass die Menschen, die mit der christlichen Gemeinde in Kontakt kommen, etwas von dem Christus erfahren, von dem wir in den Evangelien lesen.

Ich bin überzeugt, dass es Aufgabe der Kirche ist, einen Raum zu schaffen, in dem Menschen herausfinden können, dass Gott sie schon gefunden hat – auf Englisch klingt das: 'to create the space in which people can find that they have already been found by God'. Dazu müssen wir dort anfangen, wo die Menschen sind – und wir müssen eine Sprache sprechen, die die Menschen tatsächlich verstehen. Wir Christen müssen lernen, klar, einfach und mit Vorstellungskraft zu sprechen – Bilder mit Worten zu malen, damit Menschen neugierig auf Gott und die Welt werden. Und meines Erachtens ist das eine spannende Aufgabe, die wir genießen sollten.

Die Kirche steht vor einer großen Herausforderung: Wie können wir im alltäglichen Leben einer Kirchengemeinde den Raum schaffen, wo Menschen zu Christus kommen, als Christen wachsen, und als verantwortungsvolle Christen in und durch die Gemeinde leben können? Wenn so viele Menschen überhaupt keine Ahnung mehr vom christlichen Glauben haben,wie fangen wir eigentlich an, sie zu erreichen? Und welche Formen von Kirche oder Gottesdienst können wir schaffen, um solche Menschen in den Raum einzubringen, wo sie Gott und seine Kinder besser kennen lernen werden? Es ist von der Bibel klar, dass wir dort anfangen müssen, wo die Menschen sind – und nicht wo wir denken, dass sie sein sollten.

Es interessiert mich sehr, dass Jesus seine Freunde nicht in der Kirche zum ersten Mal traf, sondern dort, wo sie arbeiteten: auf dem Strand. Und gleich am Anfang des Evangeliums lädt sie Jesus ein, mit ihm spazieren zu gehen. Er sagte ihnen nicht, wo sie hingingen. Er sagte ihnen nicht, wer sonst mitkommen würde. Aber er machte klar, dass jeder Nachfolger etwas hinter sich verlassen müsste, um mit ihm zu gehen und gemeinsam etwas Neues zu entdecken.

Das heißt, die Nachfolger Jesu müssen immer neugierig sein und eine große und kreative Vorstellungskraft entwickeln.

Und so, gleich am Ende des Matthäusevangeliums sehen wir klar, dass sich die ersten Freunde von Jesus vor einer großen Herausforderung standen: nicht auf dem Berg zu bleiben, wo Jesus einmal war, sondern wieder den Berg hinunterzugehen, um durch eine veränderte Welt zu wandeln und auf sich eine neue Verantwortung aufzunehmen: zu entscheiden, was es bedeutet, als Leib Christi in der heutigen Welt zu leben.

Das heißt, die Kirche soll nichts anderes tun, als weiterhin der Leib Christi zu sein und das Evangelium weiterzusagen und damit zu erfüllen, was Jesus in Markus 1:14-15 schon getan hat, nämlich: die Menschen einzuladen, Gott zu sehen und Gott anders zu sehen – und sie dann eine Gemeinschaft von Menschen vorzustellen, die bereits gewagt haben, dies von sich aus zu tun, und die nun verpflichtet sind, es anderen zu ermöglichen, zu sehen, wie Gott ist und an wessen Seite man ihn finden kann. Anders gesagt: die Aufgabe der christlichen Kirche ist es, eine Gemeinschaft zu sein, in der sich die kreative Barmherzigkeit und Gnade, die versöhnende und heilende Liebe Gottes finden lässt. Und das sollten die Leute durch die Kirche erleben.

Ja, es gibt immer Beispiele von Christen, die in einer Weise reden und handeln, die Jesus' Prioritäten, wie wir sie in den Evangelien finden, nicht widerspiegelt. Man muss nicht allzu fest an der Oberfläche kratzen, um Unbeständigkeiten, Widersprüche, Schwächen und Fehler bei Christen wie mir oder in unseren Kirchen zu finden. Doch das sollte nicht überraschen. Schließlich erhebt die Kirche nicht den Anspruch, der Standort absolut beständigen Verhaltens und vollkommener Verwaltung der 'Wahrheit' zu sein. Auch wir sind nur Menschen, immer noch am Lernen, unser Verständnis ist immer noch unvollständig, und wir schaffen es immer noch, es tausend Mal im jeden Tag falsch zu machen. Aber die 'Linse' unserer Wahrnehmung wird immer noch neu geformt, und unsere Reise mit Jesus und seinen Freunden geht weiter.

Eines der bemerkenswerten Dinge an den Evangelien ist die Art, wie sie Jesus' Jünger beschreiben. Es waren ganz gewöhnliche Leute. Während sie mit Jesus reisten, stellten sie fest, dass sie anfingen, einen Blick auf Gottes Gegenwart unter ihnen zu erhaschen, wie Jesus es angedeutet hatte. Die Veränderung der theologischen Weltanschauung war radikal und brauchte Zeit. Doch Jesus verachtete seine Freunde nie wegen ihrer beschränkten Wahrnehmung, ihrer moralischen Verfehlungen oder ihres aufgeblähten Selbstverständnisses.

Stattdessen gab er ihnen den Raum und die Zeit, zu schauen und zu beobachten und zu sehen und zu berühren und zu denken und ihre Dummheiten auszusprechen – alles, ohne aus der Gruppe ausgestoßen zu werden. Ihre internen Streitigkeiten und Machtkämpfe wurden zwar angesprochen, wenn sie entbrannten, doch Jesus schien es nicht eilig zu haben, sofort Vollkommenheit von ihnen zu verlangen.

Also hier werden wir das Leben der Kirche finden – hier in alten oder frischen Ausdrücken von Kirche, wo es Menschen gibt, die zuerst Jünger von Jesus sind; Menschen, die sich bewusst von Jesus haben rufen lassen; Menschen, die am Auftrag der Kirche in der Welt beteiligt sind; Menschen, die bewusst den Leib Jesu Christi wachsen lassen und dazu beitragen, die Kirche aufzubauen, die Gaben der Christen zu identifizieren und zu entwickeln, und neue Christen zur Neugeburt zu bringen.

Ich möchte mit einer kurzen Geschichte zum Schluss kommen, um dich zu ermutigen.

Mike Yaconelli war Jugendarbeiter in Amerika bis zu seinem frühen Tod bei einem Autounfall vor einigen Jahren. Er hat ein Buch mit dem Titel Messy Spirituality veröffentlicht – auf Deutsch heißt es: Gott liebt Chaoten. Yaconelli war auch Pastor einer freien Baptistengemeinde und hatte immer Angst davor, dass er nicht gut genug sei, Pastor zu sein. In seinem Buch beschreibt er, wie jeder andere Pastor ein gutes, ordentliches und theologisch konsequentes Leben führt. Im Vergleich mit den anderen war Mike Yaconelli eine Katastrophe. Einmal hat er gesagt: “Ich bin Pastor einer wachsender Kirche – aber sie wächst immer kleiner.”

In diesem Buch erzählt Yaconelli einen Traum, den er nachts immer wieder hatte. In diesem Traum sitzt er in einem Zimmer mit vielen anderen Menschen. Plötzlich kommt Jesus herein. Jesus spricht eine Zeit lang mit ihnen, dann steht er auf, dreht sich um, deutet mit dem Finger auf ihn und sagt laut und klar – mit den Augen auf ihn gerichtet: “Komm, folge mir nach!” Yaconelli kann es kaum Glauben: Jesus hat ihn auserwählt. Er steht auf, bereit, Jesus überall hin in der Welt zu folgen. Dann dreht sich Jesus um und sagt: “Err… nein… es tut mir leid… ich meinte den Kerl hinter dir.”

Jesus macht das nie!

Wir sind dazu berufen, immer auf den wandelnden Gott zu vertrauen, mit Jesus zu gehen, nie zu fürchten, immer neugierig zu sein, und Kirche zu formen. Seid mutig!

Aber die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte. Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; einige aber zweifelten. Und Jesus trat herzu und sprach zu ihnen: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

Und Jesus blieb stehen und sprach: Ruft ihn her! Und sie riefen den Blinden und sprachen zu ihm: Sei getrost, steh auf! Er ruft dich!