This is the basic text of a sermon preached on Sunday evening 6 April 2014 in the Berliner Dom – one of a series for Lent under the general theme of 'Reformation and Politics'. I was given the theme last December, but only got the biblical text last week. So, having tried to revise it a bit, it ended up a bit of a mess. And there are no jokes…

Wem gehört die Stadt?

Weh denen, die ein Haus an das andere ziehen und einen Acker zum andern bringen, bis daß kein Raum mehr da sei, daß sie allein das Land besitzen! Es ist in meinen Ohren das Wort des HERRN Zebaoth: Was gilt's, wo nicht die vielen Häuser sollen wüst werden und die großen und feinen öde stehen? Denn zehn Acker Weinberg soll nur einen Eimer geben und ein Malter Samen soll nur einen Scheffel geben. (Jesaja 5.8-10)

Als ich die Predigt im Schlussgottesdienst am Deutschen Evangelischen Kirchentag in Hamburg hielt, stellte ich eine Frage: Wie viel ist “genug”?

Propheten wie Jesaja und Micha dachten über diese Dinge nach. Jesajas Gesellschaft rang mit den schwierigen Fragen, wie man leben und lieben sollte mit Menschen, die einfach nicht so waren, wie man sie gern hätte. Jesaja schrieb im Kontext einer wirtschaftlichen Revolution. Religion wurde als ein Mittel angesehen, die Wünsche und Sehnsüchte der Menschen zu erfüllen – was man heute auch Selbstverwirklichung nennen könnte. Das wiederum hatte zu einer Krise der ethischen und sozialen Werte geführt, wobei, wie in solchen Fällen üblich, die Ärmsten am meisten leiden mussten. Die Religion war gezähmt, sie hatte ihre Schärfe verloren – die Schärfe, die daraus resultiert, dass man eine andere Welt für möglich hält.

Was Jesaja zu sagen hat, war also nicht nur für Israel von Bedeutung, sondern es spricht heute zu uns. Denn was er anspricht, sind nicht nur ganz spezielle soziale oder wirtschaftliche Verhältnisse, sondern das Herz und der Verstand des Menschen – und beides scheint sich, ungeachtet all unseres technologischen Fortschrittes, nicht so besonders zu verändern von einer Generation zur nächsten. Es sieht so aus, als wollten wir heute immer noch glücklich und erfüllt und zufrieden sein. Allerdings erkennen wir dabei (immer noch) nicht, dass es solches Glück, solche Erfüllung und Zufriedenheit nicht für Einzelne – oder einzelne Gemeinschaften – geben kann, ohne Rücksicht auf das Glück, die Erfüllung und Zufriedenheit dessen, den die Bibel meinen „Nächsten“ nennt.

Aber Jesaja geht es weniger um die Errichtung eines politischen Programmes als vielmehr um eine Vision. Die Menschen seiner Zeit hatten ihren Weg verlassen, sie hatten sich verlaufen und ihre Geschichte vergessen – ihre Geschichte als Kinder Gottes, der das Universum geschaffen hat und alles, was darin ist, einschließlich der Armen, der Ausländer und derjenigen, die „anders“ sind. Jesaja rief sie auf, nicht nur eine Vision „da draußen“ zu ergreifen, sondern sich ergreifen zu lassen von einer Vision, die sie verändert und die Weise, wie sie Gott, die Welt und sich selbst sehen. Und dieser Vision nach muss man immer nur mit 'genug' zufrieden sein. Der Prophet Micha hat es so ausgedruckt: “Alle Menschen aus Israel und den Völkern werden unter ihrem eigenen Weinstock und unter ihrem Feigenbaum sitzen – niemand wird mehr Terror verbreiten. Denn das Wort ADONAJS, mächtig über Himmelsheere, wirkt. Es wird keinen Terror und keine Angst geben, weil ihr mit eurem eigenen Baum zufrieden sein werdet und den Baum deines Nächsten nicht erobern müsst, weil ihr ihn nicht braucht. Schließlich kann man immer nur unter einem Baum gleichzeitig sitzen, oder?

Aber mein Thema heißt: Wem gehört die Stadt? Und dieses Thema habe ich ziemlich liberal interpretiert.

In Januar dieses Jahres bin ich eingeladen worden, ein Wochende bei Königin Elisabeth in Sandringham zu verbringen. Es stimmt aber nicht, dass ich diese Einladung erhielt, weil ich Fan von Liverpool FC bin. Ihre Majestät wußte natürlich diese wichtige Tatsache, aber das war nicht der Grund dafür, dass ich eingeladen war. Ich war deswegen eingeladen, weil sie im Januar jedes Jahres drei oder vier Houseparties in Sandringham veranstaltet, und ein Bischof (ohne seine Frau, weil es 'Arbeit' heißt) verbringt das Wochenende mit ihnen und hält am Sonntag morgen die Predigt in der Kirche. Ich war bloß an der Reihe.

Der Predigttext an diesem Sonntagmorgen war Jesaja Kapitel 42. Ich sprach von der Erfahrung der Israeliten, als sie sich im Exil fragten, wo Gott ist – wenn er überhaupt tatsächlich da ist. Diese Erfahrung von Entfremdung stammt daher, dass sie unter Zwang von ihrer Heimat weggenommen wurden und jetzt im Exil leben. Sie fragen sich jeden Tag was sie in der Zukunft machen sollen – besonders wenn sie eines Tages wieder nach Hause ziehen dürfen. Aber jeden Tag fühlen sie sich, als ob sie in einem fremden Land leben, wo die Sprache fremd ist, und in dem alles, was sie um sich sehen, laut und klar sagt: du gehörst hier nicht hin, dein Gott hat dich verlassen oder gar vergessen. Und diese Israeliten fühlen sich nicht zu Hause – sie sind entfremdet.

Diese Erfahrung der Entfremdung bleibt nicht nur in der biblischen Geschichte und nicht nur als marxistisches Schlagwort. In den letzten drei Jahren wohnte ich und meine Frau in Bradford, im Norden von England. In Mai oder Juni werden wir noch einmal umziehen, wenn ich zum Bischof von Leeds geweiht werde. Wo wir jetzt wohnen – in den Vororten von Bradford – ist die große Mehrheit der Bevölkerung Muslimisch. Während meiner Predigt in Sandringham habe ich auf die Zahl der Muslime hingewiesen, und die Königin hat mir nachher gesagt, dass sie ganz schockiert war. 70% der Bevölkerung im Stadtteil Heaton sind Muslime aus Pakistan – es kommen noch einige Einwanderer aus Osteuropa dazu. In der Nachbargemeinde liegt die Zahl der Muslime bei 83% – das heißt, 21,000 Menschen.

In dieser Stadt fühlen sich viele alt–Bradfordians wie entfremdet, auch in ihrer eigenen Stadt, auch in ihrer Heimat. Die Welt hat sich stark geändert und manche wissen nicht mehr, wo die Heimat zu finden ist. Sie erleben eine gewisse Unsicherheit, weil sich alles so geändert hat, und sie wissen nicht mehr, wo sie jetzt gehören. Und ich muß klar sein: Die meisten von diesen Muslimen sind Briten. Britisch sein ist irgendwie kompliziert zu definieren.

Wem gehört die Stadt? Das ist die schwere Frage, die wir uns heute Abend stellen. Und wir meinen dabei nicht nur Bradford oder Berlin, sondern auch den sogenannten öffentlichen Raum in der westlichen Gesellschaft. Am Ende des zwanzigsten Jahrhunderts glaubten viele Soziologen und ideologisch getriebene Politiker und Akademiker, daß die Religion als Phänomen bald aussterben würde. Sie hatten den Eindruck, daß es für den religiösen Aberglauben nach dem Siegeszug des Rationalismus und des atheistischen Säkularismus keinen Platz mehr geben würde. Und dann kamen vier Flugzeuge aus dem blauen Himmel heraus, und stürzten in einige stolze Gebäuden in Amerika. Am elften September 2001 sahen wir klar, daß die Religion immer noch in der ganzen Welt von Bedeutung ist.

Um diese Frage – wem gehört die Stadt? – zu beantworten, möchte ich in vier biblische Texte hineinschauen.

Die erste Stadt finden wir ganz am Anfang des Alten Testaments in Genesis Kapitel 4. Kain hat seinen Bruder Abel umgebracht – er war nicht “seines Bruders Hüter” – und Gott hat ihn deswegen aus dem Garten von Eden hinausgeworfen. Er wanderte in der Wüste, bis er endlich eine Stadt baute. Er nannte diese Stadt Enoch, aber wir wissen nicht warum. Aber was bedeutet es, daß er eine Stadt baute? Der französische Jurist und Theologe Jacques Ellul stellte sich diese Frage in einem Buch, das im Jahre 1962 veröffentlicht wurde, mit dem Titel Die Bedeutung der Stadt. Er behauptet, dass die Stadt Enoch nicht wie Liverpool oder Bradford oder Berlin war, sondern eine kleine Siedlung innerhalb einer Mauer, die als Sicherheitsmaßnahme errichtet wurde. Wenn einer sich plötzlich in der Wüste vorfindet, dann weiß er nicht mehr wer er eigentlich ist, wozu er gehört, und was seinen Platz ist in dem großen Universum. So baut er eine Mauer um sich, und fängt dann an, die Siedlung innerhalb der Mauer zu errichten. In diesem kleineren Universum weiß er jetzt, wer er ist – im Vergleich mit anderen Menschen und Aktivitäten in dieser Gesellschaft. Er hat – so zu sagen – die Welt verkleinert, um herauszufinden, was sein Leben bedeutet.

Das heißt, dass die Stadt den heimatlosen und verlorenen Menschen einen Raum bietet, in dem sie eine gewisse Sicherheit und persönliche Bedeutung etablieren könnten. Aus dem Garten des Lebens, und heimatlos in der großen Welt des Unsinns, errichten wir eine Weltanschauung, die unser Leben sinnvoll macht. Das Problem liegt aber darin, dass die Mauer nie genug dick und stark ist, dass Tragödie und menschliche Zerbrechlichkeit nicht das neue Leben stören. Und was machen wir, wenn die Mauer zerbrochen wird – durch Krankheit, Versagen oder Tod eines geliebten Menschen – und wir sehen, dass es ausserhalb der Stadt eine große Welt gibt… dass unsere kleine, selbst-gemachte Welt wirklich beschränkt ist?

Die Stadt ist ein Ort der Illusion der Sicherheit.

Die zweite Stadt finden wir in Jeremias Kapitel 29. Die Israeliten leben im Exil in einem fremden Land. Wie sollten sie sich unter den Ungläubigen und den fremden Eroberern verhalten? Die Antwort auf diese Fragen ist überraschend und herausfordernd:

So spricht der HERR Zebaoth, der Gott Israels, zu den Weggeführten, die ich von Jerusalem nach Babel habe wegführen lassen: Baut Häuser und wohnt darin; pflanzt Gärten und esst ihre Früchte; nehmt euch Frauen und zeugt Söhne und Töchter, nehmt für eure Söhne Frauen und gebt eure Töchter Männern, dass sie Söhne und Töchter gebären; mehrt euch dort, dass ihr nicht weniger werdet. Suchet der Stadt Bestes, dahin ich euch habe wegführen lassen, und betet für sie zum HERRN; denn wenn's ihr wohlgeht, so geht's auch euch wohl. Denn so spricht der HERR Zebaoth, der Gott Israels: Lasst euch durch die Propheten, die bei euch sind, und durch die Wahrsager nicht betrügen, und hört nicht auf die Träume, die sie träumen!

Das heißt: wenn du jetzt hier in dieser Stadt wohnst, gehört diese Stadt dir. Und mit dieser Zugehörigkeit ist eine große Verantwortung verbunden: du bist für das Gute – nein, das Beste – der Stadt verantwortlich, und du musst das Beste suchen und dafür beten. Auf Englisch spricht man von “the Common Good”. Ja, wir haben unsere eigene Identität und gehören zu unserer besonderen Gemeinschaften in der Stadt. Ja, wir sprechen unsere Heimatssprache miteinander, aber wir dürfen nie sagen, “Wir gehören nur zu denen, die unsere Sprache sprechen und auf unsere Weise leben.”

Aber das Problem liegt darin, dass es in einer Stadt immer diejenigen gibt, die sich von dem Stadtsvolk trennen – die sich nicht zu Hause fühlen, die eine andere Sprache sprechen. Wie kommen wir mit dieser Situation zurecht?

Nun wird die Sache wirklich interessant. Vorher sprach ich von den Muslimen in Bradford und oft denkt man im englischen Kontext, wenn man von 'Außenseiter' spricht, dass wir auf die Muslime hinweisen. Aber das stimmt nicht notwendigerweise, und ich möchte kurz erklären warum nicht.

Als am Ende des Jahres 2012 der letzte Erzbischof von Canterbury Rowan Williams von seinem Amt zurück trat, veröffentlichte er ein Buch: Faith in the Public Square. Dieses Buch enthält 26 Vorträge, die er während seinem Amtszeit gehalten hatte. In den ersten zwei Teilen des Buchs konzentriert sich Dr Williams auf den Aufstieg des Säkularismus in einem britischen Kontext des zunehmenden religiösen Analphabetentums. Er stellt sich die Frage, ob der Säkularismus irrt. Hier geht es um –ehrlich gesagt, oft komplizierte – Gedanken über Säkularismus, Glaube und Freiheit; über Überzeugungen, Loyalitäten und den säkularen Staat; über Gesetz, Macht und Frieden. Kurz gesagt: die Säkularisten nehmen gedankenlos an, dass die Religion in eine Privatsphäre gehört; dass, der öffentliche Raum nur denjenigen gehört, die an den Mythos der Neutralität glauben. Eine solche Neutralität gibt es eigentlich nicht. Williams behauptet, dass der Säkularismus grundsätzlich eine Tendenz zu einer eindimensionalen Narrative hat, von der die religiöse Narrative natürlich ausgeschlossen ist.

“Der öffentliche Raum der zeitgenössischen Kultur ist in keiner sinnvollen Weise neutral oder frei: Die christliche Gemeinde muss erkennbar sein durch das Erzählen und Handeln einer Geschichte, die ganz anders ist,als die vom modernen Staat propagierte. Dies beinhaltet natürlich, die Tatsache öffentlich machen, dass der moderne Staat tatsächlich eine Geschichte erzählt; nämlich, dass er nicht einfach die Fleischwerdung einer zeitlosen Idee (Rationalität) ist.” (Williams 2012, p.43)

Vor einigen Wochen unterschrieben 27 anglikanische Bischöfe einen offenen Brief, in dem sie auf die Verbreitung der Foodbanks hinwiesen. Hier bringen Leute Essen, dass die Armen abholen können, weil die staatliche Sozialhilfe stark gekürzt wurde. Braucht es diese Foodbanks an immer mehr Orten im ganzen Land, damit Menschen überhaupt Essen erhalten. Dann veröffentlichte eine englische Zeitung einen Kommentar des Chefredakteurs. Darin sagte er, dass die Bischöfe sich aus der Politik heraushalten sollen. Es brauchte nicht lange, bis ich eine Antwort in meinem Blog darauf schrieb. Wer soll denn sonst noch alles ausgeschlossen werden, von politischen Diskurs? Die Politik hat mit der Polis, der Staat, zu tun – und dass heißt, mit Menschen und ihrem gemeinsamen Leben zu tun.

Der Punkt ist: Die moderne Stadt ist ein Ort, an dem Religion oft im besten Fall toleriert wird und im schlechtesten Fall vom öffentlichen Platz ausgeschlossen wird. Die Kirche muss sich ihren Platz in der Gesellschaft verdienen und sie muss im öffentlichen Raum selbstbewusst agieren; die Kirche kann nicht davon ausgehen, einfach einen Platz in der Nation oder eine Stimme im öffentlichen Raum zu besitzen. Die Stadt gehört jeder Person und jeder Gruppe oder Gemeinschaft, die in der Stadt lebt und von der Stadt einen Lebensraum bezieht und – unter anderen – die zukünftige Form der Stadt schafft.

Die dritte Stadt ist Jerusalem, als Jesus von Gethsemane auf die Stadt hinausschaut. Und er weint. Jesus hat keine Illusionen über die Realität des echten Lebens einer Stadt. Und diese Stadt – die Stadt von David – vertritt eine gescheiterte Vision des Willens Gottes für sein Volk und – gleichzeitig – die beschränkte Vorstellung der Stadt zu einer bestimmten Zeit und in einem bestimmten Kontext. Diese Stadt, diese Stadt des Segens, wird sich bald in eine Stadt des Folterns und der ignoranten Gewalt verwandeln. Und Jesus weint. Nur diejenigen, die die Stadt lieben – mit ihrer Kultur und Menschheit und Vielfältigkeit und Buntheit – können auch über die Realität der Stadt und ihre Menschen weinen.

Die vierte – und letzte – Stadt finden wir ganz am Ende des Neuen Testaments in der Offenbarung Kapitel 21. Und diese überrascht uns. Die neue Jerusalem, die himmlische Stadt, bleibt nicht im Himmel, sondern kommt zu uns. Das ist richtig: der Himmel kommt zur Erde herunter. Wir gehen nicht zum Himmel, sondern der Himmel kommt zu uns.

Das sollte aber eigentlich gar nicht eine Überraschung sein. Am Anfang der Bibel sehen wir, wie Gott nicht auf die Initiative Adams wartet – nach dem Essen der verbotenen Früchte im Garten – sondern selbst die Initiative übernimmt und die nackten – d.h. durchschaubaren – Menschen im Garten suchte. Gott gibt Kain ein Zeichen seines Schutzes – auch wenn Kain das nicht verdient noch darum gebeten hatte. Gott schickt die Propheten. In Jesus Christus kommt Gott zu uns – der ultimative Beweis einer Gnade, die total realistisch und illusionsfrei ist. Gott liebt die Menschen – auch die römische Besatzungstruppen, die jüdischen Behörden, die Armen, die Reichen, die Geschäftsleute und die arbeitslosen Bettler, die Steuereintreiber, die Kranken und die Kinder, die kein anderes Stadtmodell kennen.

Lasst uns nach dieser Geschichte und nach diesen Beispielen aus der Bibel anerkennen, dass die Stadt den Menschen gehört, die darin wohnen und arbeiten, spielen und lieben, gewinnen und verlieren; aber diese Zugehörigkeit beinhaltet eine große Verantwortung: dass alle Menschen sich für das Beste der ganzen Stadt hingeben, und nicht nur ihre eigenen einzelnen Interessen verteidigen. Sie müssen von einer Vision betrieben werden, die klar darüber ist, was 'genug' heißt. Die Geschichte der Bibel und die Erzählung des Evangeliums machen klar, dass Gott von uns ungebeten zu uns kommt. Er kommt, und wir müssen entscheiden, ob wir ihm folgen und aktiv werden, sein Königreich – seine Anwesenheit – in der Welt wahrzunehmnen und aufzubauen. Und das hat mit Land und Boden, Haus und Stoff, Recht und Unrecht zu tun.

Wem gehört die Stadt?

Jeremias 29: Suchet der Stadt Bestes, dahin ich euch habe wegführen lassen, und betet für sie zum HERRN; denn wenn's ihr wohlgeht, so geht's auch euch wohl.

The headline doesn't sound too promising, does it? But, it brings together the last couple of days before I return to Bradford tomorrow for a week of work before having a scheduled holiday the following week.

Having finished Ben Quash's excellent Found Theology, I intended to just spend the last couple of days reading German frivolous stuff. But, I started on Imaginative Apologetics, edited by Andrew Davison instead and got hooked. Serendipitously, it hangs together very well with the Quash book, although written from a different perspective and toward a different end.

Imaginative Apologetics recognises that the current irrational obsession of the New Atheists with what they think of as 'pure reason' (as if it wasn't mediated by a person who brings to the task a tradition and unargued-for presuppositions about the world, the way it is, and why it is the way it is) and 'pure science' (see above) does not need to be responded to on its own redundant terms, but that the premises of the argument can be questioned. And, to cut a long argument short, people need to be appealed to at the level of imagination and emotion – finding a consistency with real lived experience … which is more (but never less than) than 'rational' – and the Christian tradition has a huge amount to offer in this respect.

In fact, Davison himself makes the case right at the outset for Christian confidence when he writes:

The Christian faith does not simply, or even mainly, propose a few additional facts about the world. Rather, belief in the Christian God invites a new way to understand everything. (p.xxv)

He also cursorily quotes Yale's Denys Turner's observation that “the best way to be an atheist is to avoid asking certain questions”. The purpose of this is not to dismiss atheism or atheists, but to ask robust questions about the assumptions and presuppositions that lie before and behind assertions about reality and the absence of God. There is material here for good debate, if the theistic case is accorded some credibility and not simply dismissed prior to consideration. As Alison Milbank puts it, the apologetic task of the Christian is not to appeal to pure reason (as if there could be such a thing), but “to awaken in the reader this feeling of homesickness for the truth”. (p.33)

Each essay is worth reading in itself and I don't intend to go through the whole book here. However, the appeal to art, literature and the imaginative life of a human person (as well as communities) chimes in very well with the case being argued theologically by Ben Quash in his book. In other words, take culture seriously; explore and appeal to the imagination that takes reason seriously; be confident about the role of the imagination in comprehending reality.

Having read this stuff in a cafe in Basel yesterday, I then moved on to the Kunstmuseum Basel. I particularly wanted to see the Hans Holbein painting of the dead Christ (referred to by Ben Quash in his book) and the impressive Impressionist collection. There is nothing quite like an art gallery to make me feel ignorant and illiterate. I look at paintings and know that I don't know how to read them – I don't know the language. I had intended to scan the bulk of the collections and stay for longer with the stuff I knew a little about from my reading, but I found I had paid to see the special exhibition of James Ensor: The Surprised Masks.

I had never heard of James Ensor. I realised I had come across several of his works (The Fall of the Rebel Angels and The Entry of Christ into Brussels on Mardi Gras, for example) but I knew nothing about him or his art. It was stunning. The paintings were interesting, but it was the ink drawings that grabbed me. They explore death, dying, mortality and humanity – but with the sort of humour that had me laughing as I looked at them. It reminded me a little of how I felt when I read Robert Crumb's cartoon version of The Book of Genesis.

The point here is that art goes beyond pure reason (but entirely reasonably) into the imagination in a way that digs at 'truth' and pushes our perceptions of what we assume to be 'reality'.

And this, bizarrely, is what takes me on to immigration. If coming to Switzerland helped me escape some of the sterile immigration debates in England, I quickly got plunged back into them. Recently a referendum narrowly backed the view that restrictions should be imposed on immigration into Switzerland. This caused a huge storm both here and in the wider European Union: decisions have consequences. The political fall-out has been interesting to read whilst actually here in Switzerland. And 'imagination' – in the perverse, but common sense of 'fantasy' – has come powerfully into play in the rhetoric around the issue.

The friend I am staying with is employed by the Swiss Reformed Church to engage in industrial and economic matters (Pfarramt für Industrie und Wirtschaft). He was invited by the local newspaper, the bz Basel, to attend last week's opening night of a performance of Max Frisch's Biedermann und die Brandstifter and to be interviewed by the newspaper afterwards. You really have to know the play, but the performance had a twist in that the stories – in their own words – of immigrants to Switzerland were told to a surprised audience. The interview appeared today and Martin (Dürr) has been getting very supportive messages all day. In the interview – which is amusing as well as intelligent – he sharply calls into question the rhetoric propagated by the right wing that mass immigration is threatening the Swiss way of life. The right wing press (in some cases owned by the leader of the right wing party, the SVP) fan the flames of fear whilst simultaneously offering themselves as the saviours of the nation. Martin put it like this (my translation):

We have to draw a line. For many years the SVP has succeeded in building fears and resentments. The play exposes the mechanisms behind this. I believe there are some very respectable people in the SVP. But, the element that has the say has managed for years to present itself as both victim and saviour. This is a fascinating achievement… They present themselves as victims of the foreign masters in Brussels and of the Left and the Greens and even the remaining left wing press. These are doing terrible things to us and our Swiss identity is being destroyed – say the SVP. At the same time they get up and announce: “Comrades, don't be afraid! We offer you the antidote to this. We are the only ones to really fight to keep the Switzerland that has existed since 1291.”

Sound familiar? Create the spectre – regardless of facts and reality – and then offer a solution to the fear that you have created. It is an interesting and powerful example of political apologetics. It works on the imagination by conjuring a fantasy and then calling it reality.

We are not alone…

 

Advent and Christmas are always a bit of a strain for clergy as they try to find new, fresh or creative ways of telling a traditional story. How do you help people who know the ending be surprised again by that with which they assume they are familiar? (And, for that matter, how do the clergy keep themselves fresh in the re-telling?)

As I found to my cost several years ago (when I published what I still think is a good and useful little book about Christmas, but which didn't sell because of the controversy it generated…), questioning people's perceptions is dangerous. Question the 'story' or vary a detail and you get a barrage of anger, complaint and abuse. OK, that's how we are as human beings who need a consistent narrative against which we shape our assumptions about life and the world.

But, it goes further than this. What if our assumptions are completely wrong, but we shape our society according to them?

We are constantly told that “the church is out of step with culture” – and this, clearly, is supposed to be a bad thing. Yet, the job of the church – its vocation, if you like – is not to reflect or mimic or 'baptise' the culture, but to hold a mirror up to it and question it. That is not the same as being negative towards it, but it is about engaging intelligently with the culture(s) with a confidence that transcends the immediate fashion or drift.

This is what lies at the heart of debates about sexuality. It sometimes feels as if the church is having the debates that wider society can't seem to articulate or frame. Yet, at the same time, the church has to have the questioning humility that is open to the possibility that wider culture might have something to teach a church culture that also finds it hard to question its own fundamental assumptions about God, the world and us.

What sparked this thinking was something I saw on Twitter this morning. It is a slide from an Ipsos MORI survey from 2011. It demonstrates just how wide is the gulf between reality and common perception amongst the great British public. Look at the slide:

And now ask what might be the implications for cultural drift, political decision-making and media reflection on the world (and what people think) of taking perceptions as unquestionably valid, true or accurate.

Now back to Advent and Christmas (and preparing for BBC Radio 2's Good Morning Sunday with Clare Balding tomorrow).

 

So, the conference is almost over. The Konrad Adenauer Stiftung knows how to put on a good debate and the last few days have been very stimulating at lots of levels. As ever, some of the best conversations happen informally – over meals and so on – but follow on from the papers and questioning.

But, so what? Apart from the little I was able to contribute to a German perspective, what do I take back to England?

First, I need (and want) to re-visit Konrad Adenauer himself and will be looking for books at the airport this evening. He was a remarkable man.

Second, looking at the European context in which our various churches live, there are elements of modernity (and, indeed, post-modernity) that we need to explore in England, establishing a renewed confidence in the unique role and place of the church as the valuer of people, creators of space in the public discourse for faith and a content-rich Christian perspective, intelligent critics of art and culture, and relaxed locus of celebration – keeping alive the language of 'home' (to quote Brueggemann).

Third, the encouragement to look through the eyes and listen through the ears of people whose history, culture and context differs from mine – shining a different light on what I think is important and broadening the world.

Fourth, a need early next year (before I leave Bradford and my current post as Bishop) to think deeply and reflectively on the bigger picture gained here and to apply it to the potential for developping the church's mission in England in the changing world of the next couple of decades.

Fifth, a determination to improve my German.

Among other things, of course.

 

The final approach before the conference lands at lunchtime. This morning continues with yesterday's theme, looking at responses to societal and religious changes in Europe: Die Antwort der Religionsgemeinschaften auf die (gesellschaftliche) Pluralität.

The first paper is by Professorin Dr Isolde Karle from the Ruhr-Universität in Bochum on Kirche in der späten Moderne: Herausforderungen und Perspektiven. Again, I need to read the text as she raced through it and I think I missed the odd bit. But, she noted the need for the church to shape societal change and not be associated simply with complaining about it. Culture is always in process of being shaped, including how its ethos impacts on individuals and wider society. The church is one of the losers in Modernity (in some respects), but it must also value what it maintains on behalf of others: for example, (a) keeping alive the language of corporate lament, celebration, praise, etc.; (b) a public value for people regardless of their economic value – care for the weak and poor not to be taken for granted in a society in which the basis for such care is sometimes assumed whilst being exercised consciously only by the church (which has a specific theological anthropology). Church can create the space in which people find belonging and value even when they don't 'belong' to the church itself – the place of a Volkskirche. Questions revolved around the difference between urban and rural (Stadt und Land) contexts, the place of 'belief' in all this church stuff (what does the church actually believe and how important is this 'belief' to its life or to our belonging to it?), and how decentralisation can encourage fresh expressions and a more relaxed approach to the messiness of church development.

The second paper, by Professor Dr Karl Gabriel (formerly of the Universität Münster) addressed Entweltlichung: Kleine Gemeinschaft(en) als Zukunft der Kirche? in seven theses. Basically, and having asked where the boundaries between church and world collide (among other things), he suggested that smaller groups within the church will increasingly need to be ecumenical in a decentralising church at local level. 'Elitist minoritism' must be challenged and cannot thrive in a pluralising context. But, the church's value is essentially to create and maintain space in which faith can thrive, develop and be secured. Questions arose about the difference – in nature and implications – between 'organisation' and 'institution', and how the (Roman Catholic) church has managed either to blend in (or disappear) in public spaces on the ground. The implications of an Anglican understanding of territory/parish (being there for the common good of all and not just for a church's own members) were explored – especially in the potential here for better ecumenical partnership. The top-down nature of the RC Church (and the papacy) was compared unfavourably with the Lutheran understanding that the organisation of the church does not assume the holiness of the people who run it!

The third input of this section came from Professor Dr Peter Heine (Strausberg) and took as its theme: Rückwirkungen westlichen Denkens auf islamische Theologie und Identität. This was really interesting as he told some surprising stories. Noting the constant criticism of Islamic theological approaches – that it has not begun to take seriously the historical-critical method – he cited a group of Shiite theologians in Iran who had read Karl Popper and wanted to establish the Islamic state along Popper's lines. Khameini had told Ahmadinejad that the greatest enemy of their theocratic system is… Jürgen Habermas! (The reason, explained later, was that 'democracy' does not translate into Arabic, but is only associated with Capitalism – and 'Habermas' breaks down as 'money-ism'. Bizarre.) Heine noted that Islamic scholars demonstrate a great interest in western theological and philosophical conversations, whereas western scholars either show little interest in Islamic theological conversations (and usually cannot even pronounce the names properly) and talk about them rather than talking with them. Too much to record and I didn't follow it all (again, what's new there?), but Heine covered a wide range of contexts and ideas.

The final morning of the symposium concluded with a conversation between the former Ministerpräsident of both Rheinland-Pfalz and Thüringen (not at the same time, obviously) Professor Dr Bernhard Vogel, and Dr Daniel Deckers, Political Editor of the Frankfurter Allgemeine Zeitung, on Zeitgenössische Öffentlichkeit: Glanz oder Elend der Religion?

That's it. A summary session and then it is over.

 

This is the text of my paper to the Konrad Adenauer Stiftung symposium in Cadenabbia, Italy, on Religion in the Public Space on 29 October 2013.

Der Weg der Kirche von England gegenüber Unwissen und Distanz zu religiösem Glaube

Ich möchte mit einer Frage anfangen: Für wen ist die Kirche von England eigentlich da? Denn, wie Bob Dylan es formuliert: “The times they are a-changin'”. Und die Kirche existiert nicht primär für diejenigen, die jeden Sonntag an einem Gottesdienst teilnehmen, sondern für alle, die in England leben, ob sie gläubig sind oder nicht.

In England unterliegen wir nicht dem Irrtum, das Christentum sei tot. Es sind diejenigen Formen des Christentums und der Kirche, die im Britischen Empire entstanden und im 19. Jahrhundert exportiert wurden, die im 20. Jahrhundert anfingen dahinzusiechen, als Europa von Kriegen und Gewalt erschüttert wurde und Fragen laut wurden über Gott, die Geschichte und die Rolle (Bedeutung? )der Menschheit. Die bisherigen Überzeugungen über den Platz und die Rolle der Kirche in der Gesellschaft wurden in diesem Jahrhundert erschüttert, und zu Beginn des 21. Jahrhunderts sind Religion allgemein und das Christentum im besonderen leichte Beute für herablassende Ablehnung sowohl in der akademischen wie der populären Kultur.

Heutzutage müssen wir einfallsreich, selbstbewusst und fantasievoll sein, wenn wir den Ort und die Bedeutung des christlichen Glaubens für das persönliche und das öffentliche Leben beschreiben und dafür streiten wollen. Wir müssen Wege finden, das Evangelium von Jesus Christus so zu beschreiben – und als Zeugen dieses Evangeliums zu leben – die Menschen zur Kirche ziehen. Und wir müssen junge Christen ausbilden, die bislang keine Ahnung haben von der Bibel oder irgendeiner christlichen Geschichte. Mit anderen Worten: Die Kirche muss sich ihren Platz in der Gesellschaft verdienen und sie muss im öffentlichen Raum selbstbewusst agieren; die Kirche kann nicht davon ausgehen, einfach einen Platz in der Nation oder eine Stimme im öffentlichen Raum zu besitzen.

Diese Einsicht ist besonders wichtig in einer Zeit, in der der Säkularismus stärker wird – insbesondere in der Gestalt der aggressiven neuen Atheisten. Terry Eagleton (prominente britische Professor of Cultural Theory and English Literature) wirft den neuen Atheisten vor, einen billigen Atheismus zu betreiben – ohne die intellektuelle Anstrengung des Nachdenkens und Debattierens selbst zu leisten, sondern stattdessen auf dem Rücken anderer Leute wie (Professor) Richard Dawkins zu reiten, der, statt über einen Fall zu diskutieren, einfach eingängige Feststellungen trifft.

In England hat der Aufstieg des Säkularismus, begleitet von der modischen und oft vereinfachenden Missionierung durch die neuen Atheisten, eine Atmosphäre sowohl von Skepsis (die meiner Meinung nach ganz gesund ist) und Zynismus (der ungesund ist) geschaffen. Man könnte einiges sagen über die Art und Weise, wie diese Debatten in den Medien geführt werden, aber für meine Zwecke hier genügt es zu sagen, dass es zumindest einen sehr hilfreichen Effekt auf die Kirche hat: Christen müssen stärker nachdenken, sie müssen ihren Glauben kennen und ihn leben, sie müssen sich bewusst für ein Leben in der Kirche entscheiden (und nicht einfach hineingeboren werden) und müssen selbstbewusster sein als Christen in der großen weiten Welt. Religiöser Glauben darf sich genauso wenig in die geschützte Privatsphäre zurückziehen, wie die Säkularisten allein Anspruch auf den öffentlichen Raum erheben dürfen.

Dies ist der kulturelle Hintergrund, vor dem alles andere in England stattfindet. Eine Wissenschaftlerin, mit der ich neulich sprach, beklagte sich bitterlich über die Unwissenheit von Schülern und Studenten im Blick auf Religion allgemein und das Christentum im Besonderen. Wie soll man englische Geschichte, Kunst, Literatur, Poesie oder Musik verstehen, ohne ein paar grundlegende Geschichten der Bibel und ihre Sprache zu kennen? Es ist ein bisschen so, als wollte man die deutsche Politik und Geschichte verstehen, während man die Reformation oder die Rolle des Christentums in Europa ignoriert.

In England bezeichnen wir das als ‚religiöses Analphabetentum‘ und es ist vor allem in Bezug auf die Medien von Bedeutung. Die BBC hat inzwischen eine interne Fortbildung, mit der sie den Versuch macht, Journalisten und Moderatoren im Blick auf die Rolle der Religion in der Welt weiterzubilden. Es ist einfach unmöglich, den Irak, Afghanistan, Syrien, den 11. September, die Vereinigten Staaten von Amerika – um nur ein paar zu nennen – ohne differentierte Kenntnis der Religion zu verstehen.

Vor zwei Wochen (am 17en Oktober) haben eine Medienfirma und der Theos Think Tank in London eine Initiative gestartet. Sie wollen regelmäßig kostenfreie Podcasts produzieren, die sich mit der sich wandelnden religiösen Landschaft Englands auseinandersetzen. In der entsprechenden Pressemitteilung heißt es:

“Der Kirchenbesuch ist in Großbritannien dramatisch zurückgegangen, nur noch 7 Prozent (der Bevölkerung) besuchen jede Woche einen Gottesdienst. Dennoch bezeichnet sich jeder Dritte derjenigen, die nie eine Kirche besuchen, als Christ, und mehr als jeder Dritte glaubt an eine höhere Macht. Weniger Menschen fühlen sich von organisierter Religion angezogen, aber mehr Menschen glauben an Engel – jeder Dritte tut das. Gleichzeitig erleben manche Glaubensgemeinschaften eine Blütezeit wie nie zuvor – von den schwarzen Pfingstkirchen bis zum Buddhismus. Dieses neue spirituelle Klima will „Things Unseen“ – Unsichtbare Dinge thematisieren, indem es zum Nachdenken anregende, intelligente Radiobeiträge als freie Downloads anbietet.

Unsichtbare Dinge will Themen anpacken, die im Blick auf das neue spirituelle Klima wirklich erstaunlich sind:

  • Grenzphänomene religiöser Erfahrung, wie etwa „Phantombesuche“ von Sterbenden. Ein Wissenschaftler sagt, dies ist nicht einfach nur der Stoff, aus dem schlechtes Nachtprogramm im Fernsehen gestrickt wird – aber wie passen solche Phänomene in die Weltsicht des Christentums und anderer Religionen?
  • Neue Dilemmata, wie zum Beispiel das ethische Minenfeld, das sich durch die Sozialen Medien in einer multi-religiösen Welt ergibt
  • Die spirituelle Dimension der sogenannten human interest stories – der Geschichten, die das Leben so schreibt. Diese spirituelle Dimension wird selten betrachtet – zum Beispiel die langfristigen spirituellen Folgen für diejenigen Familien, in denen ein Angehöriger vermisst und niemals gefunden wird.”

Dies fasst die Situation in England ganz gut zusammen und – wie ich vermute – auch die Situation in anderen europäischen Ländern, wenngleich sie dort vielleicht noch nicht so klar erkennbar ist. Die Art und Weise, wie religiöser Glaube zum Ausdruck gebracht wird, verändert sich rapide und organisierte Religion sieht sich vor ernsthafte Herausforderungen gestellt.

Der Aufstieg von Säkularismen – und ich spreche hier ganz bewusst im Plural – baut Druck aus zwei entgegengesetzten Richtungen auf: (a) durch den Versuch, alles zu marginalisieren, was mit christlichem Glauben oder seiner Ausdrucksweise zu tun hat – in der Annahme, dass jede religiöse Weltanschauung nur eine Privatangelegenheit ist, während das, was wir den ‚säkularen Humanismus‘ nennen können, das Vorrecht auf den öffentlichen Raum hat, und (b) durch Formen des Multikulturalismus, die die Religion auf eine Anzahl vergleichbarer Phänomene reduziert und relativiert – aber ohne deren Inhalte ernst zu nehmen.

Seit dem 11. September wird dies noch verstärkt durch die Annahme vieler Politiker und Medienleute, dass Religion die Ursache eines Problems anstatt die Quelle der Lösung ist – und dass religiöse Menschen daran gehindert werden müssen, sich gegenseitig zu bekämpfen, auch dort, wo es gar keine Anzeichen für einen Konflikt gibt.

Daraus resultiert, was wir oben als ‘religiöses Analphabetentum‘ bezeichnen. In der Kirche von England setzen wir uns auf verschiedenste Weise und auf unterschiedlichen Ebenen damit auseinander. (Wenn Menschen fragen: ‚Warum tut die Kirche nicht etwas, um…‘, dann frage ich meist, wer denn ihrer Meinung nach ‚die Kirche‘ ist. Ist es der Pastor? Oder die Ortsgemeinde? Oder die Diözese, die Landeskirche? Oder die landesweite Kirche? Oder die Generalsynode oder die Bischöfe? Denn die Kirche von England arbeitet auf all diesen Ebenen.)

Auf nationaler Ebene beschäftigt sich die Kirche von England zum Beispiel durch das House of Bishops, durch die (26) Bischöfe, die im House of Lords sitzen, durch den Ausschuss für Mission und öffentliche Angelegenheiten (Mission & Public Affairs Panel) in der Generalsynode und durch die Bildungsabteilung mit diesen Fragen, indem sie Richtlinien erarbeitet, Ressourcen zur Verfügung stellt und sich mit der Regierung, mit Politikern, Organisationen und anderen Gremien auseinandersetzt. Die Diözesen bieten Schulungen für die Geistlichen und die Laien an. Auf der Ebene der Ortsgemeinde (the parish) gibt es oft sehr kreatives Engagement in den Schulen und anderen lokalen Vereinen und Gemeinschaften. Bischöfe erheben die Stimme und engagieren sich in der öffentlichen Debatte, in akademischen Kreisen oder in den Medien – dazu werde ich gleich noch mehr sagen.

Ein konkretes Beispiel für diese Art der Auseinandersetzung mit den Gegebenheiten der modernen Gesellschaft ist die große Anzahl an Glaubenskursen, die auf lokaler Ebene von den christlichen Kirchen angeboten werden. Vom ‚Alpha‘- oder dem ‚Emmaus-Kurs‘ bis hin zu neuen Materialien unter dem Titel ‚Pilgrim/Pilger‘, die das House of Bishops herausgegeben hat, zielen all diese Initiativen darauf, Menschen dort zu begegnen, wo sie in ihrem Leben gerade sind und mit all den Fragen, die sie gerade haben. Die Tage des gelehrten Monologs sind weitgehend vorüber – jetzt leben wir in einer Welt des Gesprächs, in der die Kirche ihre Anwesenheit rechtfertigen, und für das Recht gehört zu werden, streiten muss.

Die Kirche von England lernt, den Menschen dort zu begegnen, wo sie tatsächlich sind (und nicht, wo wir wünschten, dass sie sein sollten) und sie lernt – und das ist vielleicht noch wichtiger – in Sprachen zu sprechen, die gehört und verstanden werden können. In den letzten zehn Jahren haben wir tausende Projekte entwickelt, die wir „fresh expressions of church“ nennen: neue, frische Gesichter oder Ausdrucksweisen der Kirche. Dazu zählen innovative Gemeindeformen in Clubs, Kneipen, in Privathäusern oder sogar in Firmen. Nach und nach ermutigt das die Anglikaner, immer neu darüber nachzudenken, wie man Menschen in ihren jeweiligen Lebenszusammenhängen erreichen kann.

Diese neue Experimentierfreude in Sachen christlicher Verkündigung ist vielleicht am deutlichsten sichtbar in der Art und Weise, wie wir mit den Medien umgehen – insbesondere mit den Sozialen Medien. Ich will anhand einiger persönlicher Beispiele zeigen, was das mit unserer Relevanz zu tun hat.

Ich bin einer der so genannten Medien-Bischöfe der Kirche von England. Das bedeutet nicht nur, dass ich mit Medienpolitik auf nationaler Ebene zu tun habe, ich bin auch Vorsitzender einer Mediengesellschaft und ich gehe selbst regelmäßig auf Sendung. Mein Interesse dabei liegt weniger bei den christlichen Medienunternehmen, die den ohnehin schon Überzeugten predigen, sondern eher bei der BBC und anderen unabhängigen Medienproduzenten. Jede Programmsparte verlangt dabei einen anderen kulturellen Bezugsrahmen und eine andere Art von Sprache. Wenn ich zum Beispiel ein Manuskript für eine Ansprache auf BBC Radio 4 schreibe, gehe ich von einer gebildeten Zuhörerschaft aus, die über Email oder Twitter auf das Gehörte reagieren. Wenn ich eine Morgenandacht für die Chris Evans Frühstücksshow auf BBC Radio 2 schreibe – was ich regelmäßig tue – muss ich eine andere Form wählen – immerhin hören dort wöchentlich 10 Millionen Menschen zu, die sich nicht ausgesucht haben, mir inmitten des schnellen und trendigen Programmes zuzuhören. Und wenn Elton John neben einem sitzt, sieht man das eigene Zwei-Minuten-Manuskript noch mal mit ganz anderen Augen.

Diese Art des Engagiert-Seins verlangt Einfallsreichtum und einen gewissen Abenteuergeist. Man muss die Aufmerksamkeit des Publikums packen, muss ihre Vorstellungskraft reizen mit einer Geschichte oder einem Bild, muss etwas Sinnvolles sagen, das in der Erinnerung hängen bleibt und muss einen Mehrwert für das Programm insgesamt liefern. Mit anderen Worten: Der Inhalt muss zum Medium passen, denn das Medium legt alles andere fest. Ist das nicht der Ort, wo die Kirche sein sollte?

Nun, dies führt uns zu einer weiteren Frage in Bezug auf das religiöse Analphabetentum (oder das religiöse Unwissen). Gemeinsam mit anderen setze ich mich dafür ein, dass die BBC die Religion insgesamt einen anderen Stellenwert einräumt, indem sie einen Chefredakteur für Religion einsetzt. Es gibt einen Chefredakteur für Wirtschaft, für Politik, für Sport und so weiter. Ihre Aufgabe ist es nicht, für ihr Themenfeld zu missionieren, sondern die Ereignisse in diesem Bereich zu interpretieren – oder die Ereignisse in der Welt zu interpretieren, wie sie sich durch die Brille ihres Bereiches darstellen. Wie war zum Beispiel nach dem 11. September die wirtschaftliche Sichtweise, wie sich die Welt nun darstellt oder interpretiert werden sollte? Genauso sollten wir davon ausgehen, dass die Menschen die Welt um sie herum nicht vollständig verstehen können ohne ein gewisses Verständnis dessen, wie Religion funktioniert und welche Auswirkungen sie auf das Weltgeschehen hat.

Diese Art der Auseinandersetzung können nur einige von uns führen. Die Stimme des Gemeindepfarrers vor Ort hätte hier kein Gewicht; anders als die der Bischöfe, die durch ihre Erfahrung und ihre Beschäftigung mit den Medien eine gewisse Autorität in diesen Fragen erlangt haben. Gleichzeitig bietet die Kirche auf nationaler und regionaler Ebene viele Kurse an, um Christinnen und Christen zu ermutigen und zu befähigen, in den Medien aktiv zu sein, besonders in den Sozialen Medien wie Twitter, Facebook und so weiter.

Das Entscheidende ist, das religiöse Analphabetentum in vielfältiger Weise anzugehen, dem jeweiligen Anlass und der Art des Diskurses angemessen – und die Kirche von England tut das.

Der Schlüssel dafür ist Einfallsreichtum und Vorstellungskraft. Die Kirche von England gibt sich nicht der Nostalgie hin, indem wir uns wünschen, die Welt wäre anders – oder davon träumen, wie schön sie einmal war. Stattdessen suchen und ermutigen wir kreative Wege der Begegnung mit den Menschen, dort, wo sie sich in ihrem täglichen Leben befinden. Ja, das bedeutet auch viele Debatten mit den so genannten Neo-Atheisten und anderen. Ja, das bedeutet auch, auf Diskussionen zu antworten wie selbst welche zu beginnen. Es bedeutet aber auch, die in Politik und Medien weitverbreitete Annahme zu hinterfragen, dass Religion Privatsache sei und auf das Privatleben beschränkt bleiben sollte, damit der öffentliche Raum frei bleibt für diejenigen, die ihre eigene Weltsicht (oder kulturelle Prägung) für neutral halten.

In England sehen wir uns einer sich rasant verändernden kulturellen Landschaft gegenüber, besonders im Blick auf den Multikulturalismus. In Bradford, wo ich lebe, sind 80 Prozent der Einwohner asiatisch-stämmige Muslime. Was heißt es, in einer solchen Gemeinde anglikanische Kirche zu sein? Diese Frage haben wir im September bei einer Konferenz behandelt, als die Meissen Kommission nach Bradford kam und wir untersucht haben, wie ‚Kirche‘ in einem solchen Kontext aussehen kann. Kern unseres anglikanischen Ansatzes ist ein Ausdruck, den wir für unsere Beziehungen mit Menschen anderer Religionen verwenden: Presence and Engagement Da-Sein und Engagement (Anwesenheit und Einsatz?)

Wir sind geographisch und territorial, wir sind physisch anwesend in unsere Gemeinde und bieten den Menschen um uns herum Raum und Beziehung. Der Ausdruck ‚Presence and Engagement‘ bringt den anglikanischen Ansatz auf den Punkt, wie wir unsere Aufgabe in England auf allen Ebenen sehen: Wir sind da und wir sind bereit, uns die Hände schmutzig zu machen.

Mir scheint, dass dies am besten – und am präzisesten – illustriert, wo sich die Kirche von England sieht (d.h. wie die Kirche von England ihre Rolle und ihre Aufgabe sieht) in einer Gesellschaft, in der Religion oft missverstanden, falsch dargestellt oder ignoriert wird. Es gibt schlimmere Orte…

This Konrad Adenauer Stiftung symposium in Cadenabbia, Italy, began on Sunday by setting the scene for the main theme: Der öffentliche Raum in Europa und seine religiös kulturelle Prägung. It did so by discussing Religion und Säkularität in der Moderne. Day Two continued by examining Religion im Spiegel der Öffentlichkeit – looking at some of the challenges to religion in Europe and some of the cultural changes that lie behind them. Day Three focused on how several different religious communities are responding to religious pluralism: the Orthodox in East and South Eastern Europe, the Roman Catholic Church in France, and the Church of England in the light of increasing religious illiteracy. We concluded (prior to a boat trip across Lake Como in a thunder storm and visits to a couple of nice places) with a discussion about the future of religion in a pluralist Europe. Needless to say, the whole conference thus far has been intelligent, informed and fascinating. (Although, as usual, I feel like the dunce in the class…)

Professor Dr Radu Preda from the University of Babes-Bolyai in Romania did a superb analysis (in embarrassingly fluent German) of how the Orthodox churches have responded to the radical changes in East and South Eastern Europe: Die Situation der Orthodoxen Kirchen in den Transformationsländern Ost- und Südosteuropas. Acknowledging that Orthodoxy cannot speak with one voice – because of its national and ethnic ('tribal') polities – he went on to relate the church's mission in relation to territory and power. What is clear is that those churches that found freedom in the end of Communism have simply been so compromised by their allegiance to the 'new' political powers that they have lost their prophetic voice. The big challenges are (a) pluralism and (b) corruption.

This was followed by Professor Dr Henri Ménudier (Université de Paris 3 – Sorbonne Nouvelle) describing the situation in France with its particular and unique process (ideology?) of laïcité. Addressing the title of Proposer la foi: Das Angebot der Kirche in Frankreich, he described the challenging situation facing the church there (what's new?) before going on to suggest where the challenges are actually throwing up opportunities where the church is willing to be creative. Inevitably, celibacy, women priests and the Roman Catholic Church's sacramental response to divorced people (50% of marriages in France, apparently) must be up for grabs. Pluralism is a further challenge, and he surprised me by saying that there is little dialogue between Christians and Muslims in France. This led to a wide-ranging discussion of social and political debates in France.

It is never easy to follow good, informed and fluent speakers on any subject and in any circumstances. Following these guys didn't exactly fill my heart with overflowing gladness. But, I had been asked to do a paper on Der Weg der Kirche von England gegenüber Unwissen und Distanz zu religiösem Glauben. I will post the basic paper separately, but I offered a glimpse of how we in the Church of England try to engage creatively in a context of pluralism, religious illiteracy and media variability in respect of religion in general and the church in particular. As always, the real value came in the questioning and debate that followed the paper. The point relayed back to me by both theologians and journalists (there are several serious journalists here, including the Political Editor of the Frankfurter Allgemeine Zeitung – and he is a really good bloke) was my comment that the church has always been a mess, is a mess, and always will be a mess…, so get used to it and relax a bit more.

After a heavy three days we spent the rest of the afternoon on Lake Como and continuing conversations into the evening. I know I am privileged to be here and to be invited to take part in conferences like this. I think, though, that such engagement feeds my mind and soul, represents the best Continuing Miniaterial Development that I cold ever do, and, at a time of great uncertainty about my own ministerial (episcopal) future, gives me the space to withdraw from the immediate pressures of the diocese and reflect on broader themes that shape how I see God, the church, the world and myself.

We conclude in the morning with further papers and discussion before headig for Milan and the long flights home to Bradford (via Munich and Manchester), but I probably will not get space to post before leaving.

 

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