Predigt an der deutschen Synode in London (5 April 2008)

Der Gott aber des Friedens, der von den Toten ausgeführt hat den großen Hirten der Schafe durch das Blut des ewigen Testaments, unsern HERRN Jesus, der mache euch fertig in allem guten Werk, zu tun seinen Willen, und schaffe in euch, was vor ihm gefällig ist, durch Jesum Christum; welchem sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. (Hebräer 13:20-21, Luther Bibel 1545)

Es freut mich sehr, dass ich diese Gelegenheit habe, Sie wiederzusehen und für Sie zu predigen. Vor einigen Wochen war ich in Deutschland um mein ins Deutsche übersetztes Buch (Am Rande bemerkt) in Hamburg, Berlin und Hannover bekanntzumachen (oder, besser ausgedrückt, zu propagieren). Ich habe Freunde in Hamburg – Christoph ist Pfarrer einer Lutherischen Kirche in Harvestehude und er hatte mich eingeladen, am Sonntag in seiner Kirche die Predigt zu halten. Dreimal habe ich ‚nein’ gesagt, aber dann habe ich begriffen, dass ‚nein’ die falsche Antwort war. Also, ich habe die Predigt auf Deutsch gehalten und nachher war die Gemeinde eigentlich sehr nett und sehr höflich und viele sagten, dass sie alles verstanden hatten. Offensichtlich können sie alle Liverpool-Deutsch verstehen!

Mein kurzer Aufenthalt in Deutschland war trotzdem ziemlich interresant. Ich verkaufte einige Bücher in Berlin und Hannover und hatte die wunderbare Gelegenheit, in einem einfachen Medieninterview die Meinung des Erzbischofs von Canterbury über Sharia zu besprechen. Tatsächlich musste ich diese Meinung auf Deutsch erklären – aber es ist nicht so einfach, die Meinung des Erzbischofs auf Englisch zu erklären. In der Zeit nach seinem Vortrag über Sharia in London haben einige Kritiker, Politiker und Journalisten öffentlich seine Führung und Führungsstil in Frage gestellt: ist er dazu fähig – oder dazu geeignet – , der Führer der Kirche von England und der Anglikanischen Kommunion zu sein? Die Antwort hängt davon ab, was wir von ‚Führung’ verstehen. Wir werden zu dieser Frage später zurückkommen, aber zuerst möchte ich ein Vorbild wunderbarer Führung vorschlagen: Robert Mugabe. (Falls Sie denken, dass ich verrückt bin, muss ich klar machen, dass der letzte Satz ein Beispiel ‚englischer feiner Ironie’ ist.)

Vor einem Jahr – in April 2007 – hatte ich die Gelegenheit mit neunzehn anderen Anglikanern aus dem Croydon Episcopal Area das arme Land Simbabwe zu besuchen. Das war mein zweiter Besuch in Simbabwe. Im Jahre 2004 war ich zum ersten Mal in diesem schönen Land, aber diesmal (April 2007) verbrachten wir zwei Wochen in Mittelsimbabwe in der Stadt Gweru und in der Umgebung. Diese zwei Wochen waren anstrengend und wir haben Erfahrungen gesammelt, die nicht einfach zu erklären sind. An einem Sonntag habe ich in der kleinen Stadt Kadoma Kinder beobachtet, als sie Wasser aus dem kleinen Bach tranken, wo die Tiere auch standen und tranken. In Kadoma hatte man kein fliessendes Wasser in den vorausgegangenen drei Monaten gehabt. Die Situation war auch damals schrecklich und seit der Zeit ist alles immer schlimmer geworden. Die Führung des Präsidents lässt sich nur als furchtbar beschreiben; unter der egomanischen Herrschaft des Robert Mugabe ist das Land unter die Räder gekommen.

Wie wir in der letzten Woche noch einmal gesehen haben, opfert der Präsident sein Volk auf, um seine persönliche Macht zu schützen und seinen politischen Rang zu bewahren. Vielleicht ist es endlich jetzt möglich, dass der Albtraum bald schliesslich vorbei wird. Aber einen Aspekt dieser humanitärischen Tragödie kann man darin bemerken, dass dieser schreckliche Führer Robert Mugabe einmal – vor dreissig Jahren -ein Held des Befreiungskampfes und des politischen Freiheits war. Am Anfang seiner Herrschaft wurde er hochgeachtet, weil er sich in den frühen Jahren der neuen Nation (Simbabwe) wirklich mit Ehre und Würde und Gnade benahmen. Aber danach ist etwas schiefgegangen und das ganze Projekt fing an irgendwie langsam zu implodieren. Seine Führung der Nation verwandelte sich in die Diktatur.

Offensichtlich hat der Robert Mugabe vergessen, dass das Land immer ein Geschenk ist – dass die Macht immer nur mit Demut auszuüben ist. Aber hier ist er nicht allein. Ich möchte jetzt etwas über ‚Erinnerung’ von meinem Buch vorlesen, um klar zu machen, wie wichtig die Erinnerung eines Volkes und eines Führers ist. Dann werden wir verstehen können, was der Ausdruck ‚der Gute Hirt’ bedeutet.

November ist (in England) ein komischer Monat. Man wird ständig daran erinnert, sich zu erinnern und nicht zu vergessen. Zuerst gibt es Bonfire Night, die immer lustig ist, trotz der vergessenen Tatsache, dass man in ihr ursprünglich die Hinrichtung eines Katholiken durch Protestanten in England feierte. Dann kommt der Remembrance Day und mit ihm die vielen Streitereien, wie er gefeiert oder auch nicht gefeiert werden sollte. Und im christlichen Kalender geht beiden Feiertagen Allerheiligen voraus, an dem wir den geliebten Menschen gedenken, die gestorben sind. Man kann zwar Ostern romantisieren und Weihnachten sentimentalisieren, aber den November kann man kaum neutralisieren.

Doch das führt mich zu einer wichtigen Frage. Wenn man sein Gedächtnis verliert, wie weiß man dann, wer man ist? Ich habe im Radio Dokumentarberichte über Menschen gehört, deren Erinnerungsvermögen durch eine Krankheit angegriffen worden ist oder die ihr Gedächtnis verloren haben und nicht mehr wissen, wer sie sind. Wenn Sie sich den Film Die totale Erinnerung mit Arnold Schwarzenegger ansehen, werden Sie mit genau dieser Frage konfrontiert: Was ist die Verbindung zwischen Erinnerung und Identität? Der Schriftsteller Laurens van der Post drückte genau dasselbe aus, als er schrieb, dass man kein Leben zu leben hat, wenn man keine Geschichte zu erzählen hat. Die Erinnerung ist ein ganz wichtiger Teil dessen, wer wir sind. Sich daran zu erinnern, woher wir kommen, ist daher notwendig um zu verstehen, wohin wir gehen könnten.

Vor einiger Zeit sah ich einen Dokumentarfilm über einen professionellen Musiker, der unter einer gefährlichen Hirnentzündung litt. Obwohl er die Krankheit überlebt hat, verlor er fast sein ganzes Gedächtnis. Er kann sich nur noch an die vergangene Viertelstunde erinnern. Er ist gezwungen, in einem Heim zu leben. Er verbringt seinen Alltag damit, sich alles, was er macht und jeden, dem er begegnet, zu notieren, damit er seine Notizen lesen kann und weiß, wer er ist. Er hat keine Ahnung von seiner Identität. Er erkennt weder seine Frau noch seine Familie. Er weiß weder, wer er ist, noch wo er ist, und er weiß nichts über seine Vergangenheit. Seine Geschichte ist tragisch.

Vielleicht ist das der Grund, warum wir den Remembrance Day erfinden müssten, wenn es ihn nicht schon gäbe – oder zumindest einen ähnlichen Feiertag. Denn wenn wir nicht wissen, woher wir kommen, können wir auch nicht wissen, warum wir so sind, wie wir sind. Und das ist für Individuen, Familien und Gemeinden genauso wichtig wie für Länder. Tatsächlich sagte mir jemand einmal, das Problem in Nordirland oder dem Nahen Osten sei nicht, dass die Bevölkerung sich an zu wenig erinnern kann, sondern dass sie sich an zuviel erinnert. Doch in Wahrheit sind alle Erinnerungen selektiv und unterstützen die Geschichte, die wir über uns und unser Erbe glauben wollen – vor allem, wenn uns wehgetan wurde.

Doch wir können nicht vor der Verantwortung, wie wir mit unseren Erinnerungen umgehen sollen, davonlaufen. Es ist sicher eine große Heuchelei, zwei stille Gedenkminuten einzulegen, wenn das eigene Leben und die eigenen Beziehungen von der Wut, der Selbstsucht oder Gier geprägt sind, die auf ganze Länder übertragen zu Konflikten und Kriegen führen. Jesus ermahnte seine Freunde, bevor sie dafür beteten, dass Gottes Reich der Gerechtigkeit kommen solle, Gott zuerst darum bitten sollten, sie zu ändern. Gerechtigkeit und Frieden fängt bei mir selber an, nicht bei der Regierung.

Der Remembrance Day fordert uns dazu auf, uns daran zu erinnern, woher wir kommen. Er fordert uns auf, uns aufrichtig mit menschlicher Gier und unserem Verlangen nach Macht und Sicherheit auseinanderzusetzen. Er ruft uns auf, der selektiven Erinnerung oder Romantisierung unserer Geschichte zu widerstehen. Lassen Sie es mich so ausdrücken: Jeder von uns muss sich entweder für den Weg der Gerechtigkeit und des Friedens entscheiden – oder mit eisiger Kälte und einer zerbrochenen Gemeinschaft leben. Wir können es uns aussuchen – oder haben Sie das etwa vergessen?

Das Hauptproblem für das Volk Gottes ändert sich nie: wie können wir uns an unsere Geschichte erinnern? Das Volk Gottes muss nie vergessen, dass wir auch einmal Sklaven waren – dass wir uns selbe nicht von unserem Sklaverei freilassen konnten. Wir brauchten die Gnade Gottes – und deswegen müssen wir gnädig in der Welt umgehen. Der gute Führer – der gute Hirt – vergisst nie die Geschichte Gottes oder die Geschichte des Volkes Gottes und nimmt den schweren Auftrag an, immer den Menschen diese Geschichte in Erinnerung zu bringen. Auf der Strasse von Jerusalem nach Emmaus hat der auferstandene Jesus diese Geschichte wieder und neu erzählt.

Deshalb möchte ich für Sie die ganze Geschichte der ganzen Bibel in einer Minute darstellen. Wenn man diese Geschichte versteht, dann versteht man die ganze Bibel. Einige kleinen Einzelheiten werde ich natürlich auslassen müssen.

Also, wie läuft diese Geschichte, die wir verstehen und erzählen müssen?

Gott hat die Welt erschaffen. Dann hat er ein Volk dazu aufgerufen, in dieser Welt so zu leben, dass die Menschen der Welt in und durch ihnen die Person – den Charakter – Gottes spüren (oder das Gesicht Gottes ansehen) können. Aber dieses Volk sagt: ‚Ach, Gott hat UNS auserwählt – also müssen wir so privilegiert sein, dass die anderen Menschen der Welt uns beehren sollten. Und das Volk Gottes hat seine Berufung als Privileg (statt Verantwortlichkeit) angenommen. Die Propheten haben klar gemacht, dass diese echte Berufung wiedergefunden werden muss – dass heisst, das Volk muss sich an seine Geschichte erinnern, weil die Menschen schon vergessen hatten, dass sie auch einmal Sklaven waren – dass sie tatsächlich dazu berufen wurden, die Menschen der Welt zu dienen und dadurch die Persönlichkeit Gottes auszusetzen. Wenn sie ihre Geschichte vergessen, werden sie vergessen, dass sie dazu berufen werden, die Person Gottes darzustellen. Im letzten Teil des Alten Testaments lesen wir wie das Volk die Botschaft der Propheten nicht zuhören oder empfangen wollten – und danach hat Israel alles verloren, was von ihrer Identität als das Volk Gottes sprach. Sie sind ins Exil gegangen.

Jetzt ein grosser Sprung: Jesus hat in seinem Leben, Tod und Auferstehung die Berufung Israels erfüllt – er hat sich sein Leben um der Welt willen aufgeopfert. Jetzt können wir beobachten, wie Gott aussieht. Und noch ein grosser Sprung: Jesus hat zu seinen Nachfolgern (das heisst die Kirche… uns) gesagt: Du bist mein Körper – also musst du so leben, dass die Menschen der Welt in dir mein Gesicht sehen könnten und in deinem gemeinsamen Leben ein lebendiges Spiegelbild meines in den Evangelien dargestellten Lebens spüren können.

Anders ausgedrückt: wenn du wissen will, wie Gott aussieht, schau mal an Jesus. Wenn du wissen will, wie der Jesus aussieht, musst du die Evangelien des Neuen Testaments lesen … und uns (die Kirche) beobachten.

Wenn man die Bibel durchliest, kann man klar verstehen, dass Gott sein Volk einlädt, sich an seine Geschichte zu erinnern und diese Geschichte nie zu vergessen. Und die Führer – das heisst, die Hirten – des Volkes nehmen den grossen Auftrag an, diese Geschichte ständig zu erzählen und die Persönlichkeit Gottes (wie wir sie in Jesus Christus gesehen haben) zu bezeugen.

Deshalb kann Jesus den guten Hirt mit dem schlechten Hirten vergleichen. Die schlechten Hirten haben die Geschichte vergessen und die urpsrüngliche Berufung verdorben. Die Propheten haben einen Warnruf abgegeben, aber die Hirten haben ihn nicht beachtet. So kann Hesekiel (im Kapitel 34) mit Wut erklären:

So spricht der HERR HERR: Weh den Hirten Israels, die sich selbst weiden! Sollen nicht die Hirten die Herde weiden? Aber ihr fresset das Fette und kleidet euch mit der Wolle und schlachtet das Gemästete; aber die Schafe wollt ihr nicht weiden. Der Schwachen wartet ihr nicht, und die Kranken heilt ihr nicht, das Verwundete verbindet ihr nicht, das Verirrte holt ihr nicht und das Verlorene sucht ihr nicht; sondern streng und hart herrschet ihr über sie. Und meine Schafe sind zerstreut, als sie keinen Hirten haben, und allen wilden Tieren zur Speise geworden und gar zerstreut. Und gehen irre hin und wieder auf den Bergen und auf den hohen Hügeln und sind auf dem ganzen Lande zerstreut; und ist niemand, der nach ihnen frage oder ihrer achte. Darum höret, ihr Hirten, des HERRN Wort! So wahr ich lebe, spricht der HERR HERR, weil ihr meine Schafe lasset zum Raub und meine Herde allen wilden Tieren zur Speise werden, weil sie keinen Hirten haben und meine Hirten nach meiner Herde nicht fragen, sondern sind solche Hirten, die sich selbst weiden, aber meine Schafe wollen sie nicht weiden: darum, ihr Hirten, höret des HERRN Wort! So spricht der HERR HERR: Siehe, ich will an die Hirten und will meine Herde von ihren Händen fordern und will mit ihnen ein Ende machen, daß sie nicht mehr sollen Hirten sein und sollen sich nicht mehr selbst weiden. Ich will meine Schafe erretten aus ihrem Maul, daß sie sie forthin nicht mehr fressen sollen. Denn so spricht der HERR HERR: Siehe, ich will mich meiner Herde selbst annehmen und sie suchen. Wie ein Hirte seine Schafe sucht, wenn sie von seiner Herde verirrt sind, also will ich meine Schafe suchen und will sie erretten von allen Örtern, dahin sie zerstreut waren zur Zeit, da es trüb und finster war. Ich will sie von allen Völkern ausführen und aus allen Ländern versammeln und will sie in ihr Land führen und will sie weiden auf den Berge Israels und in allen Auen und auf allen Angern des Landes. Ich will sie auf die beste Weide führen, und ihre Hürden werden auf den hohen Bergen in Israel stehen; daselbst werden sie in sanften Hürden liegen und fette Weide haben auf den Bergen Israels. Ich will selbst meine Schafe weiden, und ich will sie lagern, spricht der HERR HERR. Ich will das Verlorene wieder suchen und das Verirrte wiederbringen und das Verwundete verbinden und des Schwachen warten; aber was fett und stark ist, will ich vertilgen und will es weiden mit Gericht.

Jetzt hören wir Jesus an:

Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte läßt sein Leben für seine Schafe… Und ich lasse mein Leben für die Schafe. Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stalle; und dieselben muß ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und wird eine Herde und ein Hirte werden.

Der Erzbischof von Canterbury hat mir einmal gesagt: ‚Wenn man ‚starke Fürhrung’ von mir verlangt, meint man folgendes: Erzbischof, Sie müssen das sehr laut aussprechen, was ich von Ihnen hören will.’ Aber, der gute Hirte kann nicht nur das sagen, was die Leute von ihm hören wollen. Im Vergleich mit dem Mugabe versteht der gute Hirt was der Paulus meint als er in seinem kurzen Brief an die Philipper schrieb: ‚Tut nichts aus Eigennutz oder um eitler Ehre willen, sondern in Demut achte einer den andern höher als sich selbst, und ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern auch auf das, was dem andern dient.’ (Philipperbrief 2:3-4)

Wir beten für Simbabwe und die Führer (die Hirten) die vergessen haben, wozu sie berufen worden sind. Und wir beten für die Führer (die Hirten) des Volkes Gottes, dass sie (wir) nie vergessen werden, dass sie/wir dazu berufen werden, die echte Geschichte weiter zu erzählen, so dass die Gläubigen hören was Gott sie hören lassen will.

Im Abendmal kommen wir mit offenen Händen. Wir hören schon wieder dass wir Gott in Jesus anerkennen. Und nachher gehen wir hinaus, um die Welt zu zeigen, wie der Diener-Gott aussieht.

Eine Predigt in der Johanneskirche, Harvestehude, Hamburg (Februar 2008)

Durch den Glauben ward gehorsam Abraham, da er berufen ward, auszugehen in das Land, das er ererben sollte; und ging aus und wusste nicht wo er hinkäme. Durch den Glauben ist er ein Fremdling gewesen in dem verheissenen Lande als in einem fremden und wohnte in Hütten mit Isaak und Jakob, den Miterben derselben Verheissung; denn er wartete auf eine Stadt, die einen Grund hat, der Baumeister und Schöpfer Gott ist. (Hebräer 11:8-10, Luther Bibel 1545)

Ich freue mich darüber, dass ich diese Gelegenheit habe, in dieser schönen Kirche in Hamburg zu predigen. Ich war nie vorher in Hamburg, aber diese Stadt ist für mich sehr wichtig und von grossen Bedeutung – aus drei bestimmten Gründen: erstens, weil The Beatles in den frühen sechzigen Jahren in Sankt Pauli spielten; zweitens, weil Kevin Keegan von Liverpool (wo ich auch herkomme) nach Hamburg umzog; und drittens, weil ich in den letzten dreissig Jahren die Schriften und Predigten von den hamburgischen Theologen und Pfarrer Helmut Thielicke immer wieder gelesen habe. Es gibt auch ein vierter Grund: Pastor Christoph und Silke Römhild sind gute Freunde von mir – es ist nur Schade, dass meine Frau wegen Chirurgie nicht mit mir herkommen konnte. Ein fünfter Grund wäre, dass während meiner Aufenthalt in Hamburg können die englischen Medien mich nicht erreichen, um einen Zitat über den Erzbischof von Canterbury und Sharia von mir hinauszuziehen…

Wenn ich von London nach Hamburg fahren will, muss ich London hinter mir verlassen. Es liegt auf der Hand, dass ich mein Haus, meine Bücher, meine Gitarre, mein Auto – alles – zurücklassen muss. Ich kann nicht diese Fahrt anfangen und gleichzeitig alles was mir gehört mitbringen. Und das ist doch keine Überraschung. Wenn man verreist, muss man einige Dinge zurücklassen, die Fahrt unternehmen und zum Schluss irgendwo anders sein als den Anfangspunkt. Das heisst, man kann nicht eine Fahrt unternehmen und am Ende der Reise unverändert bleiben. Reise bedeutet unvermeidlich Umänderung.

Wenn man die Bibel durchliest, kann man klar verstehen, dass Gott sein Volk einlädt, ihre Heimat zu verlassen und eine Wegreise zu unternehmen. Zum Beispiel, wie ich in meinem kleinen Buch geschrieben habe: ‘Das früheste jüdische Glaubensbekenntnis im Alten Testament beginnt mit: »Mein Vater war ein wandernder Arameer…« Abraham wurde von Gott aufgerufen, seine Sachen zu packen, den Ort zu verlassen, an dem er sich niedergelassen hatte, und sich auf eine Reise an ein unbekanntes Ziel zu begeben. Moses wurde aufgefordert, das Volk Israels aus der Sklaverei in vierzig heimatlosen Jahren durch die Wüste zu führen. Das Volk Gottes war schon immer auf der Wanderung und aufgerufen, ›mit leichtem Gepäck zu reisen‹ und nicht an ›Dingen‹ festzuhalten. Die Menschen erhalten den Wink vom Schicksal, mit einer einzigen Sicherheit zu leben und in eine unbekannte Zukunft zu wandern: Nämlich, dass der Gott, der sie ruft, sie auf ihrer Reise nicht im Stich lassen wird.

Natürlich bedeutet eine Reise, einige Dinge zurückzulassen und sich mit anderen zusammenzutun – oftmals mit Menschen, die wir uns nicht ausgesucht hätten. Denn Gott ruft sein Volk dazu auf, mobil zu werden, Reisende, Flüchtlinge, Heimatlose in dieser Welt zu werden und die ganze Welt als ihre Heimat anzusehen.’

Aber das ist nicht nur rein gedanklich oder spekulativ gemeint. Glaube an Gott heisst unvermeidlich, dass man sich zu Gott und seinem Reich übergibt. Im ersten Kapitel des Markusevangeliums lesen wir: ‘Nachdem aber Johannes überantwortet war, kam Jesus nach Galiläa und predigte das Evangelium vom Reich Gottes und sprach: Die Zeit ist erfüllet, und das Reich Gottes ist herbeigekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium!’ Markus hat das am Anfang der öffentlichen Mission Jesu gestellt, damit wir gleich am Anfang des Evangeliums lernen werden, wie Jesus seine Mission (und die Missio Dei) verstand. Es klingt irgendwie wie so: Die Juden sehnen nach Befreiung von der Besatzung des römischen Reiches. Sie verstehen, dass Gott nur da zu bemerken ist, wo diese Befreiung stattfindet. ‘Wir werden die Aktivität Gottes anerkennen, wenn wir vor unseren eigenen Augen die Vertreibung der römischen Truppen sehen. Nur dann werden wir sagen können, dass Gott wieder bei uns lebt und unsere Geschichte/Identität bestätigt (oder rechtfertigt).’ Jesus sagt, dass das Volk Gottes durch eine neue Linse hinter den Augen aussehen muss (das heisst ‘Busse tun’ – metanoia) und die Anwesenheit Gottes neu – das heisst, in der Persönlichkeit Jesu von Nazareth – anerkennen muss. Schau mal anders an, sagt er! Und dann muss man bemerken, was Jesus hinzufügt: ‘Glaubt an das Evangelium!’ Das bedeutet nicht: ‘intellektuell einem theologischen oder philosophischen Vorschlag zustimmen’, sondern ‘dein Leben (Körper, Geist und Seele) zu dieser neuen Weltansicht widmen. Man sollte von jetzt an anders leben – weil man jetzt anders schaut und die Anwesenheit Gottes in der Welt anders wahrnimmt: das heisst die Anwesenheit Gottes in Jesus anerkenned als die Römer im Land bleiben. Neu-schauen um neu zu denken um neu zu leben, meint Jesus.

Und diese Anerkennung hilft uns, wenn wir verstehen wollen, was der Abraham gemacht hat als er die Berufung von Gott hörte: ‚Gehe aus deinem Vaterlande und von deiner Freundschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will. Und ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und sollst ein Segen sein. Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden. (Da zog Abram aus, wie der HERR zu ihm gesagt hatte, und Lot zog mit ihm. Abram aber ward fünfundsiebzig Jahre alt, da er aus Haran zog.) Der Schriftsteller des Hebräerbriefs hat es so ausgedrückt: ‚Abraham ging aus und wusste nicht wo er hinkäme. Durch den Glauben ist er ein Fremdling gewesen in dem verheissenen Lande als in einem fremden und wohnte in Hütten mit Isaak und Jakob.’

Der Abraham wusste nicht wo er hinkäme… aber diese unbequeme, lästige Unwissenheit hat ihn nicht vom Gehen verhindert. Gott hat ihn eingeladen, seine Heimat zu verlassen und für die Reise nur auf ihn zu vertrauen. Man könnte es so beschreiben, dass der Abraham so leben müsste als ob Gott der Herr der Welt sei, obwohl die Augenscheinlichkeit eine andere Geschichte darstellt. Aber dies ist klar: Umzug ist nie bequem.

Als weitere Illustration möchte ich noch einen Stück aus meinem kleinen Buch von Rundfunkschriften lesen:

Eines der stressigsten Dinge im Leben sind Umzüge. Im Spätsommer vor ein paar Jahren, als die meisten anderen Leute dem Ende des Urlaubs entgegensahen, war ich alles andere als entspannt. Die Reisesaison war vorbei, die Sonnenbräune fing an zu verblassen, und der Herbst stand vor der Tür. Die Kinder bereiteten sich auf das neue Schuljahr und die Geschäfte auf das Ende des Sommerlochs vor. Bald würde die Alltagsroutine – ohne Unterbrechung durch die Sommerferien – wieder einsetzen.

Aber nicht in unserem Haus! Wir waren vor kurzem aus einem Dorf in Leicestershire in die Vorstadtidylle von Streatham in South London gezogen. Für uns begann nun eine neue Reise. Und die Weisheit, dass ›das Leben niemals stillsteht‹, zeigte sich wieder einmal erbarmungslos. Nachdem wir uns von all dem hatten verabschieden müssen, was uns seit fast einem Jahrzehnt so vertraut geworden war, mussten wir nun ein neues Leben an einem neuen Ort mit neuen Menschen, neuen Herausforderungen und neuen Chancen anfangen.

Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass unsere Familie das ohne jegliche Erschütterungen überstanden hätte. Die unbekannte Zukunft wirkt immer verführerisch und bedrohlich zugleich. Doch die Vorstellung, dass das Leben eine Reise ist, kann in einer Zeit starker Veränderungen und Unruhen hilfreich sein.

Unser Umzug von Leicestershire bedeutete auch, einige Dinge zurückzulassen. Die Umzugsfirma packte zwar all unseren Hausrat ein, doch sie ließen die Steine und den Mörtel, die Erde und den Rasen zurück. Wir konnten nicht alles in unser neues Leben in London mitnehmen. Selbst Dinge, die unser Leben in der Vergangenheit beglückt oder gestört hatten, mussten der Vergangenheit überlassen werden. Dies konfrontierte uns mit ernsthaften Fragen über das, was wirklich wichtig ist, mit wie wenig Gepäck wir durchs Leben reisen können, wo das Gleichgewicht zwischen dem Wert von Objekten und dem Wert von Beziehungen besteht.

Diese Erfahrung mussten auch viele Personen in der Bibel machen. Ihre Berufung war nicht immer eine willkommene oder bequeme Angelegenheit. Abraham wurde aufgefordert, sein Haus zu verlassen und zu einer Reise an ein unbekanntes Ziel aufzubrechen. Jesus forderte Petrus und andere aktive Männer und Frauen auf, sich ihm anzuschließen und die vertrauten Dinge zurückzulassen, die ihr Leben formten und sinnvoll machten. Tatsache war, dass sie nur auf diese Weise frei waren, um die neuen Geschenke anzunehmen, die vor ihnen lagen. Das einzige Versprechen und die einzige Garantie, die sie erhielten, war, dass Gott sie nie verlassen würde, dass er bis zum Schluss bei ihnen bleiben würde, egal was sie auf ihrer Reise noch alles erwartete.

Doch Sie müssen weder in ein neues Haus noch in eine neue Stadt ziehen, um diese Fragen anzugehen. Gottes Aufforderung an uns war immer – und wird wohl auch immer sein –, einige Dinge, die wir erlebt haben, die wir bedauern oder an die wir uns erinnern, zurückzulassen – selbst die schönen Dinge –, weiter zu ziehen und uns, Gott und die Welt neu zu erleben und zu begreifen. Wir reisen mit Versprechen und Hoffnung im Gepäck. Und jede Reise ist einmalig.

Aber es geht weiter…

Vor zwanzig Jahren hat ein Lied von Cliff Richard mich stark beeinflusst. Eigentlich war es nur eine Single, die Neuaufnahme eines Songs, den er schon Jahre davor herausgebracht hatte. Das Lied heißt Travelling Light (Mit leichtem Gepäck reisen). Ich weiß nicht einmal mehr, worum es in dem Lied ging, doch der Titel blieb meiner Frau und mir im Gedächtnis.

Damals hatten Linda und ich gerade geheiratet, waren im Begriff, ein kleines Häuschen zu kaufen, und Linda erwartete unser erstes Kind. Ich war als Übersetzer tätig und sie arbeitete als Krankenschwester. Wir hatten absolut kein Geld. Als wir Zukunftspläne machten und überlegten, was wir mit unserem Leben anfangen sollten, machten wir uns Gedanken über die Frage von Werten und Eigentum. Wenn man nur wenig hat, ist es sehr einfach, Eigentum philosophisch zu hinterfragen. Doch schon damals schworen wir uns etwas, was wir heute noch, nach fast dreissig Jahren, einzuhalten versuchen. Wir schworen uns, nur mit leichtem Gepäck zu reisen und nie so an Gegenständen zu hängen, dass wir sie nicht mehr loslassen könnten. Der Song Mit leichtem Gepäck reisen von Cliff Richard ging uns nicht mehr aus dem Sinn.

Wie im Alten Testament steht, gibt es eine Zeit zum Festhalten und eine Zeit zum Loslassen. Vielleicht kommt der Zeitpunkt, an dem wir loslassen sollten, genau dann, wenn wir zu sehr an etwas hängen, was in unserem Leben zuviel Bedeutung einnimmt – möglicherweise etwas, was uns wichtiger ist als andere Menschen.

Jesus hat gesagt, es sei leichter, einen Rolls Royce durch eine Drehtür zu kriegen, als einen Reichen in den Himmel zu bekommen… oder so was Ähnliches. Vielleicht waren die Menschen seiner Zeit nicht anders als wir, vielleicht hängten sie ihr Herz nur an andere Dinge. Doch unsere Konsumgesellschaft kann uns sehr leicht verführen und unsere Werte und Beziehungen verfälschen. Sind wir wirklich zum Shopping geboren? Descartes hat gesagt: »Cogito ergo sum« (Ich denke, also bin ich), doch wir sagen »Tesco ergo sum» (Ich kaufe, also bin ich). Um eine Gesellschaft, die zwar das Shopping gelernt doch das Spielen vergessen hat, muss man sich Sorgen machen. Und es gibt etwas zutiefst Beunruhigendes an einer Kultur, die Einkaufskathedralen baut und sich dann wundert, warum alles nach Plastik riecht.

Ich glaube, ich bleibe lieber dabei, mit leichtem Gepäck zu reisen und eine klare Perspektive zu bewahren.

Christen sind die Menschen die in Jesus Christus eine neue raison d’etre und Lebensweise gefunden haben, weil sie in ihm das Gesicht Gottes anerkennen. Christen sind die Menschen die jetzt in dieser komplizierten Welt so leben als ob das Reich Gottes in der heutigen Welt schon anwesend ist. Christen sind die Menschen die von den heiligen Schriften gelernt haben, dass Gott immer wieder sein Volk zu einer (möglicherweise) unbequemen aber herausvordernden Reise hervorruft.

Christen sind die Menschen die heute das zukunftige Leben führt. Ich möchte das durch noch eine Rundfunkschrift erläutern. Diese Andacht geht um die Pilgrimväter, die im Jahre 1620 durch ihre religiösen und politichen Überzeugungen von England nach der Neuen Welt – Amerika – ausvertrieben wurden. Aber die Reise fängt in Liverpool an:

Als ich einundzwanzig war, musste ich aus gesundheitlichen Gründen meine Arbeit in Paris beenden und nach Liverpool zurückkehren. Auch wenn das schon schlimm genug war, so hat sich die Reise an sich tief in mein Gedächtnis eingebrannt. Bei unserer Ankunft in Bologne herrschte ein solches Unwetter, dass die Personenfähre den Kanal nicht überqueren konnte und wir stattdessen auf eine große, leere Güterfähre geschickt wurden. Statt der üblichen einstündigen Überfahrt dauerte es vier Stunden, bis wir England erreicht hatten. Ich möchte Ihnen die Details der Reise ersparen, denn sie waren nicht angenehm und könnten dazu führen, dass Sie nicht zu Ende zuhören. [Schließlich hoffe ich, Sie zu inspirieren, statt Sie aufs Klo zu schicken. Möge der Hinweis ausreichen, dass wir, die Passagiere auf jener Fähre, nicht aufs Klo zu rennen brauchten – stattdessen schien das Klo immer wieder zu uns zu kommen! Also gut – das reicht.] Sie können es sich sicher lebhaft vorstellen…

Als ich später aus dem Krankenhaus entlassen wurde und wieder fit genug war zu reisen, besuchte ich meine damalige Verlobte (die heute meine Frau ist), die damals auf The Wirral lebte. Ich ging also von meinem Haus in Liverpool an den Pier Head und bestieg die Ferry am Mersey-Fluss. Der Fluss floss ruhig dahin, die Sonne schien und die Welt war in Ordnung. Beinahe. Denn sobald ich an Bord war und auf dem oberen Deck saß, bemerkte ich das sanfte Schaukeln des Schiffs und das leichte Summen der Schiffsmotoren. Und ganz unerwartet und unerwünscht wurde ich an die Kanalüberfahrt erinnert. Mit Müh und Not erreichte ich ohne üble Zwischenfälle Birkenhead.

Daran wurde ich wieder erinnert, als ich vor kurzem über den Aufbruch der Pilgrimväter von Plymouth in die Neue Welt las. Sie wussten zwar, was sie zurücklassen würden, doch sie ahnten kaum, was sie auf dem weiten Meer erwartete. Ihr Schiff war ziemlich klein und instabil, doch sie brachen trotzdem auf, denn sie hatten die Vision eines anderen Lebens in einem anderen Land. Ich will mir nicht vorstellen, wie beschwerlich ihre Reise gewesen sein muss. Ich weiß nur, dass ich sie nicht überlebt hätte.

Was mich an den Pilgrimvätern beeindruckt ist ganz einfach die Tatsache, dass sie die Vision einer anderen Welt hatten. Sie waren bereit, ihre vertraute Welt zurückzulassen, um diese Vision umzusetzen. Dies kostete sie alles, was sie hatten, aber dennoch zogen sie den Anker ein und segelten los. Die Bedrohung des Unbekannten hielt sie nicht davon zurück, alles hinter sich zu lassen; das Versprechen der unbekannten Möglichkeiten veranlasste sie, alles zu riskieren. Auch wenn ihre Reise eine unsichere Angelegenheit war, so hielt sie das doch nicht davon ab, aufzubrechen und die Segel zu setzen.

So überrascht es nicht, dass diese Reise ein starkes Bildnis dessen ist, wozu Gott sein Menschenvolk schon immer aufgerufen hat: das Vertraute und Bequeme zurückzulassen, sich auf eine Reise voller Bedrohungen und Versprechen einzulassen, und für die Umsetzung der Vision von einer Welt, die von ihrem Schöpfer geliebt wird, alles zu riskieren. Jesus von Nazareth, der wahrlich kein Romantiker war, folgte der Aufforderung, indem er andere aufforderte, ihm bis ans Ende ihrer Welt zu folgen, und gab nur das eine Versprechen, sie niemals zu verlassen, selbst wenn ihre Reise in Tränen enden würde – dass sie beim Aufbruch, während der Reise und vielleicht auch am Ziel herausfinden würden, dass Gott ihnen treu ist und sie liebt – sogar noch über den Tod hinaus.

[Dem schließe ich mich an. Aber versuchen Sie ja nicht, mich je zu überreden, noch einmal eine Kanalfähre im Winter zu betreten.]

Als wir die Bibel lesen, bemerken wir, dass wir Jesus nicht folgen können ohne einige Sachen hinter uns zurückzulassen – vielleicht unsere Vorurteile, unsere vorgefasste Meinungen über Gott und die Welt, die verkehrte Konsumwerte, den schmachvollen Ruf oder die gewohnten Sünden. Die Reise mit Gott könnte unbequem sein und wir können nichts erwarten, ausserdem, das Gott mit uns geht und uns nie verlassen wird.

Laut des Hebräerbriefs (so hat es der Bischof von Durham aufgefasst): Schau mal an Gott und für alles auf ihn vertrauen – das ist Glaube. Schau mal an die Zukunft und für sie auf Gott vertrauen – das ist Hoffnung. Christen sind die Menschen, die die Geschichte vom ausgesandten Volk Gottes – von Abram durch Mose und Jona und Petrus usw. – kennen und sich selbst – seine eigene Geschichte – darin entdecken. Sie sehen die Vorgänger wie Abraham und Mose und Petrus und glauben an denselben Gott der ihnen auch treu war.

Nach der Bibelgeschichte kann man bestätigen, dass es keinen Glaube ohne Verpflichtung gibt. Es gibt keinen Glaube ohne Verlassen, keinen Glaube ohne Reise, keinen Glaube ohne Herausvorderung, und keinen Glaube ohne das Versprechen, dass wenn auch wir nur aus Neugier Jesus folgen, werden wir nie enttäuscht werden.

Warum nicht? Vielleicht weil die Mitreisende so interessant, so nett und so unkompliziert sind. Mmmm….

The Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) is meeting in Ulm for its annual Synod and I wish I could be there. My diary prohibited it, so the Meissen Commission/Church of England is being represented by one of my colleagues. The exciting thing about this year’s Synod is the election of the EKD’s new governing Council (Rat der EKD) for the next six years. The election of the Rat is followed immediately by the election from its numbers of the President/Chair (Ratsvorsitzender).

kaessmannOK, that doesn’t sound exciting, does it? But it was always going to be a hard job to succeed the retiring Ratsvorsitzender, Bishop Wolfgang Huber, who, as well as leading the Church, has also driven the Reformprozess and is a superb communicator and representative of the Church in the public sphere.

The election this afternoon has seen the Hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann resoundingly elected- the first time a woman will have led the German Protestant Church.

I am biased. Margot Käßmann kindly wrote the foreword to the German-language version of my last book, Finding Faith (In höchsten Tönen, LVH 2009). She is a very popular church leader and bishop of the largest Landeskirche in Germany. She is a superb speaker, preacher, media operator and communicator both in and outside the church. She will bring a renewed and powerful dynamic to the Christian message in Germany and beyond.

It also makes the relations between the EKD and the Church of England interesting as we contemplate the consecration of women as bishops. It will make relations between the Roman Catholic Church and the EKD in Germany even more interesting to follow – with a German Pope and a female Ratsvorsitzenderin of the largest Protestant Church in Europe.