Here is the basic text of my final address to the Kirchehochzwei conference in Hannover which finished this afternoon. Nothing new or earth-shattering, but the joke worked…

Kirche hoch zwei, Hannover, 16 Februar 2013

Wir haben zwei oder drei Tage miteinander erlebt, vieles gehört und gesehen, und jetzt kommen wir zum Schluss. Wir haben darüber nachgedacht, was es eigentlich bedeutet, Kirche zu sein und Kirche zu tun. Vielleicht sind wir ermutigt; vielleicht sind wir enttäuscht. Und ich? Ich bin ermutigt und enttäuscht: ermutigt, weil es so viele guten neuen und alten Initiativen in den deutschen Kirchen gibt; enttäuscht, weil Liverpool am Donnerstag 2-0 gegen Zenit St Petersburg verloren hat. Gibt es wirklich ein Gott?

Also, lass mich dieses Sendungswort mit einer kurzen Geschichte anfangen.

Drei Männer wanderten in den Bergen. Sie kämpften sich ihren Weg durch die Bäume und versuchten, ihre Hütte vor dem Einbruch der Nacht zu erreichen. Plötzlich stießen sie auf einen reißenden Fluss. Das Wasser lief den Berg hinunter und die Männer hatten keine Ahnung, wie sie den Fluß überqueren sollten. Aber es gab keine Alternative – sie mussten unbedingt diesen Fluss überqueren, aber sie wussten nicht wie.

Der erste Mann betete: „Gott, gib mir bitte die Kraft, um diesen Fluss zu überqueren.“ Pouff! Plötzlich wurden seine Arme größer; seine Brust erweiterte sich und seine Beine wurden stärker. Dann warf er sich in den Fluss hinein und schwamm auf das gegenüberliegende Ufer. Er brauchte zwei Stunden. Ein paar Mal ist er untergegangen und wäre fast ertrunken. Aber, endlich, ist es ihm gelungen, das Ufer zu erreichen, und er schleppte sich total erschöpft an Land.

Der zweite Mann beobachtete den ersten Mann und er betete: „Gott, gib mir bitte die Kraft und die Mittel, um diesen Fluss zu überqueren.“ Pouff! Plötzlich wurden seine Arme größer; seine Brust erweiterte sich und seine Beine wurden stärker; und ein Kanu tauchte vor ihm auf. Er paddelte eine lange Stunde durch das Wasser und schließlich, total erschöpft und nachdem er zweimal gekentert war, schleppte er sich aus dem Wasser und auf das gegenüberliegende Ufer.

Der dritte Mann hatte die zwei Freunde beobachtet und er betete: „Gott, gib mir bitte die Kraft, die Mittel… und die Intelligenz, um diesen Fluss zu überqueren.“ Pouff! Plötzlich verwandelte ihn Gott in eine Frau! Er schaute in seine Handtasche, holte eine Karte heraus, ging hundert Meter das Ufer entlang, und überquerte die Brücke.

Heutzutage müssen wir neue Sicht- und Denkweisen im Blick auf die Kirche suchen, damit wir nicht die Realitäten, die Gelegenheiten und die Herausforderungen verpassen, vor denen wir stehen. Wie die Chinesen sagen: “Wir leben in einer interessanten Zeit.”

Aber die Herausforderungen und Gelegenheiten, vor denen wir als Kirche stehen, sind nicht neu. Vom Anfang an hat die Kirche lernen müssen, wie man Kirche kreativ schafft. Vom Anfang an hatten die Nachfolger Jesu die Verantwortung auf sich nehmen müssen, der Kirche Form zu geben und immer wieder frische Ausdrucksformen zu entwickeln. Diese Situation, in der wir heute sitzen, ist nicht neu. Und, wenn wir das Kirchenschiff durch die Stürmen steuern wollen, dann müssen wir bereit sein, die Fahrt zu genießen.

Gestern sagte Thomas Söding in einem Werkstatt: “Mithin ist es ein Privileg, mit im Boot zu sein, aber keine Garantie vor Stürmen und Schiffbruch, Angst und Schrecken.” Und die Wahrheit? In diesem Schiff sind wir miteinander zusammengebunden, ob wir einander mögen oder nicht. Und, während wir versuchen einander besser zu lieben, schläft Jesus seelenruhig unten im Boot. Seid ermutigt!

Wenn wir richtig und ernsthaft andere Christen lieben wollen, dann müssen wir auch die Kirche echt und ehrlich lieben – auch wenn uns eine solche Liebe wirklich Weh tut.

Von 1992 bis 2000 war ich Pastor in einem kleinen Dorf in der Mitte von England – Leicestershire. Die Fundamente des Kirchengebäudes sind angelsächsisch und es gibt neben der Kirche ein Kreuz, welches 1200 Jahre alt ist. Innerhalb des Kirchengebäudes steht ein Taufbecken, das normannisch ist – das heißt, tausend Jahre alt. Jeden Sonntag tranken wir aus einem Kelch, der aus der Zeit der ersten Königin Elisabeth stammt – das heißt 500 Jahre alt. Und in der Nähe der Nordtür stand an der Wand eine Tafel, auf der die Namen der Pfarrer von Rothley seit dem Jahre (ungefähr) 1060 geschrieben waren. Und das heißt 'Perspektiv'!

Wir sind immer noch da. Durch Kriege und Plagen, Reformation und Invasionen (mehrmals durch die Franzosen, die Dänen und die Deutschen!), wir sind da. Wir beten und singen und klagen und jammern und feiern und weinen und lachen und so weiter. Familien sind durch Tod und. Ehetrennung, Geburt und Arbeit, aufgebaut und zerstört – aber die christliche Gemeinde betet noch und versucht immer in die Welt durch die Augen Gottes hinauszuschauen.Die Welt ändert sich ständig, aber das Lied der Gnade und der Hoffnung kann nicht gestillt werden. Ich liebe auch die unfrische Kirche.

Aber die Welt hat sich geändert. Und meiner Meinung nach, wie ich schon an dieser Konferenz gesagt habe, ist es sinnlos und eine verpasste Chance, nur darüber zu klagen. Wenn die Kirche ihren Auftrag erfüllen will, muss sie die Sprachen der heutigen Welt erstens verstehen und zweitens sprechen können. Wir müssen uns daran erinnern, dass die biblische Geschichte uns zeigt, dass Gott sein Volk dazu beruft, sein Leib in der konkreten Welt von heute zu sein, und so zu leben, dass die Menschen, die mit der christlichen Gemeinde in Kontakt kommen, etwas von dem Christus erfahren, von dem wir in den Evangelien lesen.

Ich bin überzeugt, dass es Aufgabe der Kirche ist, einen Raum zu schaffen, in dem Menschen herausfinden können, dass Gott sie schon gefunden hat – auf Englisch klingt das: 'to create the space in which people can find that they have already been found by God'. Dazu müssen wir dort anfangen, wo die Menschen sind – und wir müssen eine Sprache sprechen, die die Menschen tatsächlich verstehen. Wir Christen müssen lernen, klar, einfach und mit Vorstellungskraft zu sprechen – Bilder mit Worten zu malen, damit Menschen neugierig auf Gott und die Welt werden. Und meines Erachtens ist das eine spannende Aufgabe, die wir genießen sollten.

Die Kirche steht vor einer großen Herausforderung: Wie können wir im alltäglichen Leben einer Kirchengemeinde den Raum schaffen, wo Menschen zu Christus kommen, als Christen wachsen, und als verantwortungsvolle Christen in und durch die Gemeinde leben können? Wenn so viele Menschen überhaupt keine Ahnung mehr vom christlichen Glauben haben,wie fangen wir eigentlich an, sie zu erreichen? Und welche Formen von Kirche oder Gottesdienst können wir schaffen, um solche Menschen in den Raum einzubringen, wo sie Gott und seine Kinder besser kennen lernen werden? Es ist von der Bibel klar, dass wir dort anfangen müssen, wo die Menschen sind – und nicht wo wir denken, dass sie sein sollten.

Es interessiert mich sehr, dass Jesus seine Freunde nicht in der Kirche zum ersten Mal traf, sondern dort, wo sie arbeiteten: auf dem Strand. Und gleich am Anfang des Evangeliums lädt sie Jesus ein, mit ihm spazieren zu gehen. Er sagte ihnen nicht, wo sie hingingen. Er sagte ihnen nicht, wer sonst mitkommen würde. Aber er machte klar, dass jeder Nachfolger etwas hinter sich verlassen müsste, um mit ihm zu gehen und gemeinsam etwas Neues zu entdecken.

Das heißt, die Nachfolger Jesu müssen immer neugierig sein und eine große und kreative Vorstellungskraft entwickeln.

Und so, gleich am Ende des Matthäusevangeliums sehen wir klar, dass sich die ersten Freunde von Jesus vor einer großen Herausforderung standen: nicht auf dem Berg zu bleiben, wo Jesus einmal war, sondern wieder den Berg hinunterzugehen, um durch eine veränderte Welt zu wandeln und auf sich eine neue Verantwortung aufzunehmen: zu entscheiden, was es bedeutet, als Leib Christi in der heutigen Welt zu leben.

Das heißt, die Kirche soll nichts anderes tun, als weiterhin der Leib Christi zu sein und das Evangelium weiterzusagen und damit zu erfüllen, was Jesus in Markus 1:14-15 schon getan hat, nämlich: die Menschen einzuladen, Gott zu sehen und Gott anders zu sehen – und sie dann eine Gemeinschaft von Menschen vorzustellen, die bereits gewagt haben, dies von sich aus zu tun, und die nun verpflichtet sind, es anderen zu ermöglichen, zu sehen, wie Gott ist und an wessen Seite man ihn finden kann. Anders gesagt: die Aufgabe der christlichen Kirche ist es, eine Gemeinschaft zu sein, in der sich die kreative Barmherzigkeit und Gnade, die versöhnende und heilende Liebe Gottes finden lässt. Und das sollten die Leute durch die Kirche erleben.

Ja, es gibt immer Beispiele von Christen, die in einer Weise reden und handeln, die Jesus' Prioritäten, wie wir sie in den Evangelien finden, nicht widerspiegelt. Man muss nicht allzu fest an der Oberfläche kratzen, um Unbeständigkeiten, Widersprüche, Schwächen und Fehler bei Christen wie mir oder in unseren Kirchen zu finden. Doch das sollte nicht überraschen. Schließlich erhebt die Kirche nicht den Anspruch, der Standort absolut beständigen Verhaltens und vollkommener Verwaltung der 'Wahrheit' zu sein. Auch wir sind nur Menschen, immer noch am Lernen, unser Verständnis ist immer noch unvollständig, und wir schaffen es immer noch, es tausend Mal im jeden Tag falsch zu machen. Aber die 'Linse' unserer Wahrnehmung wird immer noch neu geformt, und unsere Reise mit Jesus und seinen Freunden geht weiter.

Eines der bemerkenswerten Dinge an den Evangelien ist die Art, wie sie Jesus' Jünger beschreiben. Es waren ganz gewöhnliche Leute. Während sie mit Jesus reisten, stellten sie fest, dass sie anfingen, einen Blick auf Gottes Gegenwart unter ihnen zu erhaschen, wie Jesus es angedeutet hatte. Die Veränderung der theologischen Weltanschauung war radikal und brauchte Zeit. Doch Jesus verachtete seine Freunde nie wegen ihrer beschränkten Wahrnehmung, ihrer moralischen Verfehlungen oder ihres aufgeblähten Selbstverständnisses.

Stattdessen gab er ihnen den Raum und die Zeit, zu schauen und zu beobachten und zu sehen und zu berühren und zu denken und ihre Dummheiten auszusprechen – alles, ohne aus der Gruppe ausgestoßen zu werden. Ihre internen Streitigkeiten und Machtkämpfe wurden zwar angesprochen, wenn sie entbrannten, doch Jesus schien es nicht eilig zu haben, sofort Vollkommenheit von ihnen zu verlangen.

Also hier werden wir das Leben der Kirche finden – hier in alten oder frischen Ausdrücken von Kirche, wo es Menschen gibt, die zuerst Jünger von Jesus sind; Menschen, die sich bewusst von Jesus haben rufen lassen; Menschen, die am Auftrag der Kirche in der Welt beteiligt sind; Menschen, die bewusst den Leib Jesu Christi wachsen lassen und dazu beitragen, die Kirche aufzubauen, die Gaben der Christen zu identifizieren und zu entwickeln, und neue Christen zur Neugeburt zu bringen.

Ich möchte mit einer kurzen Geschichte zum Schluss kommen, um dich zu ermutigen.

Mike Yaconelli war Jugendarbeiter in Amerika bis zu seinem frühen Tod bei einem Autounfall vor einigen Jahren. Er hat ein Buch mit dem Titel Messy Spirituality veröffentlicht – auf Deutsch heißt es: Gott liebt Chaoten. Yaconelli war auch Pastor einer freien Baptistengemeinde und hatte immer Angst davor, dass er nicht gut genug sei, Pastor zu sein. In seinem Buch beschreibt er, wie jeder andere Pastor ein gutes, ordentliches und theologisch konsequentes Leben führt. Im Vergleich mit den anderen war Mike Yaconelli eine Katastrophe. Einmal hat er gesagt: “Ich bin Pastor einer wachsender Kirche – aber sie wächst immer kleiner.”

In diesem Buch erzählt Yaconelli einen Traum, den er nachts immer wieder hatte. In diesem Traum sitzt er in einem Zimmer mit vielen anderen Menschen. Plötzlich kommt Jesus herein. Jesus spricht eine Zeit lang mit ihnen, dann steht er auf, dreht sich um, deutet mit dem Finger auf ihn und sagt laut und klar – mit den Augen auf ihn gerichtet: “Komm, folge mir nach!” Yaconelli kann es kaum Glauben: Jesus hat ihn auserwählt. Er steht auf, bereit, Jesus überall hin in der Welt zu folgen. Dann dreht sich Jesus um und sagt: “Err… nein… es tut mir leid… ich meinte den Kerl hinter dir.”

Jesus macht das nie!

Wir sind dazu berufen, immer auf den wandelnden Gott zu vertrauen, mit Jesus zu gehen, nie zu fürchten, immer neugierig zu sein, und Kirche zu formen. Seid mutig!

Aber die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte. Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; einige aber zweifelten. Und Jesus trat herzu und sprach zu ihnen: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

Und Jesus blieb stehen und sprach: Ruft ihn her! Und sie riefen den Blinden und sprachen zu ihm: Sei getrost, steh auf! Er ruft dich!

 

EKD Konferenz in Wennigsen (22 Oktober 2008): Impulspapier

Die Erneuerung und Reform der Kirche von England

Wenn wir heute von der Identität der Kirche von England sprechen wollen, dann müssen wir zuerst zwei Tatsachen berücksichtigen:

(a)         Die Kirche von England ist eine reformierte-katholische Kirche. Die bisherige Geschichte der Kirche zeigt, dass es möglich ist (oder war), dass eine Kirche Christen von verschiedenen theologischen und kirchlichen Standpunkten enthält. Aber so eine weite Kirche kann nur dann wachsen und gedeihen, wenn sie aus den inneren Sachen der Kirche hinausschaut. Das heisst, dass die Kirche sich zu jeder Zeit erinnern muss, warum die Kirche da ist und wozu die Kirche eigentlich existiert. Bis jetzt konnten Anglokatholiken und konservative Evangelikale – trotz bestimmten theologischen und kirchlichen Spannungen – in derselben Kirche zusammenleben, weil es genug Platz gab. Aber es ist möglich, dass dies nicht mehr zutrifft. Zu diesem Punkt müssen noch zwei weiteren Sachen in Betracht gezogen werden: die Entscheidung, Frauen als Bischöfinnen zu ordinieren, und die wahrscheinliche Annahme eines sogenannten ‚Anglikanischen Abkommens‘.

Um diese Angelegenheiten gibt es viel Streit und momentan ist nicht klar, wie wir als eine Kirche (in England und in der weltweiten Anglikanischen Kirchengemeinschaft) weitergehen werden. Diejenigen, die Bischöfinnen nicht haben wollen, sind nicht zufrieden, dass sie von solchen (in ihren Augen) schlechten Neuerungen nicht vom Gesetz geschützt werden. Manche Anglikaner glauben, dass ein Anglikanisches Abkommen unnötig ist und dass es die Natur des Anglikanismus ändert.

(b)         Die Kirche von England ist auf (staatlichem) Gesetz gegründet (‘established by law’). Deshalb wird sie oft unkritisch als Staatskirche betrachtet. Aber die Kirche wird nicht vom Staat finanziert und es gibt keine Kirchensteuer. Tatsächlich kann man behaupten, dass das Verhältnis zwischen Kirche und Staat sogar in England selbst missverstanden wird. ‚Establishment‘ heisst nicht Privileg, sondern Verantwortung für das ganze Volk im ganzen Land. Was aber hier wichtig zu verstehen ist, ist die Tatsache, dass der Staat keine Verantworung für die Kirche zusagt. Es wird immer teurer, finanziell die Rolle und den Auftrag der Kirche von England zu unterstützen und die Kirche kriegt keinen Euro vom Staat. Deshalb ist die Kirche vor vierzig Jahren dazu gezwungen worden, das Verhältnis zwischen Geld, Kirche, Spiritualität und Mission zu erforschen. Als die Zahl der Kirchenmitglieder reduzierte, so musste die Kirche ihre grundsätzliche Mission neu herausfinden – das heisst, das Evangelium Jesu Christi auf kreative Weisen zu predigen und neue Medien der Evangelisation auszunutzen. Die Welt hat sich geändert, aber die Kirche tut so als ob alles nur ‚normal‘ weitergeht. Die Kirche musste sich eine Frage stellen, und zwar: ‘Wozu ist eigentlich die Kirche? Die Antwort? ‚Gott anzubeten und Menschen zu Jüngern zu machen‘.

Heute muss sich die Kirche in England in der lauten Kakophonie des Marktplatzes der Politik, der Wirtschaft und den Medien mitbewerben, um ihre Stimme hörbar zu machen. Es scheint, dass es viele intelligente Menschen gibt, die Religion, Christentum und Kirche grundsätzlich nicht verstehen. Sie denken, jede Religion sei bloss ‘Religion’ – und Religion wirft ein Problem für die Gesellschaft auf. Und die Medien sind feindselig gegen die Kirche.

Diese veränderte Welt hat der Kirche von England aufgezwungen, sich umzugestalten – und diese Herausforderung ist von vielen Pfarrern und Laien nicht leicht angenommen worden. Ich möchte die folgenden Beobachtungen machen:

Mission

Im Jahre 2004 hat die Kirche von England einen Bericht veröffentlicht, der die Richtung der Kirche in Bereichen wie Evangelisation, Mission, Gottesdienst, Liturgie von Grund auf geändert hat. Der Bericht heisst Mission-shaped Church (vor kurzem in Deutschland als Mission bringt Gemeinde in Form veröffentlicht). Dieser Bericht hat die Kirche auf jeder Ebene und bei jeder Gelegenheit stark beeindruckt und beeinflusst. Dieser Bericht hatte zur Folge, dass sich drei bestimmte weitreichende und tiefgreifende Initiativen ergreifen liessen: (a) Fresh Expressions, (b) Pioneer Ministry und (c) Bishop’s Mission Order.

(a)         Fresh Expressions erlaubt die Kirchen neu und erneut über Kirche nachzudenken. Muss der Gottesdienst eigentlich nur am Sonntag stattfinden? Und nur in einem Kirchengebäude? Wie erreichen wir diejenigen, die nicht in die Kirche hineinkommen wollen oder sich kulturell nicht in der normalen Kirchengemeinde wohl fühlen? Laut Fresh Expressions muss die Kirche bereit sein, risikofreudig zu werden. Das heisst, dass die Kirchen kreativer werden müssen, um ausserhalb der Kirchen die Menschen mit dem Evangelium zu erreichen. Jetzt gibt es in England ungefähr sechs tausend Fresh Expressions of Church.

(b)         Pioneer Ministry stellt eine neue Form des Pfarreramts vor. Bei Pioneer Ministry geht es um eine neue Art theologischer sowie pastoraler/seelsorgerlicher Ausbildung. Solche Pioneer Ministers werden dazu vorbereitet, am Rande der Kirche und der Gesellschaft zu arbeiten. Wir wissen noch nicht, ob diese Pfarrer wirksam werden, aber die Kirche glaubt, dass wir versuchen müssen, etwas neues zu tun, um die bisher unerreichbaren Menschen zu erreichen.

(c)         Die Rolle des Bischofs ist: Leiter der Missionsarbeit (‚Leader in mission‘) in deiner Diözese. Seit kurzem ist der Bischof befugt, neue Formen von Kirche oder Gemeinde zu initiieren oder erlauben. Der Fachausdruck dafür ist Bishop’s Mission Order. Ein solcher ‚Order‘ ermöglicht sogar, eine neue Gemeinde auf dem Gebiet einer anderen zu gründen.

Diese drei Initiativen haben auch dazu geführt, dass die Kirche sich schärfer darauf konzentriert, wie verschiedene Menschen den Glaube durch kulturellgeeignete Methoden lernen können. Zum Beispiel: Manche Gemeinden benutzen den Alpha- oder Emmäus-kursus. Manche Gemeinden haben neue Gemeinden gegründet in, zum Beispiel, einem Sport- oder Nachtklub oder Cafe. Diese neuen Kirchenformen sind darauf gerichtet, nicht nur die Institution oder die Ordnung der Kirche zu bewahren, sondern dort zu sein, wo die Menschen sind und ihnen an ihrem Ort zu begegnen.

Liturgy

Innerhalb der Kirche versuchen wir auch mit neuen Liturgien und Sprachformen, dass es möglich wird, dass neue Christen und Kirchenbesucher sich im Gottesdienst angenehmer fühlen. Aber ‚angenehm‘ heisst nicht ‚verdünnt‘ oder ‚verwässert‘. ‚Angenehm‘ heisst, dass die Sprache zugänglich wird. Es bedeutet auch, dass wir ein Menü von verschiedenen Gottesdienste anbieten – nicht dasselbe für alle (‚one size fits all‘), sondern etwas für jeden (‘something for everyone‘). Zwischen 2000 und 2006, nach zehn Jahren Verarbeitung, hat die Generalsynode neue Liturgien autorisiert und veröffentlicht: Common Worship.

Zusammenfassung

Die Grundimpulse eines solchen Kirchenwandels haben nicht nur mit Geld und kleineren Kirchgemeinden zu tun, sondern mit einem neuen Realismus in der Kirche. Es geht um eine Wiederentdeckung der Herausforderung und der Freude an der Mission im Namen Jesu Christi. Wir werden das finanzieren, was wir für geistlich wichtig oder notwendig halten.

Wir können nicht mehr davon ausgehen, dass Engländer das Evangelium kennen und die Kirche von England verstehen. Die Bibel wird nicht gelesen und es gibt viele einflussreiche Atheisten (wie, zum Beispiel, Richard Dawkins und Christopher Hitchens), die mit lauten Stimmen die Kirche und die Religion (besonders das Christentum) verspotten. Deswegen ist es nötig, zunächstdas Vertrauen der Christen aufzubauen, damit sie mit Zuversicht in der heutigen Welt leben können.

Ökumenische Zusammenarbeit heisst jetzt, dass die Gemeinden an bestimmten Orten so miteinander arbeiten, um neue Kirchen zu gründen. Die alte Ökumene ist tot. Es ist meine Hoffnung, dass der Geist Gottes uns zu einer neuen, noch nicht gesehenen Ökumene führt.